Wenn irgendeine Fernsehserie die Bezeichnung "Science Fiction" verdient hat, dann diese. "Babylon 5" spiegelt unsere eigenen Charaktere, unsere Beziehungen, Konflikte, Schwächen und Vorurteile, unsere Geselllschaft und Politik und unsere Überzeugungen bis hin zu Religion und Philosophie - und vor allem auch die Wandelbarkeit all dessen. Auf nichts ist Verlass in dieser fiktiven Spiegelwelt, schon gar nicht auf Gut und Böse: da läutert sich ein anfänglicher Erzwüterich namens G'Kar Stück für Stück schließlich zum aufopfernden Friedenshelden, während sein anfangs integrer, unschuldiger Gegner Londo Mollari sich bei seiner Verteidigung mit dunklen Mächten verbündet und unsägliches Elend über ganze Völker bringt. Da erliegt Sicherheitschef Garibaldi - über den größten Teil der Serie hinweg die Zuverlässigkeit in Person - ausgerechnet im entscheidendsten Moment seiner alten Alkoholsucht, und der persönliche Diener der Minbari-Vertreterin Delenn - ein über jeden moralischen Zweifel erhabener Mönch und lebender Heiliger - begeht plötzlich aus Eifersucht einen Mordversuch am Kommandaten der Raumstation. Selbst die "alten Völker", die mit ihrer himmelweit überlegenen Technologie, aber gegensätzlichen Intentionen bei ihrer Einflussnahme auf die jungen Zivilisationen so etwas wie Gott und Teufel verkörpern, wandeln sich im Verlauf der Serie radikal: zunehmend wird da auch das Böse im Guten und das Gute im Bösen sichtbar, bis die jungen Völker sich nach immensem Leid schließlich emanzipieren und ihre einstmaligen Götter erfolgreich drängen, auf weitere Einflussnahme zu verzichten.
Keine leichte Kost also. Wer von SciFi spektakuläre Action, gruselige Aliens und am Ende den Sieg des Guten über das Böse erwartet, wird von "Babylon 5" enttäuscht sein; und wer generell von einem Filmgenuss die Bestätigung seiner Glaubenssätze erwartet, für den ist diese Serie vielleicht gar ein Ärgernis. Wer aber Anregung zu weiterem Nachdenken sucht und und es als Gewinn sieht, dass die Serie weit mehr neue Fragen aufwirft als alte beantwortet, für den ist "Babylon 5" eine Offenbarung.