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Nach „Bander Book“ legte Osamu Tezuka mit „Marine Express“ seine zweite Arbeit für das Charity-TV-Program „Ai wa Chikyu wo Suku“ mit der Leitlinie „Liebe rettet die Erde“, hin. Dementsprechend sollte es in „Marine Express“ neben der Krimistory vor allem um Umweltzerstörung und die Erhaltung natürlicher Paradiese gehen und so. Na ja, viel rumgekommen ist dabei nicht gerade. Die Geschichte (in der wie in „Bander Book“ wieder jede Menge bereits bekannte Charaktere aus Tezukas Werken in neue Rollen schlüpfen) ist dermaßen überladen das am Ende für nichts wirklich Zeit blieb. Für damalige Verhältnisse mag das ganze ja ein Hit gewesen sein, aber heute wirkt vieles nur noch nervig oder unfreiwillig komisch. Der Plot springt viel zu wild voran und hinterlässt dabei riesige Logiklöcher. Da verschwinden Figuren praktisch spurlos vom Screen nur um später genau an der richtigen Stelle wieder aufzutauchen (Black im Zug). Wo sie während der letzten halben Stunde waren? Keine Erklärung. Aber auch die Figuren die präsent sind, sind nicht viel besser. Völlig idiotische und unnachvollziehbare Handlungsweisen gehören leider zum Standartprogramm. Da werden Instrumente im Cockpit zerschossen um den Zugführer dazu zu zwingen loszufahren, da werden Leute ausgeknockt, die man Sekunden später unbedingt braucht und wenn man nicht gerade dumme Sachen macht, dann gibt’s völlig unpassende Komikeinlagen, die so unlustig sind das es einfach nur noch nervt. Überhaupt ist overacting an den unmöglichsten Stellen, zu den unmöglichsten Momenten angesagt. Das passt einfach so was von überhaupt nicht zur Geschichte. Von grimmig dreinschauenden Riesenhaien die plötzlich den Zug angreifen wollen wir dabei mal lieber gar nicht reden. Da hatte der gute Tezuka wohl einmal zu viel „Der weiße Hai“ gesehen. So krankt der Film von vorn bis hinten und beginnt sich immer mehr hinzuziehen wie Kaugummi, weil es einen mit der Zeit einfach immer weniger interessiert was passiert. Viele der auftauchenden Storyüberraschungen erahnt der Zuschauer auch schon lang im voraus, entweder weil sie an sich völlig offensichtlich sind, oder weil Charaktere so überzeichnet sind und übertrieben agieren das man ihnen ihr wahres ich schon beim ersten Blick ansieht. Wenn sie sich dann am Ende als Bösewichte heraußtellen gibs nur noch ein desinteressiertes Gähnen. Da helfen die paar wenigen gelungenen (besser gesagt nicht vorhersehbaren) Momente auch nix mehr.
Besser läuft es da mit der Optik. Zwar hat der Zahn der Zeit auch an der schon sichtbar genagt, aber das oft viel Mühe hineingesteckt wurde kann man auch heut noch gut erkennen und manche Animationen, wie z.B. der fahrende Zug, sehen auch heute noch gut aus. An andere Stelle gibs allerdings auch schon mal lustige Effekte, wie unpassende Standbilder. Man achte z.B. mal in der Szene in der Adam in Millys Abteil kommt um ihr das Märchenbuch zurückzugeben die ganze Zeit auf Milly.
Aber trotzdem kann man sagen das hier, besonders auch mit Rücksichtnahme auf die Entstehungszeit, gut Arbeit geleistet wurde. Es wurden auch einige ausgefallene Effekte umgesetzt. Da wäre unter anderem gleich zu Beginn die Szenen, wo der Detektiv in der Klinik erwacht und ihm noch schwindelig ist, was durch einen sehr lustigen Effekt dargestellt wird oder auch die, wo Black seine Beziehung zu Shylock erklärt. Recht bekannt kommt einem hingegen Adams betreten des Computerraumes vor. Kubrick lässt grüßen.
„Marine Express“ ist auf jeden Fall nicht gerade Tezukas bester Film und grad aus heutiger Sicht kein großer Wurf. Bei all den interessanten Ansätzen die die Geschichte auch bieten mag, ihre Umsetzung ist einfach nur misslungen. Für Fans und Sammler wird der Film dennoch ein gefundenes Fressen sein, allein wegen all der bekannten Figuren.
Mit allerdings hat er nicht gefallen.

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