Review

Bei all dem Genöle und Gezerre, das Eli Rots nun wirklich überragender „Hostel“ über sich ergehen lassen musste, ist die Aktzeptanz von „Turistas“ nun wirklich ein Rätsel.
John Stockwell inszeniert hier dermaßen platt dramaturgisch an dem kassenträchtigen Vorbild entlang, dass man schon von Plagiat reden könnte.
Immerhin, der Spezialist für schöne Naturbilder (Blue Crush, Into the Blue) setzt auch hier wieder auf seine visuellen Stärken, dennoch kann ich mich der allgemeinen Zufriedenheit nicht anschließen.

„Turistas“ ist ein Fest für Globalisierungsgegner, hier wird den zufriedenen Touristenkids, die sich mit dem Ziel Alk, Drogen und munteres Vögeln für lau abzustauben, durch aparte südlichen Länder dackeln, endlich mal gezeigt wo der Hammer hängt.
Mal wieder, könnte man sagen.
Wirkte aber „Hostel“ mit der Prämisse einer bisher unbekannten Organisation, die Menschen hilft, ihre Lust am Töten gegen Geld auszuleben, erbricht sich Stockwells Film in hemmungsloser Erklärungswut.

Bis es soweit ist, dürfen wir allerdings wie bei Roth erst mal ein knappes Dreiviertelstündchen der Vorbereitung harren. Das heißt, die sechs Protagonisten werden (nicht allzu detailreich) erst mal vorgestellt, wie sie nach einem Busunfall in der brasilianischen Provinz landen und eine Billigbar am Strand auschecken, wo natürlich eine ganz üble Organverschwörung im Gange ist.

Doof, wie man als Ami nun mal ist, haut man natürlich dermaßen auf die Kacke, bis man was in den Drink bekommt und am nächsten Morgen finanziell und ausweistechnisch ohne Hose dasteht. Von da an trüben sich Stimmung und Wetter (wie originell, dieses Duett) und alsbald legt man sich mit den diebischen Ansässigen an und ein freundlicher Führer bringt sie in die Botanik, wo die Organhändler hausen…

Obwohl, Plural ist unangebracht, denn während hinter „Hostel“ ein nicht recht auslotbarer Abgrund klaffte, ist es hier nur ein Organhändler.
Vorher genießt man aber noch Natur, taucht durch wunderschöne Höhlen (blau!) und schließt dicke Freundschaft. Im Häusle angekommen macht man sich breit, bis die Jungs mit den Kanonen auftauchen, wo man nicht mal einer geflüsterten Warnung Folge leistet, bis auch schon das Skalpell geschwungen wird.

Das alles läuft dermaßen einfallslos den Wasserfall runter, das nie richtig Spannung aufkommt. Mit dem dicken Holzhammer lässt das Skript einen Charakter ein Taschenmesser einstecken, das am Ende natürlich die Freiheit aus dem Käfig verheißt.
Das Makabre, das Grauenhafte kommt hier jedoch nie zum Tragen. Das liegt zum einen an der Erklärbär-Wut der Onkel Doktor, der seinem Hass auf die Amis bei der OP so richtig Luft macht und uns totlabert. Die recht graphische Operation ist dann auch der einzig ekle Moment in diesem Filmchen (von einem Käsespieß ins Auge mal abgesehen), die restlichen Opfer werden nach und nach auf der Flucht dezimiert, bei der der freundliche Schlepper auch noch zu Hilfe kommt, weil er sein Herz für die amerikanischen Freunde entdeckt hat (logo!).

Auf die OP folgt eine nächtliche Flucht und für den gut zwanzigminütigen Showdown gibt’s (der Stockwell kanns nicht lassen) eine Lehrstunde im Höhlentauchen für alle Klaustrophoben. So etwas hatten wir in „The Descent“ und „The Cave“ schon viel besser und beklemmender und darüber hinaus auch etwas übersichtlicher gefilmt. Hier ist es oft so arschfinster, dass man raten muß, wen man vor sich hat. Über den Showdown mit dem Onkel Doc und seinem Handlanger verliere ich mal kein weiteres Wort außer „Klischee“ , obwohl die hier dargestellte Härte ein paar Bonuspunkte wert ist – allerdings provoziert „Turistas“ in keiner Szene den moralisch bedenklichen Revanchismus, über den man in „Hostel“ laut auflachen konnte.

Es gibt sicherlich schlechtere Filme als „Turistas“, technisch ist das alles sehr kompentent, aber innovativ ist nichts daran, dazu hängt sich dieses Vehikel einfach zu platt an seine Vorbilder und bietet auch keinerlei Überraschungen, nicht mal was die Auswahl der Überlebenden anbetrifft.
Inzwischen hat auch der letzte seine Lektion gelernt, sich im Ausland nicht immer wie die Axt im Walde aufzuführen und mit den Devisen zu winken, sonst wird uns demnächst noch Dr.Boll in seinem neuesten Reißer erläutern, was sich hinter Mallorcas Wahrzeichen „Schinkenstrasse“ wirklich verbirgt. (4/10)

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