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Der spanische Kultregisseur Pedro Almodovar hat im Laufe seiner Karriere viele Geschichten über selbstbewusste Frauen erzählt, die in einer männlich dominierten Gesellschaft ihren Weg gehen. Auch in seinem Film "Volver - Zurückkehren" ist dies ein zentraler Themenpunkt.

Dabei fällt in erster Linie auf, dass sich sein formaler Stil im Vergleich zu früheren Werken endgültig beruhigt und in eine getragene Art und Weise gewandelt hat. Mit großer Ruhe und Gelassenheit werden hier zwei Schwestern gezeigt, die beide ein Geheimnis mit sich herumtragen: Die eine muss die Leiche ihres Mannes beseitigen, der in völlig betrunkenem Zustand seine Tochter angegriffen hat und von ihr in Notwehr umgebracht wurde; die andere kämpft nach der Beerdigung einer alten Tante mit dem Geist ihrer Mutter, der ihr erscheint und sie bis in ihre Wohnung in Madrid verfolgt.

Neben dem starken Spiel der Hauptdarstellerinnen ist es vor allem die inszenatorische Stringenz, mit der "Volver - Zurückkehren" zu überzeugen weiß. Almodovar verzichtet auf ausgefallene Kameramätzchen, sondern zeigt den chaotischen Alltag seiner Protagonistinnen mit klar geführter, leise bildstarker Kamera. So entsteht eine Atmosphäre der Eleganz und Ausgelassenheit, die selbst angesichts großer Probleme und Sorgen durchhält. Soziale Brennpunkte wie Armut, Prostitution und Missbrauch werden mit einer natürlichen Lockerheit angegangen, die den Themen keineswegs respektlos begegnet, dem Zuschauer aber gekonnt das Gefühl vermittelt, alles könne überwunden werden.

Besonders Almodovars Stammschauspielerin Penelope Cruz überzeugt durch angenehm zurückhaltendes Spiel - ihre lässigen Erklärungen, die sie anderen gegenüber bringt, um das plötzliche Verschwinden ihres Mannes zu erläutern, verleihen dem Film ein gewisses Maß an Situationskomik, ohne je wirklich aus dem ernsthaften Rahmen zu fallen. Überhaupt fesselt die Geschichte mit Einfühlungsvermögen und gut durchdachten Figuren.

Auch wenn die eine oder andere unnötig plump wirkende Einstellung auf Cruz' Busen verwirrt oder hin und wieder kleine Anschlussfehler auffallen, gefällt Almodovars Film mit seiner souverän gelassenen Inszenierung, einer gefühlvollen Geschichte und sympathischen Figuren. Sicherlich nicht sein bestes Werk, aber sehenswert allemal.

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