Wohl einer der bekanntesten, zumindest geläufigsten Titel aus Allens zweiter, dritter (?) Schaffensphase, durch die Starbesetzung auch und mehr dem Mainstream zugefügt, nach Manhattan Murder Mystery (1993), mit einem beschwingten Song zu Beginn gehalten, einem aufgedrehten, agilen Lied, einem Tanzstück zu schnellen Melodien, eine perfekte Einleitung für das Chaos und Durcheinander, dass man hier erwarten könnte, "Ich bin Künstler.", ein Period Piece. Es geht um Schein und Sein, um Unterhaltung und Kommerzialität ("Früher konnte ich das Geld nur riechen. Jetzt schmecke ich es schon."), um Verstümmelung und Kapitalisierung, der Künstler will selber Regie führen, darum ein erster Streit, danach schon eine Schießerei, wurden ein paar Zeugen oder die Konkurrenz umgelegt, erschossen von hinten und mit erhobenen Händen, es ist der Broadway hier, die Unterhaltung zählt, ein Gangsterstreit gehört mit zum Film, mal etwas Neues, nicht ganz neu erfunden, aber gut variiert, ein Gauner- und ein Schelmenstück. Viel Ärger gibt es hier schon zu Beginn, alle auf 180 in der Herzfrequenz, es geht auch um Kultur und Kunst, um Fakten und Fiktion, viele lange Szenen, viele Wortwechsel, New York als Tummelplatz für allerlei Gestalten, man will Anerkennung zu Lebzeiten, man will nicht erst posthum herauskommen. Es geht um Genies und das Durchschnittspublikum, ein Artistenmilieu hier, viel Gerede, ein paar Küsse, ein Hin und Her, der Mann hinter dem Künstler, es geht um ein moralisches Dilemma auch, um das Leben, das reziproke Streben:
Im Jahr 1928 ist David Shayne [ John Cusack ] ein idealistischer junger Dramatiker, der gerade aus Pittsburgh an den Broadway gekommen ist. In seiner verzweifelten Suche nach einer Finanzierung für sein Stück „God of Our Fathers“ wird er vom Produzenten Julian Marx [ Jack Warden ] überredet, der Schauspielerin Olive Neal [ Jennifer Tilly ], der Freundin des Gangsters Nick Valenti [ Joe Viterelli ], eine Nebenrolle zu geben. Um seine Frustration über die anspruchsvolle und talentlose Olive zu kompensieren, ist David begeistert, die Hauptrolle mit dem alkoholkranken, verblassten Star Helen Sinclair [ Dianne Wiest ] und dem auf Diät befindlichen britischen Schauspieler Warner Purcell [ Jim Broadbent ] zu besetzen. Die Proben geraten bald ins Chaos, als Olive in Begleitung von Cheech [ Chazz Palminteri ], einem Handlanger der Mafia, auftaucht, der darauf besteht, bei den Proben zuzusehen.
Einen Geldgeber hat man gesucht und gefunden, ein Haken ist dabei, eine Schlüsselrolle soll besetzt werden von den mafiösen Kreisen, man steht im Konflikt, um frühere Jahrhunderte und Werke von dort, Asche auf sein Haupt, man kann nur das Beste hoffen. Laut agiert wird hier, von allen Gestalten eigentlich, jeder spielt gegen jeden an eigentlich, mehr am lautesten ist und wer am eifrigsten, der Autor ist nicht zufrieden, der Produzent nicht, die Darstellerin nicht, die die letzten drei Jahre nur Flops geschaffen hat, Blumen werden geliefert, ein Genie kurz vor der Blüte, es gibt ein Sit-in, ein Meeting, die Zwanziger Jahre wieder hergestellt, viel geschossen hier, getreu dem Titel, mal ein Drive-by, ein Gangsterkrieg, Hauptrolle hin oder her, viel Gezeter und Mordio, viel Geschreie. Auf hohes Tempo wird gegangen, Mätressen ausgehalten und sich mit dessen Launen abgegeben, Cusack ist noch der Ruhigste, noch der Angenehmste, der Rest der Figuren ist im Grunde alle darüber, für die letzten Reihen gespielt, als Karikaturen, "Ich nehm irgendeinen doppelten", man braucht etwas zur Beruhigung, etwas für den Szenenapplaus, "Verfolgen Sie die Theaterszene?", Allen rast hier voran, es wird nach dem Stück gefragt, es mögen Ideen zum Skript dargereicht werden, ein seltsamer Mafiafilm mit Untertönen und Überzeichnungen, "Es war sehr nett", jetzt ist auch Cusack am Schreien, vollkommen zu Recht.
