DESTRICTED – eine Kurzfilmkompilation der ganz besonderen Art.
Es geht nämlich um Sex, Sex und noch mal Sex, dessen praktische Auslebung und den Umgang mit dem eigenen Körper.
Doch Sex wird hier nicht nur sehr bildlich dargestellt, er wird zum filmischen Stilmittel degradiert, sprich: seinem eigentlichen Sinn und Zweck beraubt, so dass meist nur das Körperliche übrig bleibt.
Sieben Regisseure, darunter sogar ein paar recht bekannte, haben sich dem Thema gewidmet und sieben äußerst bizarre und befremdliche Werke sind dabei herausgekommen:
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Film 1:
Marina Abramovic – „Balkan Erotic Epic“ (13 Min.)
Die Jugoslawische Performance-Künstlerin lässt uns an baltischen Riten vergangener Zeit teilhaben. Clue bei der Sache: Das baltische Volk, das hauptsächlich aus Trachten tragenden Bauern bestand, lebte bereits damals sehr körperbewusst und aufgeklärt, wobei dem Sexualorganen besondere Kraft zugeschrieben wurde.
Aufgebaut ist der Film nun wie folgt: Abramovic stellt einen Ritus vor, dann folgt ein Gegenschnitt auf ein kurzes Szenarium, welches das gerade Beschriebene verbildlicht.
These 1:
„Hat man ein schwaches, kränkliches Pferd, so soll der Bauer ein bisschen seine Genitalien kraulen und dann mit dieser Hand das kranke Pferd berühren, um ihm wieder Kraft zu verleihen.“
- Wenn euch das gefällt, unbedingt weiterlesen! Dies wird nicht bildhaft dargestellt, der Ausführung folgt eine Szene von einem Kerl, der sich bei strömenden Regen selbst befriedigt.
These 2:
„Sperma im Ackerboden führt zu einer ertragreicheren Ernte.“
- Dem folgt meiner Meinung nach die beste und ausdrucksstärkste Szene von DESTRICTED: Man sieht aus der Vogelperspektive einer Horde von Männern zu, wie sie bäuchlings auf dem Rasen liegend die Erde begatten.
Hammer Bild und, auch wenn man dabei ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann, stilistisch wahnsinnig geschickt inszeniert.
These 3 (zum Schluss noch 'nen echten Reißer):
„Ist eine Frau sich der Liebe ihres Gemahls nicht ganz sicher, so soll sie einen Hering nehmen, diesen in ihre Vagina einführen und über Nacht dort verweilen lassen.
Am nächsten Morgen soll sie den Fisch wieder heraus nehmen, ihn zermalen und das daraus gewonnene Mehl ihrem Angetrauten heimlich in den Kaffee geben.
Trinkt der Mann den Kaffee ohne sich zu beschweren, wird er ihr ein Leben lang treu bleiben.“
- Echt der Wahnsinn, oder!? Dargestellt wird dies mittels Zeichentrick. Das reicht meiner Meinung nach auch…
In den 13 Minuten Spielzeit werden noch zig mehr derartigen Aberglaubens geboten, dessen komplette Ausführung jetzt aber nicht angebracht ist. Ich bin jetzt ein bisschen näher auf dieses Kapitel von DESTRICTED eingegangen, weil es meiner Meinung nach das absolute Prunkstück der Sammlung darstellt.
Bleibt natürlich fraglich, ob das alles so stimmt, wie Frau Abramovic uns das erzählt. Steckt vielleicht auch ein bisschen Sozialkritik, Phantasie und Provokation mit drin. Wer weiß…
Mein Eindruck: 9 - 10 / 10
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So, die nächsten gehen schneller, versprochen…
Film 2:
Matthew Barney – „Hoist“ (14 Min.)
Keine Handlung, keine Dialoge, nur ein nackter Kerl, der als Landschaft dekoriert ist und ganz langsam einen Steifen kriegt, dann ein Schnitt auf Arbeiter in einem Bergwerk, und dann reibt der dekorierte Typ vom Anfang sein bestes Stück an irgendeiner rotierenden Maschine (irgendein Bestandteil eines LKWs, glaub’ ich)…
- Hat weder Sinn, noch Aussage, und bei dem schleifenden Geräusch, das der Penis macht, wenn er gegen dieses rotierende Ding gepresst wird, schrumpfen mir echt die Eier.
4 / 10
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Film 3:
Marco Brambilla – „SYNC“ (1 Min.)
„SYNC“ ist nun eine Art Kollage bestehend aus tausenden Einzelbildern von Paaren beim Geschlechtsakt, welche so schnell aufeinander folgend abgespielt werden, dass sich daraus eine neue Szene ergibt.
„SYNC“ dauert ca. eine Minute und wird nur von einem Trommelwirbel oder einem Schlagzeug-Solo kommentiert.
Völlig unsehenswert: 2 / 10
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Film 4:
Larry Clark – „Impaled“ (38 Min.)
Larry Clark („Kids“, Ken Park“), der sein Faible für sexuell aktive Jugendliche ja bereits mehrfach unter Beweis gestellt hat, veranstaltet ein Casting für einen Pornofilm.
Es stellt sich ein Bewerber nach dem anderen vor, erzählt von seinen sexuellen Vorlieben und von seinem „ersten Mal“. Larry wählt einen für den geplanten Dreh aus und veranstaltet dann wiederum ein Casting für ihn, wo sich dieser die Partnerin seiner Wahl aussuchen soll.
