„Hey, komm, was ist denn los?“ – „Gar nichts…“ – „Dann können wir ja weitermachen.“ – „Nein!“ – „Warum denn nicht?“ – „Darum nicht.“ – „Ich muss doch keinen Grund haben! Ich möchte gern ein bisschen die Enten beobachten!“ – „Enten schwimmen nachts nicht. Ihre Scheinwerfer kriegen im Wasser einen Kurzschluss.“ („Examen“ – Dialoge aus der Hölle!)
„Examen“ ist ein Vertreter der ersten Welle Slasher-Rip-Offs, also im Fahrwasser der Genregrößen „Halloween – Die Nacht des Grauens“ und „Freitag der 13.“ entstandener Subgenre-Vertreter aus der zweiten Reihe. Da ist einiges Schönes bei, aber auch weniger Gelungenes. US-Regisseur Jimmy Hustons („Der Vollstrecker kennt kein Erbarmen!“) Beitrag zählt leider zu letzterem. Widmen wir uns dieser Chose einmal etwas ausführlicher:
„… du wirst wochenlang nichts anderes als deine schlaffe Alte in den Händen halten. Sie muss doch jetzt auch schon fast 30 sein!“
Am Lanier College neigt sich das Semester dem Ende entgegen, und was die Studentenschaft noch nicht ahnt: auch ihr Leben. Im Nachbarort wurde ein junges Pärchen erstochen, der Mörder ist flüchtig – und auf dem Weg nach Lanier. Inmitten dieser beunruhigenden Situation leistet sich die Gamma-Verbindung einen makabren Scherz, doch aus Spaß soll alsbald Ernst werden…
„Sinnlose Mordtaten sind ein Phänomen der heutigen Zeit!“
Mit unheilschwangerer Klaviermusik zu Kamerafahrten über einen idyllisch anmutenden See beginnt es eigentlich recht vielversprechend. Am benachbarten College knutscht ein Studentenpärchen im Auto, wo es jedoch überfallen und getötet wird. Nach diesem Prolog geht’s ans Lanier College, wo die Abschlussprüfungen bevorstehen. Die absonderlichen Dialoge lassen Rückschlüsse auf ein eher niedriges Bildungsniveau zu. Chemie-Professor Dr. Reynolds (Don Hepner, „Young Warriors“) geht mit einer jungen Blondine fremd, der Studentin Lisa (DeAnna Robbins, „Die Rückkehr der Rebellen“) – wie er es zuvor offenbar bereits mit etlichen anderen seiner Schäfchen zu tun pflegte. Footballer Wildman (Ralph Brown) benimmt sich wie ein Arsch, aber alle scheinen‘s in Ordnung zu finden. Plötzlich schießen Maskierte auf dem Campus um sich und töten scheinbar zahlreiche Studenten – ein fieser Scherz der Gammas, der u.a. dazu dient, dass Gary alias Fuchs (Terry W. Farren) die Gelegenheit bekommt, die Prüfungsaufgaben zu stehlen.
