Regisseur Gary Sherman dürfte nicht sonderlich vielen ein Begriff sein, da er höchstens durch seinen unkoventionellen "Tot & Begraben" auf sich aufmerksam machte. Gelungene Werke wie "Nachtratten" oder sein Debüt "Tunnel der lebenden Leichen" haben bis heute keinen sehr hohen Bekanntheitsgrad erreicht, genauso geht es auch "Gesucht: Tod oder Lebendig". Der Film wäre schon lange komplett in der Versenkung verschwunden, wäre da nicht Rutger Hauer (Blinde Wut, Wedlock) in der Hauptrolle.
Einst war Nick Randall (Rutger Hauer) FBI-Agent, nun verdient er seine Brötchen als Kopfgeldjäger. Doch plötzlich taucht ein alter Bekannter von Randall in der Stadt auf, nämlich der gefährliche Terrorist Malak Al Rahim (Gene Simmons). Kurze Zeit später verübt er das erste Attentat auf ein vollbesetztes Kino. Die Behörden sind machtlos und heuern Nick an, um Rahim zu schnappen, tot oder lebendig. Doch Nicks Methoden stoßen nicht überall auf Zuversicht, so steht er bald zwischen Fronten von Terroristen und Behörden. Rahim hat derweil einen Anschlag geplant, der mehreren tausend Menschen das Leben kosten wird. Nur Nick kann ihn noch aufhalten.
Wenn es um terroristische Anschläge geht, trifft man eigentlich immer einen wunden Punkt, denn das Thema ist heute noch brisant. Auch ist "Gesucht: Tod oder Lebendig" nicht so überzogen, wie zum Beispiel so manches Cannon Vehikel. Das Oberhaupt der Terrorgruppe ist ziemlich gewieft und schmuggelt sich als Rabbi verkleidet durch die Zollkontrolle. Ausserdem ist Rahim extrem kompromisslos, da streicht er einem Kind an der Kinokasse noch über die Wange, bevor er den gesamten Filmpalast (da läuft gerade Rambo) in die Luft gehen lässt. Solch ein Kaliber von Terrorist, braucht Jemand der ihm gewachsen ist und hier kommt Nick Randall ins Spiel. Ein knallharter Typ, der nicht zögert seine Shotgun zu benutzen, die er immer unter einem Kindersitz im Auto versteckt. Nebenbei spart Nick für sein Boot, hat seit drei Monaten eine Freundin (für ihn eine lange Zeit) und er lebt in einer Art Lagerhalle. Ein typischer Held der 80er Jahre, sehr skrupellos, aber das Herz am recht Fleck. Leider weiss die Jagd nach den Terroristen in der ersten Filmhälfte nur bedingt zu unterhalten. Denn neben Nicks Ermittlungen ziehen die Behörden ihre eigene Sache durch, oft zu Nicks Nachteil. Die Action bleibt erstmal aus, Nick führt ein paar Ermittlungen durch, hält sich dabei nie ans Gesetz, aber im Endeffekt bleibt "Gesucht: Tod oder Lebendig" in der ersten Halbzeit zu geschwätzig, auch weil sich die komplette Action in Hälfte zwei befindet.
Rahim plant diesmal einen wesentlich größeren Anschlag, Nick steht nicht nur bei den Terroristen auf der Abschussliste, sondern bald auch bei den Behörden. So gibt es ein paar Verfolgungsjagden und es darf ein wenig geschossen und geprügelt werden, ein paar Explosionen finden auch ins Geschehen. Auch wenn besagte Szenen meist recht kurz sind, so ist der Härtegrad ziemlich hoch und im Showdown lässt es Nick dann richtig krachen. Die fetzige Musikuntermalung ist stets erste Sahne, der Look den 80er Jahren entsprechend ziemlich schmuddelig. Rutger Hauer kann man hier keinen Vorwurf machen, er verkörpert den harten Kopfgeldjäger sehr suverän, der ab und an mal einen trockenen Spruch vom Stapel lässt. Gene Simmons (Lance - Stirb niemals jung, Red Surf) überzeugt als kompromissloser Terrorist und darf zu Beginn auch noch ein Lied zum Besten geben. Die restliche Riege macht ihre Sache ebenfalls zufriedenstellend.
Brutaler Actionfilm, der einfach zu langsam in die Gänge kommt. Die Story ist solide, aber überraschungsfrei, die vorhandenen Actionszenen sind gut gemacht. Aber insgesamt wäre mehr Action von Nöten, die vielen Charaktere bremsen das Geschehen aus. Trotzdem gut anzusehen und unterhaltsam.