Review

Es soll ja Leute geben, die Gefallen an den morbiden Erotik-Dramen mit André Schneider finden. La paz de tus ojos tristes ist über weite Strecken sogar eines der unterhaltsameren, wenn auch mit seinen 80 Minuten überlang. Die Story ist nicht abendfüllend, und weder Regie noch Darsteller tragen sie ausreichend. Den Film gibt es inzwischen sehr spärlich mit englischen Untertiteln versehen auf DVD.

Schneider spielt den deutsch-spanischen Journalisten Álvaro, der seiner gefloppten Schriftstellerkarriere nachtrauert und planlos in Madrid lebt. Es ist Hochsommer, als er zur Rush Hour an der Grand Vía seine verflossene Liebe Marisol (Coral Ortega) wiedertrifft. Diese hatte ihn verlassen, weil die Beziehung der beiden zu einer quälenden sexuellen Besessenheit geworden war, die beide an den Rand des Erträglichen gebracht hatte. Vor den Augen der wartenden Passanten in der Metro-Station fallen die beiden übereinander her. "Gehen wir zu uns," schlägt Marisol vor und fährt mit ihrem Ex in dessen Wohnung, die früher auch ihr Zuhause gewesen war. Die Wohnung ist über und über mit Fotos der beiden tapeziert, Álvaro ist besessen von ihr. Es folgen langwierige Wiedersehensfeierlichkeiten in Form von Sex und anschließenden Warum-hast-du-mich-verlassen-Diskussionen. Als Marisol erkennt, daß sie Álvaro ins Unglück gestürzt hat und er nicht mehr Herr seiner Sinne ist, will sie die Wohnunung (und ihn) erneut verlassen. Ein blöder Fehler: Álvaro schlägt ihr, noch bevor sie die Tür erreicht, den Schädel ein. Anschließend nimmt er sich mit Schlaftabletten das Leben.

Kaum zu glauben, der Film hat seine Momente, was angesichts der abgedroschenen und unoriginell inszenierten Geschichte positiv erwähnt werden muss. Es gibt Unglaubwürdigkeiten (warum haut die doofe Kuh nicht schon ab, als sie die Fotos im Flur sieht?) und Ungereimtheiten  en masse, viele Fragen (warum genau will sie eigentlich wieder mit ihm ins Bett?) bleiben in der Luft hängen. Schneider und Ortega tun alles in ihrem Rahmen Mögliche, um das Geschehen interessant zu machen, und sie funktionieren sogar recht gut miteinander. Die Sexszenen sind hart der Grenze zum Pornographischen (eine Nahaufnahme, wie sie ihm das Kondom mit den Lippen überstreift, geht sogar über diese Grenze hinaus), auf Dauer gesehen aber nicht spektakulär genug, um ihre Länge zu rechtfertigen. Der Ausbruch der Gewalt ist liebenswert kurz, eruptiv und effektiv in Szene gesetzt, wie auch die fantastische Anfangssequenz in den Straßen von Madrid.

Insgesamt wirkt La paz de tus ojos tristes gespreizt und künstlich in die Länge gezogen. Nach der Ermordung Marisols dauert der Film noch geschlagene 25 Minuten, die Herr Schneider ohne jeglichen Dialog tragen muß. Das größte Plus des Films, das Zusammenspiel seiner Figuren, fehlt plötzlich. Übrig bleibt eine bedrückende Atmosphäre, ein attraktiver, nackter Mann und eine überlange Selbstmordsequenz in uninspirierten Bildfolgen.

Anthony Himbs hat lange Zeit als Regie-Assistent (u. a. von Léonard Keigel) gearbeitet, bevor er mit kleinen TV-Filmen und -Serien selbst inszenierte. La paz de tus ojos tristes stammt auch aus seiner Feder. Einige Dialoge sind ihm gut gelungen, andere wieder sind schwer ins Pathetische abgerutscht. Die Musik von Ravel bildet einen stimmungsvollen Klangteppich, die ausgebildete Tänzerin Coral Ortega hat ihre reizvollen (Verführungs-)Momente und die traurigen Augen André Schneiders laden zum In-ihnen-versinken ein. Das Ganze hätte aber auch gut in 30 Minuten abgehandelt werden können.

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