„Mit diesen Schwachköpfen wird es ein böses Ende nehmen!“
Wie bei „Halloween“ sieht man immer mal wieder jemanden von hinten herumstehen, eine Art Vorbote des kommenden Unheils. Die Verbindung will einem Streber ans Leder, der nach dem Streich die Bullen gerufen hatte, welche allerdings überaus desinteressiert reagierten. Nach dem Diebstahl der Prüfungsaufgaben muss Fuchs die Verbindungsaufnahmerituale über sich ergehen lassen, wobei er böse malträtiert wird. Dessen Freundin Janet (Sherry Willis-Burch, „Killer Party“) hadert mit dem Verbindungsquatsch. Und schon ist der Film ohne jede wirkliche Horrorszene (vom Prolog abgesehen) zur Hälfte rum. Wildman sprüht sich Deo in den Mund und soll Schmerztabletten entwenden, während Gary noch immer in Unterhose an einen Baum gefesselt ist. Der paranoide Radish (Joel S. Rice, „Terror im Parkett“) erzählt ständig von umherlaufenden Psychopathen und der Gag soll vermutlich sein, dass er Recht behalten wird. Auf ein paar False Scares hin folgt nun endlich der erste Mord an diesem lausigen College: Ganz wie im Prolog-Gemeuchel werden erst Gary und anschließend Janet erstochen – offscreen. „Examen“ ist bis jetzt völlig unblutig. In Point-of-view-Perspektive schleicht jemand herum, womit Regisseur Huston einen Haken an eine weitere Subgenre-Stilistik setzen kann. Dann ist Wildman in der Turnhalle dran. Verbindungchef Mark (John Fallon) geht ihn suchen, findet dessen Leiche im Spind und muss schließlich auch dran glauben. Radish findet wiederum dessen Leiche und alarmiert die Polizei, doch nach dem Verbindungsstreich glaubt ihm der Sheriff nicht mehr. Dann stirbt auch er.
„Es gibt keine Anzeichen von Kriminalität an dieser Schule. Noch nicht...“
Mittlerweile ist der Film also – endlich, möchte man meinen – beim Zehn-kleine-Slasherfütterchen-Prinzip angekommen. Lisa hatte sich inzwischen auf ihr Schäferstündchen mit Dr. Reynolds im Kunstzimmer vorbereitet und kommt, ähem, zum Stich – durch den Mörder. Erwartungsgemäß wird die Züchtigste nun das Final Girl, das sich wehrt und sich zu verstecken versucht. Erstmals bekommt man den stummen Killer in Gänze zu Gesicht. Ein Bediensteter kommt noch vorbei, um Mitch abzuholen, doch das Timing ist denkbar schlecht, denn er wird involviert und getötet, bevor unser Final Girl dem Killer endlich den Garaus machen kann. Wer glaubte, dass dieser nun endlich eine Identität, ein Motiv und eine Hintergrundgeschichte erhalten würde, sieht sich getäuscht – in dieser Hinsicht liefert „Examen“ überhaupt nichts, weshalb das Ende ebenso enttäuschend ausfällt wie weite Teile des Films, der somit völlig doof und sinnentleert erscheint. Und wo war Dr. Reynolds eigentlich?
Es reicht eben nicht, einfach ein paar Morde aneinanderzureihen, um einen guten Slasher zu liefern – schon gar nicht, wenn man ungefähr die Hälfte des Films mit idiotisch überzeichneten College-Klischees verstreichen lässt, bevor in Lanier überhaupt etwas von Belang geschieht, und die Kills dann auch noch denkbar zahm ausfallen. Dass Huston aber so vorgegangen ist, wie er es nun einmal tat, lässt erahnen, dass er seine Subgenre-Vorbilder überhaupt nicht verstanden hat und ohne jede Inspiration oder zündende Idee ausschließlich auf einen schnellen Cash-in aus war. Gute Slasher erzählen etwas über Ängste, über Psychologie, sind metaphorisch oder allegorisch, entfalten eine bedrohliche Stimmung und unheilige Atmosphäre. Nichts davon findet sich hier und der Film guckt sich ebenso dröge weg, wie sich meine hier ausgewalzte Beschreibung der Handlung vermutlich liest. Geradezu passend dazu präsentieren sich die deutschen Billig-Synchronsprecherinnen und -sprecher, die bisweilen sogar mit einem leichten bayrischen Akzent auffallen.
Ich weiß nicht, ob man aus dem Laien- und B-Ensemble mehr hätte herausholen können, aus der erzählten Geschichte jedoch ganz sicher – denn immerhin verstand es Huston, zahlreiche gängige Zutaten aufzugreifen und einzusetzen. Sein Stalk’n’Slash-Examen hat er mit dieser unterdurchschnittlich gelösten Prüfung jedoch verfehlt. Und die Quellenangaben fehlten auch…