Nach einer wahren Begebenheit: George Jung, gespielt von Johnny Depp, beschließt später finanziell besser dazustehen, als sein Vater, gespielt von Ray Liotta, der hart arbeitet, aber mit seiner Familie am Existenzminimum lebt. Jung beginnt Drogen zu dealen und steigt dabei immer weiter auf, bis die Polizei ihn schließlich aufspürt. Im Gefängnis lernt er einen Kolumbianer kennen, durch dessen Hilfe er nach seiner Entlassung ein gewaltiges Geschäft mit einem Drogen-Boss aufziehen kann, bis schließlich sein unaufhaltsamer Abstieg beginnt.
Wer sich "Blow" ansieht, wird sich am Ende unweigerlich die Frage stellen, wie die George-Jung-Biografie von Ted Demme, der zwei Jahre nach Vollendung seines bekanntesten Werks im Alter von 39 Jahren aufgrund eines Herzanfalls verstarb, woraufhin Kokainspuren in seinem Körper gefunden wurden, den Quasi-Kultstatus erreichen konnte, denn besonders auffällig oder in irgendeiner Hinsicht überragend ist der Film nicht.
Sucht man den Vergleich zu anderen Gangster-Biografien wie "Goodfellas" oder "American Gangster", die vergleichbare Thematiken behandeln, so lässt sich definitiv festhalten, dass es sich bei Demme weder um einen Scorsese noch um einen Scott handelt. Denn mitreißend ist die Biografie nicht wirklich gestaltet, auch wenn sich Demme alle Mühe gibt und unter Anderem mit der etwas rührseligen Beziehung des Protagonisten zu seinem Vater, der immer hinter ihm steht, versucht, emotional an das Schicksal des aufsteigenden Dealers fesseln zu können. Aber Jungs persönliche Gründe, immer weiter aufsteigen zu wollen, immer mehr Geld anhäufen zu können, werden dabei nicht allzu deutlich, genauso, wie die Beziehung zu seiner überaus nervigen Frau, der es ebenfalls an emotionaler Tiefe mangelt. "Blow" lässt sich dabei sicherlich nicht absprechen, dass er bei seinem ordentlichen Erzähltempo, den teilweise auch etwas amüsanten Anekdoten des Erzählers und mit der interessanten, wahren Begebenheit im Rücken doch ziemlich unterhaltsam ausfällt, aber er sehnt sich dann doch die meiste Zeit etwas höhepunktslos seinem Ende entgegen, um erst in den letzten Minuten wirklich dramatisch und mitreißend daherzukommen und so am Ende zumindest einen leicht überdurchschnittlichen Eindruck zu hinterlassen.
Immerhin macht "Blow" dabei visuell ein bisschen was her, ist optisch auf Hochglanz poliert, weitestgehend ordentlich musikalisch hinterlegt und dazu routiniert erzählt, sodass man Demme, der das Potential von Story und Darstellern ansonsten nicht gänzlich auszuschöpfen weiß, zumindest handwerklich keinen Vorwurf machen kann. Dennoch wäre es wichtiger gewesen dem Film Herz und Seele einzuhauchen.
Einen realistischen Einblick in den amerikanischen Drogenhandel gibt es derweil nur in Ansätzen, aber derart authentisch, düster und verstörend, wie es Soderbergh mit seinem Meisterwerk "Traffic" gelang, ist die Milieustudie in diesem Fall jedoch bei Weitem nicht ausgefallen, sodass auch hier eine weitere Möglichkeit außer Acht gelassen wird, aus einer interessanten wahren Begebenheit und einem starken Cast einen echten Kultfilm auf die Beine zu stellen.
Johnny Depp spielt den jungen Drogendealer, der schließlich zu einer echten Größe im Geschäft aufsteigt, dabei alles in allem ordentlich, wirkt aber verglichen mit seinen wirklich starken Rollen etwas zurückhaltend und entfaltet nicht ganz die Präsenz, die er als alleiniger Hauptdarsteller in diesem Biopic benötigt hätte. Dagegen ist Ray Liotta als Vater Jungs nicht nur gut, sondern herausragend, spielt die Rolle sympathisch und ist damit auffälliger als der eigentliche Hauptdarsteller, während Penelope Cruz, die die Rolle der zickigen, nervigen Ehefrau Jungs sicherlich gut ausfüllt, in ihrem kaum konstruierten Nebencharakter gar nicht so recht die Chance geboten bekommt, ihr darstellerisches Potential aufblitzen zu lassen. Wäre noch zu erwähnen, dass auch Ethan Suplee und Franka Potente zu überzeugen wissen, genauso, wie der restliche Cast.
Fazit:
"Blow" ist handwerklich gelungen umgesetzt und weiß aufgrund der interessanten Biografie von George Jung und des guten Casts ordentlich zu unterhalten, sodass er das einmalige Ansehen auf jeden Fall wert ist. Warum das Biopic, das ansonsten keinen tieferen Einblick in den Drogenhandel gibt und erst zum Ende hin wirklich mitreißend ausfällt, jedoch teilweise als Kultfilm gewertet wird und in der Rangliste noch vor "American Gangster" und "Traffic" steht, weiß der Kuckuck.
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