Review
von PhoenixHH
Fast hätte ich mir Wolfgang Petersens "Poseidon" gar nicht angesehen - zu schlecht waren die Kritiken. Wie gut, dass ich davon nicht habe beeinflussen lassen: Dieser Film ist, neben "Das Boot", "Air Force One" und "In The Line Of Fire", der beste Film von Petersen.
Die Inszenierung ist großartig - nicht zuletzt weil Petersen ganz konservativ tatsächlich Sets fluten ließ und nicht alles aus dem Computer kam. Das macht den Film deutlich realistischer in den Katastrophen-Szenen. Die Katastrophe mit der Riesenwelle an sich, aber auch etwa die spätere Überflutung des Ballsaals sind toll geworden. Für solche Filme wie diese ist Kino schließlich da. Aber auch "kleine" Szenen, wie etwa die in dem engen Schacht, haben mich gepackt (nicht zuletzt, weil ich selbst auch zur Klaustrophobie neige und die Panik der Frau absolut nachvollziehen konnte).
Die Vorwürfe an den Film, er zeichne die Charaktere zu wenig, ist lächerlich. Worum geht es denn in "Poseidon"? Doch nicht darum, einen Oscar für darstellerische Leistungen zu bekommen. Ich gehöre sogar eher zu denjenigen, die sich langweilen, wenn sie erstmal eine Stunde vor Einsetzen der Katastrophe erfahren müssen, dass einem der Hauptakteure die Frau weg gelaufen ist oder irgendwer irgendwen inflagranti erwischt hat. Zum Zweiten macht es die Situation doch nachvollziehbarer: Die Akteure, die durch das Schicksal wild zusammen gewürfelt wurden, kannten sich vorher ja auch nicht. Warum muss ich also als Zuschauer da jetzt Details wissen? Negativbeispiel ist "Deep Impact": Man wartet ungeduldig bis endlich die Katastrophe kommt und wird über eine Stunde mit oberflächlichen menschlichen Schicksalen ewig gelangweilt.
"Poseidon" bietet knapp 100 Minuten tolles Popcorn-Kino - das ist der Anspruch des Filmes und dem wird er voll gerecht! (9/10)