Review

Ganz ohne Frage zur Creme de la Creme von Nu Image gehört Sam Firstenbergs „Cyborg Cop II“, der hierfür zum vierten und letzten Mal mit Fighter-Ass David Bradley („Blood Warriors“, „American Samurai“) kooperierte und finanziell so richtig aus dem Vollen schöpfen konnte, weil Nu Images Geldtöpfe zwar nicht prall gefüllt waren, aber top inszenierte Action zuließen. Schade, dass dieser Qualitätstrend Mitte der Neunziger leider nur wenige Jahre überdauern sollte.

Denn „Cyborg Cop II“ kann mit eingebauter Firstenberg-Garantie, die hier ein vorletztes Mal zur Geltung kommen sollte, bevor er nach dem auch noch guten „Operation Delta Force“ nur noch Schmu inszenierte, den B-Movie-Fan nahezu komplett überzeugen.
Denn Action gibt es in dieser, im übrigen von Firstenberg auch selbst verfassten, die üblichen Versatzstücke zu einer kurzweiligen, wenn auch wenig ideenreichen Story exzessiv, ausführlich und saubrutal in regelmäßigen Abständen.

David Bradley, auch hier nicht mit Schauspieltalent ausgestattet, muss als D.E.A.-Cop Jack Ryan (Warum heißt der ausgerechnet wie Tom Clancys Superzögling?) mitten in einem Kleinkrieg zwischen rivalisierenden Drogendealern intervenieren, weswegen Firstenberg es sich nicht nehmen lässt einen mehrminütigen Überfall nebst Festnahmen und Mord an dem befreundeten Partner als sehr gelungenen Auftakt zu inszenieren, in dem es massig blutig durchlöcherte Tote gibt, jedwede schicke Sequenz in Zeitlupe genüsslich zelebriert wird, zig Explosionen um sich ballernde Stuntman durch die Gegend wirbeln, die erschossenen Gegner mit Salto vom Dach fallen und Bradley schon mal erste Kicks anbringen oder beidhändig ballern darf. Alles erstklassig wie variantenreich inszeniert und ein Fall für die Gallery, bei der der Genrefan mit der Zunge schnalzt. Dabei gefällt vor allem Bob Mithoffs („Seedpeople“, „New York Cop“) auffallend guter Score. Wobei ich mich frage, warum der Mann so selten tätig war.

Der gute Auftakt charakterisierte auch damals viele Nu Image – Produktionen, doch oft bauten sie danach ab, nicht so „Cyborg Cop II“, der das halten kann, was sein sehenswerter Auftakt verspricht.
Denn der Plot um eine geheime Regierungseinrichtung, die sich den psychopathischen, glatzköpfigen Unhold Starcraven (schön dämonisch: Morgan Hunter), seines Zeichens Cop-Killer und deswegen erklärter Intimfeind von Ryan, direkt aus der Todeszelle unfreiwillig rekrutiert, um aus ihm und ein paar weiterer Insassen nur noch Befehle via Armband empfangende, unbesiegbare Cyborgs zu machen (Operation inklusive erklärender Einführung durch Wissenschaftler, Chip, gepanzerter Körper, das Übliche halt..), die als letzte Alternative in Anti-Terror-Einsätzen zum Zug kommen sollen, ist grundsätzlich nur zweckdienlich und nimmt sich darüber hinaus etwas zu ernst, zumal Starcraven, der nun Spartacus heißt, sich mitsamt seinen Mann genregemäß verselbstständigt und in seinem Höhenkoller eine neue Weltordnung kreieren will, in dem er die geheime Cyborg-Fabrik okkupiert und schon mal mit der Produktion beginnt.

Geklaut wird von den Vorbildern das ein oder andere Mal recht offensichtlich, aber das macht hier nicht viel aus, denn „Cyborg Cop II“ macht weiterhin Laune, weil Firstenberg den Grad der Gewalt ganz schön hoch dreht, Gliedmaßen ausreißt und etwas geschmacklos unbewaffnete Zivilisten hinrichtet. Kurzausflüge in die Familie, arg kitschig umgesetzt, trüben den Filmspaß nur unwesentlich, weil sich daran ohnehin nur so kurz wie möglich aufgehalten wird. Bradley hält sich cool und etwas witzelnd wacker ohne Charisma. Man hat ihn allerdings schon wesentlich schwächer erlebt.
Abseits dessen muss der auf eigene Faust ermittelnde Jack Ryan außerdem bald auf den Trichter kommen, dass da was im Gange ist, weil Starcraven nicht mehr in seiner Zelle hockt, sich mit der obskuren Institution anlegen, die jedoch abblockt, weil sie das Entwischen ihrer gewaltbereiten Schäfchen natürlich unter den Teppich kehren will.
Seine Prügeleien mit Handlagern des Konzerns, die sich an seine Fersen heften, weil er u.a. in deren Gebäude eindringt und nach Anhaltspunkten sucht, nimmt er zwar etwas zu sportlich locker, stellen aber einen Appetithappen für zwischendurch dar, bevor Firstenberg dann wieder eine ausufernde Actionsequenz präsentiert und davon kommen noch einige, wie zum Beispiel Ryans Eindringen in den Fabrikkomplex, die dann auch wieder erfordert, dass etliche Stuntman aus luftigen Höhen nach Druckwellen diverser Explosionen in Zeitlupe gen Erdboden segeln.

