Wer mal miterleben möchte, wie man standesgemäß einen stargespickten Film in bodenlose Tiefen versenken kann, der sollte sich an „Stadt, Land, Kuss“ halten. Ein Werk, bemüht, zwischen Ehekomödie und Ehetragödie hin- und herzusteuern und randvoll mit bekannten Namen und Gesichtern.
Das Problem: der Film ist nicht für fünf Cent lustig.
Wer z.B. aus der Anwesenheit von Goldie Hawn und Diane Keaton ableitet, es könnte sich um eine Art „Der Club der Teufelinnen“ im neuen Gewand handeln, wird mit den Ohren schlackern.
Warren Beatty spielt hier einen in die Jahre gekommenen Ehemann (von Keaton), der erst damit händeln muß, daß die Ehe seiner Freunde (Shandling, Hawn) in die Brüche geht und aufgrund eines Verhältnisses selbst in die Bredouille kommt. Und danach in immer neue prekäre Situationen.
Wo Blake Edwards in dem albenen „Skin Deep“ noch etwas retten konnte, stehen alle Beteiligten hier auf verlorenem Boden.
Beatty ist nun mal kein Komödiant, ihm fehlt das Leichte, Lockere und die Mimik ganz besonders. Den Verlassenen im Unglück/Glück will man ihm nicht abnehmen und mit dem bemühten Slapstick kommt er auch nicht zurecht. Keaton spielt nur einen biederen Standardpart, genauso wie Hawns Rolle witzlos ist.
Der definitive Tritt in den Hintern ist aber die Anwesenheit von Gary Shandling, der seine Umkehr zur Homosexualität so witzlos und unsympathisch angeht (tut mir leid, der Mann wirkt schon optisch abstoßend auf mich), daß da nichts zu retten ist.
Die Nebenrollen sind da kaum besser. Charlton Heston grimassiert sich als Vater von Andie McDowell (und ihrer extremen Vaterkomplex-Macke) durch eine selten blöde und alberne Episode, Josh Hartnett steckt zweimal seine Nase durch die Tür, Nastassja Kinski (eh ein Garant für einen Boxoffice-Flop) hat nichts zu tun und die wenigen Momente von Jenna Elfman (immerhin jemand mit Comedy-Timing) können auch nichts mehr bringen.
Beattys Off-Kommentar wirkt genauso müde und uninspiriert wie der ganze Film, der gerne eine Mischung aus Woody Allen und „Harry und Sally“ wäre, aber wie die Rentnershow der Frivolitäten rüberkommt. Prüde Frivolitäten selbstverständlich.
Planlos und ohne Fortschritte hangeln sich die Figuren durchs Drehbuch, das ihnen kein Leben einhauchen kann und am Ende steht auch nur ein großes Fragezeichen, seltsame moralische Einsichten und ein tränenzerflossenes Scheidungsgespräch.
Timing, Spannung, Höhepunkte – nicht hier.
Peter Chelsom, der immerhin für Filme wie „Funny Bones“ oder „Weil es dich gibt“ zeichnete, hat sich seine Karriere hiermit ganz schön beschädigt, denn so uninspiriert darf man diese Starriege nicht führen. Aber vielleicht ist das ja auch alles nur auf das ewige Umschneiden New Lines zurückzuführen, die den Film weit über ein Jahr in den Archiven versauern ließen. Ich weiß schon, warum. (2/10)