Review

Man hat es schon immer geahnt - hinter der Idylle der hohen Berge und tiefen Seen konnte sich nur das Grauen verbergen. Genau hier, wo sich tausende Urlauber zu munteren Wanderungen und so manchem Gespritzten einfinden, konnten sich nur die Abgründe der Seele verbergen, die zu solch Gräueltaten fähig sind. So erstaunt es nicht, daß die ersten Eindrücke nicht von sonnenbeschienenen Berghängen zeugen, sondern einen Mann zeigen, der sich auf dem Dachboden erhängt...

Aber zuerst zeigt uns die einheimische Dorfjugend, daß sie es zwar immer noch schön krachen lassen kann, dabei aber das hinterwäldlerische Image völlig abgelegt hat. Bewaffnet mit Handy und sonstigen notwendigen Utensilien feiert man ausgelassen die soeben bestandene Matura und übersieht vor lauter Begeisterung das zarte Reh, daß über die Straße läuft. Auch sonst erkennt man in der dargestellten Fröhlichkeit gewisse Opfer, denn so verschworen unsere 5 Freunde wirken, so nachvollziehbar ist es, daß sich aus den drei Mädchen und den zwei Jungs nur zwei Paare herauskristallisieren. So wirkt eines der Mädchen immer ein wenig traurig und abseits stehend, ähnlich wie ein weiterer etwas steif wirkender Klassenkamerad, der ein Auge auf die blonde Mona geworfen hat, aber keine Chance zu haben scheint.

Wer jetzt annimmt, hier werden wieder die typischen Teenie-Abziehbilder abgeschlachtet, irrt ,denn "In 3 Tagen bist du tot" profitiert nicht nur von der beeindruckenden Alpenkulisse, sondern bietet erfrischend lockere unbekannte Schauspieler, die eine modern und sexuell aufgeschlossen lebende Jugend inmitten einer dörflichen Kulisse mit den damit verbundenen verkrusteten Strukturen glaubhaft werden lassen.

Genau aus diesem Gegensatz gewinnt der Film seine überzeugende Atmosphäre. Die Dörfer selbst und ihre Häuser zeugen eher von vergangenen Zeiten und strahlen den schweren Charme von dunklen Holzvertäfelungen, Hirschgeweihen an den Wänden und gekachelten Küchen aus. Obwohl die Geschichte im Sommer erzählt wird, regnet es viel, sieht man nur wenige Touristen im Hintergrund und auch die Hotels scheinen leer zu sein. Und so macht die gesamte Umgebung eher einen finsteren freudlosen Eindruck. Besonders der nahegelegene Bergsee ist zwar wunderschön, wirkt aber in seiner dunklen, kalten Pracht bedrohlich. Dies alles ist professionell in Szene gesetzt, mit den entsprechenden Filtern wird die düstere Atmosphäre noch betont und auch Kameraführung und Schnitt sind auf der Höhe der Zeit und müssen keinen Vergleich zu amerikanischer Genreware scheuen.

Im Gegenteil, gerade für uns ist diese Mischung aus bekannten Eindrücken von diversen Familienurlauben und der hier erzählten Geschichte sehr reizvoll, weshalb es ein Vorteil ist, daß der Film aus Österreich kommt und es wäre geradezu ein Frevel den gesprochenen Dialekt durch eine hochdeutsche "Synchronisation" abzuschwächen. Endlich haben wir mal den Vorteil, an Hand eines Dialektes eine atmosphärische Verbindung zur Umgebung herstellen zu können - ein Aspekt, der uns bei den amerikanischen Filmen meist verloren geht.

Leider aber bietet der Aufbau der Story keine Alternative zur gängigen Genreware und es entsteht ein wenig der Eindruck, daß die Macher zumindest hier auf "Nummer Sicher" gehen wollten. So fehlt der Story durchgehend der Humor, sieht man mal von gewissen polizeilichen Pannen ab und dem etwas eitlen aus der Stadt kommenden Komissar. Die Geschichte um die fünf Freunde und einem Ereignis aus der Vergangenheit, daß sie einzuholen scheint, wird mit absoluter Ernsthaftigkeit bis zum Schluß erzählt, so daß die Lacher eher unfreiwilliger Natur sind.

So fragt man sich, wieso der Mörder sein erstes Opfer ausgerechnet bei der überfüllten Abschlußfeier überfällt und wie es ihm gelingt, den jungen Mann auch noch unbemerkt aus dem Toilettenkeller nach draußen zu bringen. Aber selbst wenn wir von einem sehr kräftigen und geschickten Täter ausgehen, so ist diese Vorgehensweise zumindest sehr riskant und gefährdet damit dessen gesamten Plan. An solch unlogischem Plot erkennt man, daß es den Machern vor allen Dingen darum ging, möglichst spannende Momente herauf zu beschwören. Das gelingt ihnen auch, aber sie bleiben damit immer im typischen Fahrwasser der unbelichteten Gänge, der plötzlichen Geräusche und der nah an die Gesichter herangehenden Kameras, die so wenig über eventuell heranschleichende Meuchelmörder zeigen. Es funktioniert, aber es überrascht nicht.

Nur in wenigen Momenten gelingen ihnen originelle Ideen, etwa wenn sie falsche Fährten legen und dabei scheinbare Gefahren oder Verwicklungen zeigen, die später keine Rolle mehr spielen. Doch das sind seltene Ausnahmen - meist kann man genau voraussagen, was gleich passieren wird und je näher sich der Film seiner Auflösung nähert, desto konstruierter und im Detail profaner wirkt er. So entsteht auch bei "In 3 Tagen bist du tot" das übliche Problem zum Schluß, eine Begründung für die Taten vorlegen zu müssen, die einerseits noch irgendwie nachvollziehbar ist, anderseits aber auch dafür herhalten muß, daß Jemand teilweise äußerst perfide fünf Menschen töten will. Und wie so oft ist das Ergebnis wenig überzeugend, genauso wie die wundersame Rettung einer der Fünf, die es tatsächlich schafft, sich selbst aus einer spießigen Todesfalle zu befreien.

Fazit : ein unterhaltender Horrorfilm, der zwar nur wenige Gewaltdarstellungen bietet, aber mit einer düsteren Atmosphäre an einem ungewöhnlichen Ort überzeugen kann. Erfrischende österreichische Jungmimen geben dem Ganzen eine nachvollziehbare Grundlage und schaffen es durchaus, daß man mit ihnen mitfiebert. Bis sie dann aber letztendlich den selben Fehler machen wie fast alle ihre Vorgänger und Vorbilder - sie verlassen den sicheren bewachten Ort, um aus irgendeinem idiotischen Grund genau dem Täter vorhersehbar in die Hände zu laufen. Das ist dann leider nur noch der abschließende Höhepunkt einer Story, die sich eine Vielzahl von unlogischen Wendungen leistet und nur auf die typischen spannungserzeugenden Mittel setzt. Leider werden die in den Anfangsszenen verborgenen Abgründe viel zu wenig genutzt, um daraus deutlich stärkere Konflikte entstehen zu lassen.

So bleibt zum Schluß der Eindruck, zwar einen professionellen und jederzeit unterhaltenden Film gesehen zu haben, aber trotz guter Ansätze nur wieder der üblichen Genreware aufgesessen zu sein. Der Film wird seinen Weg gehen ,aber nur mit kurzer Halbwertzeit - schade, bei diesen Möglichkeiten (5,5/10).

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