Zum Schluss findet der Dreh der X-Szene statt…
Ah, jetzt wird’s wieder etwas interessanter. Was Larry im Bangbang-Finale von „Ken Park“ nur so durchschimmern ließ, wird uns jetzt mehr als offensichtlich dargeboten.
„Impaled“ – das ist halb eingängiges Jugendstudie bzw. -Psychogramm, halb knallharter Teenie-Porno.
Ich glaub’, jetzt ist er wirklich da, wo er die ganze Zeit hin wollte. Egal, dieses „Making of“ macht jedenfalls wirklich Laune, zumal die aufgeführten Darstellerinnen allesamt ziemlich lecker sind und ein paar aus der Amateur-Porno-Ecke sind meines Wissens nach auch dabei.
8 / 10
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Film 5:
Gaspar Noé – „We Fuck Alone“ (23 Min.)
Noé (“Irreversible”, “Menschenfeind”) spielt mal wieder mit unserer Psyche, menschlichen Abgründen und der Zurschaustellung allmöglicher Perversion.
Handlung und Dialoge gibt’s keine, nur ein Mädchen, das ihr Fötzchen mit dem Kopf ihres Teddybären frottiert und einen abgefuckten Punk, der eine Gummipuppe fickt.
Pff, da kenn ich ja echt Krasseres ausm Kinderprogramm…
Den Soundtrack bilden ein Herzschlag und infernalisches Babygeschrei, was wohl verstörend wirken soll, seine Absicht aber nicht wirklich erfüllt.
Den Vogel aber schießt der Stroboskop-ähnliche Effekt ab, der einen durch den ganzen Film führt. Wirkt, als hätte man durch einen laufenden Ventilator hindurch gefilmt.
Noé in allen Ehren, er ist nicht so ganz mein Fall, aber der Fuck hier ist ganz einfach nur Schund.
3 / 10
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Film 6:
Richard Price – „House Call“ (12 Min.)
Eine nackte Dame sitzt in der Sonne und ölt sich 12 Minuten lang die Möpse ein.
Von der sleazigen Bildquali her könnt’ man ihn fast mit einem 70’s-Porno verwechseln. Ansonsten…, naja, eine Tussi, die 10 Minuten lang an ihren Glocken rumknetet…
Egal: 4 – 5 / 10
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Und last, but not least:
Film 7:
Sam Taylor-Wood – „Death Valley“ (8 Min.)
Ein Kerl holt sich vor laufender Kamera einen runter.
In der Wüste wohl gemerkt. Da is’ es verdammt heiß. Da macht das Wichsen bestimmt gar keinen Spaß…
Keine Ahnung, wie man so was bewerten soll, echt…
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Sodala, somit hätten wir diesen Ausflug ins Ficki-Ficki-Wunderland auch überstanden. Bedanke mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Wer jetzt nicht das dringende Bedürfnis verspürt, ein Rohr zu verlegen, dem kann wahrscheinlich nicht mal Jenna Jameson helfen.
Spaß, als buchstäblich „geil“ ist hier ja ohnehin nur der Beitrag von Larry Clark einzustufen. So richtig sehenswert macht DESTRICTED aber vor allem die „Balkan Erotic“ – die bietet so wunderschöne, gleichzeitig aber so bizarre und befremdliche Bilder, dass man am liebsten gleich in Freie laufen und seinen Schniedel dem lieben Gott zeigen wollen würde,
und sie schafft es auch so mit am einzigen, dass man sich mit dem Thema „Sexualität“ ein bisschen auseinander setzt.
Der Rest kann getrost als Kunstfilm-Kacke abgetan werden, der Noé-Film inklusive, welcher wirklich enttäuscht.
Was können wir von DESTRICTED lernen:
1.) Trink niemals Kaffee, der nach Fisch schmeckt!
2.) Du wirst allein geboren, du lebst allein, du stirbst allein. Allein, immer allein. Und selbst wenn du fickst, bist du allein.
3.) Fotzenschleim und Eichelkäs’ gibt die beste Mayonäs!
…ihr seht: so wirklich Lehr-Charakter hat der Streifen nicht.
Aussage auch nicht.
Anspruch? – Ja, doch, das schon. Auf jeden Fall.
Insgesamt ist DESTRICTED schon als echt gelungenes Gesamtwerk zu betrachten und auch als Beweis, wie ästhetisch Pornographie doch sein kann.
Vielleicht ist ja hiermit der Startschuss gefallen. Stellt euch nur vor: ganz Amiland ent-prüdet, Hollywood schnappt diesen neuen Trend auf und im nächsten „Spiderman“ gibt’s 69 in schwindelerregender Höhe zwischen zwei Wolkenkratzern.
Wird wohl ein Traum bleiben…
Trotzdem kann man sich diese kleine Sammlung anspruchsvollen Schmuddelkrams ruhig zu Gemüte führen, insofern man mal offen für was Neues ist.
Anspruchsvoller Schmuddelkram – hm…, so als wenn „arte“ 'nen Porno drehen würde oder ein Schwanz mit 'ner Schleife drum.
Hat was!
…Der Film!
…Nicht der Schwanz mit der Schleife drum…