Der Erfolg des ersten Lümmel-Films gab den Machern ja schon Recht damit, dass die humoristische Betrachtung des Schulwesens vor allen Dingen in der Zielgruppe der 6 – 24-jährigen gut ankommt. Das vornehmlich junge Publikum lechzte förmlich nach neuen „Abenteuern“ der Pennäler rund um Pepe Nietnagel, sodass ein zweiter Teil unter dem Titel „Zum Teufel mit der Penne“ recht schnell folgen sollte. Leider wurde die gute Arbeit, die mit „Die Lümmel von der ersten Bank“ abgeliefert wurde, nicht fortgesetzt, sondern es entstand eine doch im Großen und Ganzen unwürdige Fortsetzung.
In dieser Fortsetzung dreht sich wieder (fast) alles um die ungeliebte Klasse, die unter anderem auch von Pepe Notnagel (Hansi Kraus) besucht wird. Nachdem Dr. Kersten mit seiner angetrauten Helena Taft das Weite gesucht hat, ist wieder alles beim alten: ungeliebte, strenge, konservative Lehrer so weit das Auge reicht. Da ist es umso erfreulicher, dass mit Dr. Tell (Peter Alexander) frischer Wind in die Lehrerschaft kommt. Was niemand weiß: Dr. Tell heißt eigentlich Dr. Roland und ist ein Reporter, der eine Reportage über den Schulalltag schreiben soll. Dabei bekommt er es nicht nur mit den Lümmeln von der ersten Bank zu tun, sondern auch mit Pepes hübscher Schwester Marion (Hannelore Elsner)…
Die inkonsequente Weiterführung bekannter Figuren wurde hier wirklich auf die Spitze getrieben: Hannelore Elsner, in Teil 1 noch Geneviève Ponelle, ersetzt hier Uschi Glas als Pepes Schwester, Georg Thomalla verschwindet vollkommen von der Bildfläche, dafür darf das Kölsche Urgestein Willy Millowitsch als Vater Kurt ran, und schließlich wird aus der Familie Nietnagel mal flugs die Familie Notnagel. Das alles wäre noch halbwegs zu verkraften, wenn nicht das Drehbuch an sich einige unverzeihliche Schwächen aufweisen würde. Die Streiche der Schülerschaft rücken zusehends in den Hintergrund, die Bühne wird freigeräumt für eine einzige Schlager-Party, in der sich Peter Alexander und Heintje – vor allen Dingen zu Beginn – ein Stelldichein des musikalischen Bodensatzes geben. Aber darauf muss man sich halt schon im Voraus einstellen: wenn einem die Namen Peter Alexander und Heintje in trauter Glückseligkeit vereint auf einem Kinoplakat entgegenprangen, muss es Gesangseinlagen geben. Das war Ende der 60er Jahre im deutschen Kino wohl ebenso ungeschriebenes Gesetz wie es heutzutage Gesetz ist, solche Gesangseinlagen schrecklich altbacken zu finden. „Glücklicherweise“ halten sich die beiden Barden dann doch noch halbwegs zurück, dem kompletten Overkill an Heintje- und Alexander-Songs sollten die Zuschauer erst im vierten Teil („Hurra, die Schule brennt“) erliegen dürfen. Doch alleine Heintjes Gequäke über seine „Mama“ und „Ich bau dir ein Schloss“ reichen, um das Zehennägelkrümmen im gesamten Auditorium in ungeahnte Ausmaße zu steigern.
Zwar wird wie bereits im Vorgänger-Film darauf wert gelegt, die elementaren Unterschiede zwischen dem jungen „Lehrkörper“ Dr. Tell und den alteingesessenen Vertretern des Lehrerkollegiums des Mommsen-Gymnasiums auf humoristische Art und Weise darzulegen, aber die kritischen Untertöne, durch die „Die Lümmel von der ersten Bank“ noch neben all seinem Humor überzeugen konnte, müssen im Falle von „Zum Teufel mit der Penne“ vermisst werden. Dass das kein großer Mangel sein muss, zeigt später der dritte Teil „Pepe, der Paukerschreck“, der überwiegend durch seinen charmanten Humor zu den besten Teilen der Reihe zu zählen ist. Doch beim hier vorliegenden Film mangelt es einfach zu sehr am ausgleichenden Element „Humor“, selbst der sonst von mir so hochgeschätzte Willy Millowitsch schafft es in seinen spärlichen Auftritten nicht, das Ruder noch einmal rumzureissen.
So bleibt mir nichts anderes übrig als
frisch, fromm, fröhlich, frei
zum Ende zu kommen:
„Zum Teufel mit der Penne“ – große Erwartungen wurden in diesen Nachfolger der „Lümmel von der ersten Bank“ gesetzt. Erwartungen, die größtenteils nicht erfüllt wurden. Einen gewissen Charme hat der Streifen, aber letztendlich fehlt ihm doch zuviel, um ein guter Vertreter des 60er Jahre-Klamauks aus deutschen Landen zu sein. In der Masse dieser Filme fällt der zweite Teil der „Lümmel“-Reihe qualitativ ab, in der Betrachtung der Gesamt-Reihe ist er neben „Hurra, die Schule brennt“ wohl der schlechteste Film der Reihe. 4/10