Review

Ein Review über diesen Film zu schreiben ist nicht einfach. Das habe ich gemerkt als ich mich an die Bewertung machte. Wie wirkte "die unbequeme Wahrheit" auf mich? Was bleibt? Was sticht hervor, was war gut, was war schlecht? Ich schwanke und finde keine eindeutige Antwort.

Al Gore zeigt uns Bilder, erzählt uns Geschichten von der Welt. Von seinem engsten persönlichen Umfeld bis hin zum ganz großen Globus und dem Weltall. Und er zeigt vorallem eines: wir machen unseren Planeten kaputt, und das schneller als jemals zuvor. Das ganze geschieht auf spannende und unkonventionelle Art und Weise, gespickt mit Humor. Endlich einmal ein Umweltzerstörungsfilm der nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Oder doch? Nunja, zumindest nicht so offensichtlich. Und das ist auch der genau richtige Tonfall: Al Gore ist kein Wissenschaftler und auch kein Mahner an das Grünen-Wählerklientel und demzufolge verhält er sich auch nicht so. Mit kurzen und prägnanten, ganz klaren Formulierungen und Aussagen zeigt er sehr deutlich was mit unserem Planeten gerade geschieht.

Zugegebenermaßen: für den aufgeklärten umweltbewußten Mitbürger enthält "die unbequeme Wahrheit" wenig neues. Im Gegenteil: viele Fakten sind sogar sehr rudimentär präsentiert. Gore's Diashow ist ein prägnanter Zusammenschnitt der bekannten Fakten. Doch werden sie neu zusammengestellt und einprägsam dem Zuschauer vermittelt. Eine Umweltshow die Spaß macht? Darf die das denn? Ja, eindeutig! Denn das Ziel lautet erklärtermaßen: dem durchschnittlichen Amerikaner die Umweltproblematik näherzubringen.

Für uns aufgeklärte Superökologen ist das alles kalter Kaffee und allenfalls eine nette Präsentation. Für den etwas minderbe-IQten Amerikaner, der von Umweltzerstörung dank Ami-Medienlandschaft bislang wenig bis nichts gehört und wenn dann nichts kapiert hat, ist der Film indes Neuland. Und Gore schlägt dem "Hä, was ist das" Amerikaner eingängig ein Thema um den Kopf was dieser auf anderem Informationsweg uninteressiert zur Seite legen würde. Und so ganz nebenbei: dieser kleine bequeme Amerikaner um den es eigentlich ursprünglich mal ging schlummert doch in uns allen - weltweit. Daher wenig verwunderlich wenn Al Gore mit seiner Diashow um die ganze Welt reist, und das höchst erfolgreich.

Der Film ruft uns ins Gedächtnis was wir eigentlich schon wissen, spielt verdrängte Wahrheiten wieder in den Vordergrund, erinnert uns an das, was wir zur Seite schieben wollen: da kommt was auf uns zu und wir alle müssen was tun. Was wir tun müssen bzw. was jeder einzelne von uns tun kann - darüber kann allerdings auch Gore wenig sagen. Sparsamer mit den Ressourcen umgehen, das wußten wir auch vorher schon. So bleibt ein zwiespältiges Gefühl übrig. Doch egal - der Anspruch Al Gore's lautet nicht die Welt umkrempeln zu wollen mit dieser Diashow, sondern lediglich den Menschen ein Umweltbewußtsein zu geben, was vielen in weiten Teilen der Welt auch heute noch völlig fehlt. Und das ist ihm hervorragend gelungen. Was wir draus machen liegt an uns selbst.

(9/10)

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