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Zu den vermutlich käsigsten Beiträgen aus der guten alten Zeit der 70er Jahre, als man mit irgendeinem obskuren Kleinstbudget seinen Gehirndünnpfiff auf Spielfilmlänge abbilden konnte, zählt mit Sicherheit „The Psychotronic Man“ oder alternativ „The Psycho Tronic Man“, dessen Genuß seine Zuschauer vermutlich zum „The Gin Tonic Man“ mutieren lässt, einem quasi No-Budget-Scifier von angeblich 1979 (wenn das Material nicht vielleicht bis zu sieben Jahre in irgendeinem Keller rumgammelte), als man so etwas wie „Horror“ nur irgendwo drüber schreiben musste, um einen Kinoeinsatz zu bekommen.

Angeblich 1978 irgendwo in Chicago runtergekurbelt, sind diese knapp 80 Minuten ein wahres Wunderwerk an überflüssigen Streckungen ödester Natur. Peter Spelson, der dankbarerweise nur in drei Filmen aufgetreten ist, spielt einen Friseur mit einem sehr, sehr, sehr, sehr, sehr langen Heimweg mit dem Auto, denn er ist gefühlt so ca drei Stunden unterwegs (angesichts der uns präsentierten Fahrtaufnahmen mit wechselnden Abendstimmungen), als irgendwann die Straße verschwimmt und er gewahr wird, dass sein Auto offenbar meilenhoch in der Luft schwebt. Dieser Moment ist dann auch das absolute Highlight dieses Telekinese-Rülpsers, denn nachdem er irgendwie heimgekommen ist, entwickelt er seltsame Fähigkeiten, spätestens als er an den Ort seiner Himmelfahrt zurückkehrt und mit seinen Kräften das Holzhäuschen eines Zeugen demontiert (das wäre dann so der zweite Höhepunkt).

Irgendwann kommt die Polizei dann magischerweise an den Punkt, die Verletzungen seines Opfers als Folge eines Einsatzes von PSI-Fähigkeiten einzustufen, woraufhin die Jagd auf Spelson eröffnet wird. Die zweite Hälfte des Films ist dann eine endlose, mies gefilmte, noch viel endlosere und spannungsfreie Verfolgungsjagd, bis er irgendwo von einem Hochhaus herunter fällt.

Aus so etwas wurden schon bessere Filme gemacht, aber Jack M. Sells Debüt-Feature (von insgesamt nur dreien in seinem ganzen Oeuvre) füllt die restliche Zeit mit Autofahren. Ja wirklich, Autofahren. Minutenlang darf man Rocky dabei zuschauen, wie er durch die Landschaft fährt und die sich verändert, mal Korn, mal Gras, mal Steppe neben der Autobahn. Oder eben nicht verändert. Wie das Nachmittagslicht in den Abend übergeht. Gegenverkehr. Dazu Dudelmusik aus dem Radio. Fünf Filmminuten später wiederholt sich das Ganze. Und noch mal. Später bei der Verfolgungsjagd (immer schön langsam, da man ja keinen Highway oder Straßen in der Stadt sperren konnte und kein Geld für ein Ticket hatte) machen die Polizisten das ganz genauso, die Kamera filmt schön die Figuren ab, dann den Verkehr, dann die Aussicht aus den Seitenfenstern. Schnitt zu Rocky, gleicher Ablauf. Und wieder von vorn. Zwischendurch wird etwas Schwachsinn oder Belangloses gelabert, das aber so bedeutsam, als wüsste man das nicht schon alles.

Der Einsatz der Fähigkeiten unseres hier neu erworbenen Mutanten ist so begrenzt wie seine Charakterisierung in diesem Stück Zelluloidgeschichte, nämlich nahezu gegen gar nichts tendierend und auch das Finale in einem Hochhaus, in das ich mich dankbar vorgespult habe (die Sichtung hat keine 40 Minuten gedauert, die sich angefühlt haben wie 140) ist ebenfalls eher unspektakulär primitiv umgesetzt.

Das fertige Werk eiert heute noch komplett durch Youtube und kann getrost als Schlafmittel verwendet werden, das Ding senkt jeden Rotweinkonsum um 90 Prozent, wegen Nichtaustrinkens durch Einnicken.

1/10.







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