„Alle rund um dich sterben immer. Nur du nicht! Warum?!“
Ab Anfang der 1980er investierte die US-amerikanische Filmindustrie verstärkt in Action-/Kriegsfilme, die der aggressiven Außenpolitik des US-Präsidenten Ronald Reagan folgten und teils mit finanzieller Unterstützung des US-Militärs das Vietnamkriegstrauma überwinden und das Bild der Rolle der eigenen Soldaten verklären, im Prinzip die Geschichte umschreiben sollten: So entstanden Propagandafilme, die reaktionär vor der „roten Flut“, als die man die Bedrohung durch die Sowjetunion und ihrer Verbündeten darstellte, warnen und so das Feindbild des Kommunismus festigen sollten ebenso wie sog. Rescue Movies, in denen tapfere, heldenhafte Soldaten es als Ein-Mann-Armee mit den Vietcong aufnehmen, um US-amerikanische Kriegsgefangene zu befreien und somit die Überlegenheit der eigenen Soldaten zu demonstrieren. Gern erledigte man auch beides in einem Abwasch wie beispielsweise in „Rambo II“, der dem italienischen Plagiator Bruno Mattei offensichtlich Vorbild für „Strike Commando“ alias „Cobra Force“ war und 1987, nur ein Jahr später, für Matteis leicht abgewandelten „Der Kampfgigant“ Pate stand:
Robert „Bob“ Ross (Miles O’Keeffe, „Ator – Herr des Feuers“) hat bereits sechs Himmelfahrtskommandos überlebt und nimmt dankbar den Auftrag Senator Blasters (Donald Pleasence, „Halloween – Die Nacht des Grauens“) an, eine Gruppe nordvietnamesischer Terroristen im Dschungel des gebeutelten Landes aufzuspüren und auszuschalten. Seine persönliche Motivation liegt jedoch vielmehr darin begründet, seinen Sohn ausfindig zu machen, den er einst mit einer Vietnamesin zeugte, die mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat. Die Sowjettruppen um Colonel Galckin (Bo Svenson, „Night Warning“) beäugen Bob natürlich kritisch und halten ihn für einen CIA-Agenten, wissen jedoch nicht, dass dessen Rückkehr in die USA gar nicht geplant ist – zumindest nicht lebendig…
„Der Junge mag dich nicht!“
Da wäre er also wieder: Der raubeinige US-Elite-Soldat, der sich heldenhaft und waghalsig zurück in den mörderischen Dschungel Vietnams begibt und nicht nur auf der Abschussliste des bösen Vietcong steht, sondern es auch noch mit dem Russen zu tun bekommt und sich zu allem Überfluss nicht einmal der Unterstützung der eigenen Administration sicher sein kann, die ihn opfern und im Dschungel verrecken lassen möchte – schließlich waren es Bürokratie und Politik, die seinerzeit die moralisch eigentlich integren eigenen Truppen verraten haben und wer überlebt hatte, musste sich auch noch gesellschaftlichen Spott und Ausgrenzung durch die Kriegsgegner gefallen lassen. So einfach funktioniert US-amerikanische Verklärung realer Ereignisse und nur allzu bereitwillig ließen sich Mattei, Co-Autor Claudio Fragasso (der mit „Troll 2“) und Konsorten darauf ein, um auch an diesem idiotischen Filmgenre zu partizipieren. Gestreckt wurde „Der Kampfgigang“ mit der Handlung um Bobs Sohn, welcher seinen Vater zunächst einmal verständlicherweise verachtet, was zum einen oder anderen scharfzüngigen Dialog führt.
„Achtung, Jeep!“
Die Rollen wurden teilweise 1:1 aus den filmischen Vorbildern übernommen und auch hier ist der „Held“ einfach nicht totzukriegen, kennt er sich doch besser im Dschungel aus als es offensichtlich die einheimischen „Terroristen“ tun. Ein nordvietnamesisches oder russisches Menschenleben ist ihm keinen Pfifferling wert und so wütet er sich mit viel Kawumm durch die Kulissen, um das einzig wirklich wertvolle Leben, das seines Sohnes, zu retten – ungeachtet dessen, dass dieser eigentlich gar nicht gerettet werden will. Vom Versagen der US-Truppen im grausamen Guerilla-Krieg gegen den Vietcong und das übers Land nach dem US-Angriffskrieg gebrachte unfassbare Leid keine Silbe mehr. Stattdessen ringt der lungenkranke Senator mit dem vertrauenserweckenden Namen Blaster umso mehr nach Luft, je länger Bob seine Mission mit stoischer Miene (O’Keeffes einziger) überlebt. Da dies unter der Regie Matteis geschieht, ist diese (die Mission, nicht die Miene – obwohl…) zwar ähnlich platt wie die Originale, aber natürlich zusätzlich gepflastert mit fast karikierend anmutenden Charakter(über)zeichnungen und der einen oder anderen selbst für diese Art Filme unglaublichen Szenen: So wird unter Wasser schon mal ein Hai gesprengt oder vergisst Massimo Vanni („Der Superbulle schlägt wieder zu“), die Handbremse seines Jeeps zu betätigen. Momente wie der letztgenannte wirken auf sympathische Weise spontan und improvisiert, während ansonsten vor allem der rassistische Tonfall und Matteis Desinteresse, als Europäer die US-amerikanische Kriegspropaganda zu entlarven und satirisch zu verarbeiten, jeglichen Filmgenuss auch unter Trash-Gesichtspunkten torpedieren. Da hat Reagan gut lachen wie auf dem Foto in Blasters Büro, worüber ich mir natürlich auch kein Schmunzeln verkneifen kann. Doch Scheiße bleibt Scheiße und während reaktionäre Propagandafilme von mir prinzipiell mit nur einem von zehn Punkten abgestraft werden, bringt es „Der Kampfgigant“ mit seiner unfreiwilligen Komik und aufgrund des Umstands, dass Mattei sicherlich nicht in erster Linie politischer Propagandist, sondern „nur“ gewissenloser Plagiator war, immerhin auf zwei. Damit hat es sich dann aber auch. Dieses Genre und ich werden wohl keine Freunde mehr.