In Brauntönen ist der Film gehalten, die Kamera von Carlo Di Palma bleibt ruhig, das ist sehr angenehm zu sehen, es sieht aus wie Billy Bathgate (1991) als Satire, wie Fegefeuer der Eitelkeiten (1990) als altmodischer und nicht zeitgenössischer Film, alle auf Panik und Karikatur hier, auf die späte Uhrzeit wird hingewiesen, 3 Uhr Nachts teilweise telefoniert und in den Hörer geschrien, ein paar ruhige Szenen kommen zur Beerdigung wenigstens, in stillen Angedenken, es wird Tagebuch geführt über die Proben, es wird auf die Bühne gegangen und in der Ausstattung geschwelgt, viel theoretisiert, viel heroisiert, viel terrorisiert, es werden Scherze gemacht, die anfangs auch geglaubt werden, "mit der Wucht eines Orkans" die Tilly, eine Paraderolle. Alle Leute kommen nicht allein, sondern in Begleitung, das füllt den Film, es wird auf Angriff gegangen, vorne die Schauspieler, hinten die Leibwächter und die Gönner, es wird etwas nach hinten gerückt von der Kamera, mehrere Personen aufgenommen und etwas Stille und Erinnerung inszeniert und eingefangen, eine angenehme Beschaulichkeit, eine Pause von der Überforderung, eine Leseprobe wird veranstaltet am ersten Tag, man weiß nicht genau, worum sich das Stück dreht, worum es sich handelt. Worum es im Film geht, ist einfacher zu verstehen, es geht um Sadismus und Masochismus, es gibt ein paar Stammdarsteller von Allen, allen voran die Wiest; die immer etwas unterschätzt wird in den Werken, die eigentlich nur im September so wirklich zum Vorschein kam, dort übertrumpfend auch die Farrow, ansonsten immer etwas an den Rand gedrängt.
Hier wird nicht im Traum daran gedacht von ihr, auch nur ein Wort an dem Stück zu ändern, ihre Instinkte als Schauspielerin unersetzlich. Vielleicht würde man wieder den Film Noir sehen, den Crime, vier Schüsse in den Rücken, danach eine Leseprobe, der Rest wirkt improvisiert und einstudiert, auf Krawall gegangen, in die weibliche Psyche hineinversetzt, eine Integration in die Arbeit, intellektuell in der Vorgehensweise, im Oktober sind die Proben, im Herbst, die Darsteller alles Diven, die männlichen wie die Weiblichen, ansonsten gibt es viel Pfiffigkeit, umwerfend und hinreißend, die Dichtung durch den Wolf gedreht, ein Kompromiss mit allen Leuten, mit allen Rollen, keine ideale Welt hier, man muss sich jedem Begehren fügen, des Broadways wegen. Die Hauptrolle und der Autor und Regisseur nähern sich an, sie reden auch im Privaten, nicht nur im Beruflichen, ansonsten viele Diskussionsbeiträge um "denselben Scheißdreck", eine Empfindlichkeit gezeichnet, das Stück geht nicht auf, deswegen kommt man zuerst in anderen Städten raus. Wiest und Cusack gehen einmal in den Park, er bewundert sie, als Darstellerin und als Frau, Gefühle werden zurückgehalten und nach außen gedrungen, "Du bist überwältigend", viel geschieht reibungslos, viel geschieht mit Zwischenfällen, die Philosophie des Autors verstehen die Schauspieler nicht, das Stück "zu schlecht geschrieben", das meint der Leibwächter, der Totschläger, der Mafiascherge, das Stück kommt ins Stocken, Starrsinn konfrontiert sich mit Integrität und Unterstützung, die Beobachtungsgabe hat einen großen Appetit, der Wortwulst erschlägt vieles, es wäre vielleicht ruhiger, würde man sich auf weniger Personen, auf Wiest und Cusack vielleicht konzentrieren.
Zum Geburtstag gibt es eine Kleinigkeit, ein Geschenk von Cole Porter, der Central Park am Blühen, die Flora am Glühen, es gibt eine Torte und eine Brieftasche und eben das Geschenk vom Porter, ein Zigarettenetui, für einen Nichtraucher, eine Geste nur, eine liebevolle Idee, es geht überhaupt um Liebe, im Stück wie im Film, Palminteri übernimmt die Fahnenstange, er spielt sich nach vorne, er drückt sich durch, auch ohne Pistole, ganz einfach mit Worten und mit Drohungen, man schreibt sich einen Kassenschlager. "Du schreibst nicht, wie die Leute reden.", "Ich weiß, wie die Leute reden.", Jemand Anders übernimmt die Verantwortung, "Welch ein Dialog!", von lauwarm und konstruiert zu knisternd und fleischlich, Allen hält sich aus dem Film zurück, darstellerisch zumindest, der Rest ist typisch für ihn, etwas zu viel Lautstärke, "Wer ist dieser Hamlet-Typ? Wohnt er hier in dieser Gegend?", der Inspiration überdrüssig, überflüssig, Nicht-Sprechen wäre hier besser, zudem scheint das Büfett während der Proben sehr lecker zu sein, viel Kuchen, viel Torte, viel Scones mit Butter; ein reichhaltiges Menü mit viel Kalorien, zu schwer auf Dauer, aber es ist Genuss für die Sekunde, nur dann Hüftgold um die Seele, "Ehrlich gesagt bin ich fasziniert.", der November fängt an, den Oktober hat man geschafft, die Uraufführung findet in Boston statt.