Review

Babel
Hach ja, der Alejandro Gonzalez, der Inarritu. Mit "Babel" legt er seinen nunmehr dritten Film vor mit welchem er in Cannes den Preis für die beste Regie abgreifen konnte. Und einmal mehr zeigt er sich als Meister im Vermitteln menschlicher Schicksale und Gefühle. Nein, man schaut sich keinen Inarritu der ausgefeilten Story wegen an, auch nicht um locker unterhalten zu werden.
Sondern um bewegt zu werden, um mit anderen Augen wieder aus dem Filmerlebnis hervorzugehen.
In seinem dritten Film erzählt er zum dritten Mal von versch. Menschenkonstellationen die scheinbar gar nichts miteinander zu tun haben, welche aber alle durch ein Schlüsselereignis miteinander verwoben sind. Klingt neuerdings nicht mehr so innovativ. Doch wo Filme wie "Lola Rennt" oder "11:14" die reine Inszenierung in den Vordergrund stellen, ist sie hier Basis für intensive wie intime  Charakter-und Beziehungszeichnungen. Es geht nicht um das reine zeigen von "was wäre wenn" sondern darum, wie tatsächlich einschneidend ein Ereignis aus der Vergangenheit das Leben einer Person am anderen Ende der Welt in der Gegenwart verändern kann. Und das nicht unbedingt, so viel sei verraten, zum positiven. Ein Ereignis welches sowohl Menschen auseinanderwirft als auch wieder zusammenbringt.Und so stimmt der Film nachdenklich und melancholisch.
Einmal mehr lehnt es dabei Inarritu strikt ab seinen Film chronologisch zu erzählen. Wie denn auch, bei insgesamt 4 versch. nebeneinanderherlaufenden Handlungssträngen. Raum und Zeit sind erneut außer Kraft gesetzt, aber glücklicherweise
nicht mehr so labyrinthartig verwoben wie noch bei seinem (ebenfalls absolut sehenswerten!) "21 Gramm".

Diskurs zum Titel "Babel":
"Der Turmbau zu Babel" ist eine biblische Geschichte des Alten Testaments in dem geschrieben steht, dass einst die Menschheit einen Turm bauen wollte um so Gott nahezukommen. Gott jedoch war sehr erzürnt darüber und strafte die Menschen alle mit verschiedenen Sprachen. So konnten sie sich nicht mehr untereinander verständigen und der Turmbau wurde eingestellt.

Und auch im Film spielt Kommunikation eine Rolle. Sei es das amerikanische Pärchen, welches in Marokko strandet, welches neben der Sprachbarrieren auch eigene Schwierigkeiten zu bewältigen hat oder das taubstumme japanische Mädchen, welches nicht am Leben der Hörenden teilhaben kann. Doch am Ende kommt es nicht mehr auf die Sprache an, sondern nur auf das Schicksal, auf das Erleben und auf die inneren Konflikte die scheinbar jeder im Geheimen auszutragen scheint.

Auf der schauspielerische Ebene kann man absolut nichts bemängeln: Das gesamte Cast weiss vollends zu überzeugen und es tut gut, die beiden Hollywoodgrößen Brad Pitt und Cate Blanchett sich vollkommen in den Dienst des Films gestellt zu sehen.
Als reine Aufhänger um noch mehr Besucher anzulocken, taugen sie hier freilich nicht und wenn man mit der Erwartung reingeht, die beiden wären die Hauptrollen, so irrt man gewaltig. Alle 4 Handlungen sind absolut gleichberechtigt im Film vertreten und bedingen einander, brauchen einander. Pitt und Blanchett werden nicht prominent in den Vordergrund geschoben, sondern sind frei von jeglichem Glamour. Wie das "Ticket" (Beilage der Berliner Zeitung "Tagesspiegel") so zutreffend beschrieb, so waren beide wohl noch nie so sehr auf ihre Schauspielkunst reduziert gewesen. Keine große, spannende Action, keine aufwendigen Kostüme(im Gegenteil: Rauschebart, Dreck und Blut), sondern einfach nur emotionales Interagieren. Auf höchstem Niveau.

"Babel" ist erneut kunstvolles wie auch realistisch inszeniertes Kino für Anspruchsvolle. Für Freunde von "Amores Perros" und "21 Gramm" ist das hier Pflichtprogramm und auch allen anderen interessierten sei er wärmstens empfohlen.
Der 08/15 Spasskinogänger möge jedoch unbedingt fernbleiben. Seine unwissenden, peinlichen Lacher und Kichereinlagen verderben nur all jenen den Film, die sich versuchen darauf einzulassen. Und wieder ein weiterer Beweis für die Dummheit der Kinozuschauer(klingelndes Handy und Dauergequatsche inkl.)

8,5/10
(ofdb.de: 8/10)

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