Review

Die TURISTAS sind sechs junge Rucksack-Touristen, die nach einem Busunglück in einem abgelegenen brasilianischen Dorf landen. Zunächst glauben die Abenteurer, das Paradies gefunden zu haben, und feiern ausgelassen ihr Glück.
Am nächsten Tag jedoch folgt ein böses Erwachen - und schon sehr bald müssen sie am eigenen Leib feststellen, dass sich hinter den weißen Stränden und dem üppigen Dschungel ein dunkles, grauenvolles Geheimnis verbirgt...

"Ein Film, der an die Nieren geht!" ist auf dem wunderschönen Steelbook des Films "Turistas" zu lesen. Ein Zitat, das wörtlich zu nehmen ist, denn die sechs jungen Leute geraten in die Fänge skrupelloser Organhändler.

Dabei entpuppt sich der Thriller von John Stockwell sehr schnell als sonnige, aber ebenso blutige Variante von "Hostel".
Drehbuchautor Michael Arlen Ross verlegte die Handlung des Vorbilds von der Slowakei nach Brasilien und auch vom Handlungsaufbau sind viele Parallelen zu Eli Roths Torture-Porn zu erkennen:

Die Tag-Line "Sonne, Strand, Sterben" dient als Vorwand, um die kleine Reisegruppe kurz einzuführen, um sie nach den obligatorischen Sauf-, Sex- und Drogenexzessen der eigentlichen Gefahr auszusetzen. Die perversen Folterknechte aus "Hostel" werden hier durch einen skrupellosen Mediziner ersetzt, der mit Vorliebe Amerikaner ihrer Organe beraubt um sie nicht nur für die Ausbeutung seines eigenen Landes zu bestrafen, sondern an dem kleinen Nebenverdienst auch ordentlich zu verdienen.

Dabei wird den Touristen genauso wie dem Zuschauer erst im Laufe der Handlung klar, worum es eigentlich geht.

Bis zur ersten OP-Szene wird das Publikum mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, den üblichen belanglosen Teenager-Dialogen und den ersten brutalen Ermordungen konfrontiert, denn die Handlanger des skrupellosen Mediziners erweisen sich als Macheten schwingende Killer ohne Gnade.

Die OP-Szene erweist sich als genauso realistisch inszeniert wie alle anderen Effekte in diesem Film und erreicht eine ungeheure Intensität wie die Folterexzesse aus "Hostel", zumal der unfreiwillige Spender während der Organentnahme bei vollem Bewußtsein ist.

Auch nach dieser Szene bleibt "Turistas" seinem Vorbild treu und setzt die Handlung mit der Flucht einiger der Jugendlichen fort, die spannend und auch sehr blutig gestaltet ist, sich durch den Dschungel erstreckt und ihr Finale in einer Unterwasserhöhle findet.

Leider ist dieser Showdown etwas platt ausgefallen:
 
Nach einem dramatischen Kampf unter Wasser werden die letzten drei Überlebenden von dem Mediziner und einem seiner Schergen gestellt, der aufgefordert wird, sie auf der Stelle zu erschießen. Innerhalb weniger Sekunden können sie ihn jedoch davon überzeugen, dass er nur von dem Mediziner ausgenutzt wird, wobei dieser seinen Handlanger einen "Halbaffen" nennt, der seinen Boss daraufhin eine Kugel in den Kopf schießt und die drei laufen läßt.

Insgesamt ist "Turistas" bei allem Sonnenschein ein kleiner, schmutziger Thriller, der das Thema Organhandel aufgreift, ohne es zu vertiefen. Auch wenn der Mediziner die Mißstände seines Landes und dessen Ausbeutung durch die Amerikaner beklagt, geht der Ansatz von gesellschaftspolitischer Kritik schnell verloren.
 
Bis auf das etwas enttäuschende Finale hat Regisseur John Stockwell jedoch einen spannenden und unterhaltsamen Horrorschocker mit einigen derben Splatterszenen inszeniert, der aufgrund allzu offensichtlicher Parallelen zu "Hostel" allerdings wenig originell ist.

6 von 10 Nieren!

Details
Ähnliche Filme