Review

Nicht wirklich übel, aber leider auch alles andere als gut, ist "Unrest" ausgefallen, die meines Wissens nach erste Regiearbeit von Jason Todd Ipson (auch Drehbuch) in Spielfilmlänge. Sehr seicht, leidlich spannend und oft auch leider recht unplausibel, was die konstruierte Handlung und die Verhaltensweisen der Charaktere angeht. Mit Ausnahme der weiblichen Hauptrolle - Studentin Alison Blanchard - kann man den Rest des Ensembles ohnehin nur als Nebenrollen einstufen. Die Figuren erfüllen innerhalb der Story nur einen rein funktionalen Zweck (meist wenn es ums Sterben geht). Im Grunde nimmt man keinem der Beteiligten seine zugeschriebene Rolle ab.

Auf der Habenseite kann der Film eine gruselige Atmosphäre verbuchen, was angesichts der Umgebung (Anatomieabteilung im Krankenhauskeller, Seziertische, Leichentanks, usw.) und der Rahmenhandlung (Medizinstudentin erforscht die Vorgeschichte eines Leichnams, nachdem sich in ihrem Umfeld mysteriöse, gewaltsame Todesfälle ereignen) kaum verwundert.

Allerdings sind die Schocks dünn gesät und nicht sonderlich originell (z.B. wenn während des Duschens mal wieder das Licht ausgeht - gähn!). Die Schnippeleien der Studenten an den Kadavern wirken laienhaft, selbstzweckmäßig (was den Igitteffekt angeht) und daher im Kontext nicht besonders überzeugend. Ein weiteres Klischee ist das "warum-glaubt-mir-bloß-niemand?" Problem der kessen Alison (die immerhin eine andere, genretypische Erwartung nicht bestätigt, indem sie in bestimmten Situationen zumindest die Unterwäsche anbehält), sowie die obligatorische Romanze zwischen ihr und einem Kommilitonen.

Obwohl der Film insgesamt nicht wirklich spannend ist, kommt dankenswerterweise aber auch keine richtige Langeweile auf. Es kommt im Verlauf immer wieder zu Todesfällen, wobei man jedoch lediglich die Toten sieht (d.h., das Sterben passiert offscreen). Zum Ende hin überschlagen sich dann endlich auch mal die Ereignisse innerhalb eines kurzen Zeitraums, was dem Film nach über einer Stunde im eher behäbigen Erzähltempo ganz gut tut. Ein ziemlicher Schuss in den Ofen ist dann lediglich das Ende, im Sinne einer klassischen Antiklimax. So läuft nach dem (gestelzt-)dramatischen Finale der Film immer noch gut 5 Minuten weiter, obwohl die Luft längst raus ist. Das ist die eher läppische Andeutung, die von der allerletzten Szene ausgeht, dann wirklich nicht wert.

Budget hin oder her - was die dramaturgische, bzw. spannungstechnische Umsetzung angeht, müssen von den Verantwortlichen für "Unrest" definitiv noch Hausaufgaben gemacht werden, denn ein Horrofilm muss sich in erster Linie nach der Intensität seiner Wirkung beurteilen lassen und die ist nicht zwangsläufig vom Geldbeutel abhängig. Dann könnte aus dem nächsten Projekt durchaus was werden, denn entsprechendes Potential ist erkennbar. Schade dass es in "Unrest" noch zu oft bei bloßen Andeutungen und Hinweisen geblieben ist - die Hintergrundgeschichte um den weiblichen Leichnam wäre innerhalb der Handlung ausbaufähig und ausbauwürdig gewesen.

Unterm Strich ist "Unrest" somit leider doch nur eine weitere kleine, direct-to-video Independent Produktion, die der Genreliebhaber nicht unbedingt gesehen haben muss. Gegen den DVD Kauf spricht vor allem der Replay-Faktor - öfters als einmal will man sich "Unrest" definitiv nicht antun. Also am besten einmal ausleihen, wenn gerade nichts besseres zur Disposition steht. (4.5 / 10 Punkten)

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