Review

Brazilian Waxing


Samba, Strände, süße Cocktails und schöne Kurven - wenn man an Brasilien denkt, fallen einem zuerst natürlich solche attraktiven Attribute ein, die das südamerikanische Reiseziel mehr als anziehend für uns Europäer machen. Gedanken an Favelas, Armut, Kriminalität, Korruption und Gangs schließen sich aber definitiv auch an. Doch „Turistas“ treibt dieses duale System und Image grindhousig und exploitativ auf die Spitze - was mir überraschend gut mundet! „Hostel“ trifft „The Ruins“ oder eher „Wolf Creek“ mit einem Caipi in der Hand, Sand in der Ritze und einem Ball am Fuß! Ein paar Backpacker geraten weit ab von den üblichen Routen an einen fiesen Organhändlerring, der die Ungerechtigkeit und Ungleichheit in unserer Welt auf seine ganz eigene bestialische Weise anzugehen versucht...

„Turistas“ ist ein klassischer, harter B-Movie, der kaum Kompromisse eingeht, ein gutes Double Feature mit „The Green Inferno“ und solchen modernen 42nd-Street-Schlachtplatten. John Stockwell kennt man eher vor der Kamera aus 80er-Action-Käseplatten - hier liefert er als Regisseur sehr verdauliche, bedingungslose Genrekost. Der Urwald und Brasilien ist spürbar, es wurde definitiv vor Ort gedreht, alles wirkt authentisch und schwitzig. Zudem verrichten bekannte, sympathische Gesichter wie Duhamel oder Wilde ihren Job und Sinn gut, die meisten Figuren bleiben nachvollziehbar und werden solide eingeführt und gezeichnet. Außerdem bieten die drastischen „OPs“ genug für den landläufigen Gorebauern in jedem von uns, das Finale ist nichts für Nichtschwimmer und Klaustrophobiker, die soziale Schere auf unserem Planeten wird schön als Vorwand für eine matschige Metzelei genommen. Manch eine Szene war mir zu schattig aufgenommen, im Grunde ist schnell klar, wer da lebend rauskommt, und in den letzten Shots hätte ich noch etwas erwartet, ein böses Augenzwinkern oder Ähnliches - doch im Grunde bin ich froh, dass „Turistas“ seinen Stiefel mit derart ernster und biestiger Miene herunterspielt. 

Fazit: „Hostel“ im Paradies, Culture Clash-Schlachtplatte, exotische Urlaubshölle, Dschungel der Eingeweide - „Turistas“ ist für mich eines der unterschätzteren Terrorstücke der letzten 15 Jahre und geht für meinen Geschmack zu oft mit einem Wust an schwächeren Filmen unter. Hart und geradeaus. Hingerotzt und abgehackt. Organspenderausreiss.

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