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Schon wieder Heintje? Ja, schon wieder Heintje… nachdem das Goldkehlchen bereits in den unsäglichen „Zum Teufel mit der Penne“ und „Hurra, die Schule brennt“ Kurzauftritte irgendwo zwischen erster und letzter Bank zu verzeichnen hatte, schrieb Drehbuchautor Georg Laforet den heranwachsenden Sängersknaben in eine etwas größere Rolle. Wer jetzt die Hände über’m Kopf zusammenschlägt und sich schon die schlimmsten Erwartungen zurecht legt, den kann ich an dieser Stelle beruhigen: So schlimm wie in den beiden zuvor genannten Teilen ist Heintje in „Morgen fällt die Schule aus“ keineswegs zu bewerten.

Kurt Nietnagel (Fritz Tillmann) lernt im Rahmen eines geschäftlichen Aufenthalts in Amsterdam den jungen Pit van Dongen (Heintje) kennen und bringt ihn prompt mit nach Deutschland. Schnell erkennen Pit und Pepe (Hansi Kraus) eine gemeinsame Leidenschaft: das Aushecken von Streichen.

Dadurch entwickelt sich natürlich ein wahres Feuerwerk an originellen Schülerstreichen, die mitunter schon eine etwas derbere Gangart an den Tag legen als es noch in den vergangenen Filmen der Fall war: da wird dann mal prompt die Wohnung von Oberstudiendirektor Taft (Theo Lingen) unter Wasser gesetzt, Dr. Knörz (Rudolf Schündler) muss zunächst mit einem Betonluftballon Bekannschaft machen, ehe ihm ein Fernsehgerät um die Ohren fliegt und letzten Endes muss das gesamte Lehrerkollegium eine Nacht in Polizeigewahrsam verbringen… Wer sich noch beim Ansehen von „Wir hau’n die Pauker in die Pfanne“ darüber beschwert hat, dass zu wenig „Action“ geboten wird, kommt durch die Zusammenarbeit des Duos Hansi Kraus und Heintje wieder voll auf seine Kosten! Und auch den eher emotionalen Menschen ist diesmal wieder was dabei: Nein, keine Liebesgeschichte zwischen junger Frau und älterem Lehrkörper, sondern der 60. Geburtstag vom Knörzerich (Rudolf Schündler) sorgt dafür, dass die Lümmel sich auch einmal von ihrer ganz menschlichen Seite zeigen dürfen. Da könnte man glatt in Versuchung geraten, gemeinsam mit Dr. Knörz ein kleines Freudentränchen zu verdrücken… Leider wurde die wundervolle Ruth Stephan als Frau Dr. Knörz durch Eva Maria Meineke ersetzt, die dieser Rolle irgendwie nicht die charmante, verschrobene Art der alten Jungfer entlocken kann wie es ihre Vorgängerin noch tat.

Neben dem über weite Strecken (für einen deutschen Klamaukstreifen) temporeichen Vorantreiben des Geschehens fällt noch ein weiterer Aspekt positiv auf: Der „Störfaktor“ Musik ist bei weitem angenehmer ausgefallen als man es zu Beginn eventuell vermuten könnte. Zwar findet Heintje bei all den sich förmlich überschlagenden klamaukigen Szenen immer noch Gelegenheit, sich musikalisch einzubringen, aber – ja, jetzt könnt ihr mich ruhig lynchen – hier finde ich sogar ein Stück weit Gefallen daran. Die Einbindung der Gesangseinlagen Heintjes wirkt in „Morgen fällt die Schule aus“ bedeteund runder und angenehmer als noch in „Hurra, die Schule brennt“, und auch Heintjes Schauspiel kann man noch gerade so als „ordentlich“ bezeichnen.

Genauso ordentlich erscheint dann auch „Morgen fällt die Schule aus“ im Gesamteindruck. Inhaltlich aufgeräumt trotz überbordenden Klamauks, urkomisch und vor allen Dingen so

frisch, fromm, fröhlich, frei

wie man es sich von einem Lümmel-Film wünscht! 6/10

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