Das Highlight ist aber wohl der Tankstellenüberfall der Cyborg-Clique, die erst anständig den dortigen Arbeitern Auspuffrohre um die Hälse schnüren, sie unter Autos begraben oder einfach totschlagen, bevor Ryan in letzter Sekunde eintrifft und einen Jungen nebst Mutter rettet, zurück kehrt und es dann mit ihnen aufnimmt. Die Vorzeichen stehen zwar schlecht für ihn, nachdem Spartacus ihm mit seiner übermenschlichen Kraft ein paar überbrät und seine Gefolgschaft sich technisch versiert von Gatlings, über Granat- bis zu Flammenwerfern flächendeckende Tötungsgerätschaften an die Arme schrauben kann, aber Einfallsreichtum siegt und als dann die Polizei in Funktion des ablenkenden Kanonenfutters auch noch eintrifft, kann Ryan das Schlachtfeld in ein brennendes Inferno verwandeln, in das dann auch noch spektakulär ein durch die Luft segelndes Polizeiauto reinknallt und jede Menge Benzintanks in die Luft fliegen.
Dieser Part ist so ziemlich das Highlight des Films und hat ein paar Einstellungen, die ganz klar zum Besten gehören, was auf dem B-Sektor so zu sehen war und ist. Firstenbergs Cannon-Klassiker mögen mehr Kontinuität haben, spektakulärer ist aber „Cyborg Cop II“.

Dabei funktioniert der Humor soweit und die kurz gehaltene Lovestory zwischen Ryan und der stellvertretenden Konzern-Chefin, mit der er dann zum Schluss Waffenbrüderschaft schließt, weil sie jede Menge großkalibriges Spielzeug mit zum finalen Showdown bringt, geht auch in Ordnung.
Optisch schick sind zudem der Fabrikkomplex vor dem Sonnenuntergang und Jacks Kampf gegen Cyborgs auf einer Farm, wo dann im Schein von Magnesiumfackeln und später einer spektakulären Explosion er erst einen Cyborg festschweißt (!) und den zweiten einem Köder vorwirft.
Das elektrisierende, magnetische Finale, natürlich ein Zweikampf mit vorrangehendem, dutzendfachen Cyborg-Vernichtungen in den farbenprächtigsten Explosionen, provoziert durch einen überraschenden Zug von Spartacus, kann da zwar keinen mehr draufsetzen, überzeugt jedoch mit netten Effekt-Gimmicks, noch ein mal fies brutalen Momenten und der totalen Abschaltung in letzter Sekunde, bevor witzigerweise noch ein Modell explodiert.

Auch weil Yossi Wein zeigt, dass er einer der besten Kamera-Männer im B-Bereich ist, der neben ganz wenigen guten B-Movies leider viel Ausschuss in seiner späteren „Karriere“ als Regisseur verschuldete, muss „Cyborg Cop II“ trotz der üblichen Problem des Genres (Dialoge, Schauspiel, Spannung) zu den besten Vertretern seiner Zunft geordnet werden, denn an Schauwerten hat Nu Image selten Besseres produziert und die oft nervenden Standardelemente, wie die werte Familie des Filmhelden, werden verdammt kurz an der Leine gehalten. Gerade rückblickend, packe ich da noch einen nostalgischen Liebhaber-Sonderpunkt drauf, weil man so etwas heute leider nicht mehr zu sehen bekommt.


Fazit:
Sam Firstenberg zeigt mit seinem famos inszenierten „Cyborg Cop II“ erneut, warum er zu den besten B-Action-Regisseuren gehört(e) und brennt hier phasenweise ein phantastisches ausschauendes Spektakel mit reichhaltigem Einsatz von Zeitlupen, halsbrecherischen Stunts und einem tollen Score ab. Da der Härtegrad zudem reichlich hoch angesetzt wird, Storyballast kaum vorhanden ist, dicke Waffen und sehenswerte Pyrotechnik das Herz des Genrefans höher schlagen lassen und David Bradley seine Kampfkünste nutzt, dabei seine schauspielerischen Defizite aber meist zu übertünchen weiß, bleibt hier letztlich meine Empfehlung, sich den Film unbedingt mal zu beschaffen. Von Nu Image gibt es kaum bessere Ware.

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