Zu der Flut an billig heruntergekurbelten 80er-US-Teenie-Slashern gehört auch dieses Machwerk: Mit allen handelsüblichen Genre-Zutaten – eine Gruppe austauschbarer Studierender, die nur Blödsinn im Kopf haben, ein Killer, der einen nach dem anderen umbringt, ein in sich abgeschlossener Ort, von dem es nur bedingt Fluchtmöglichkeiten gibt – erzählt er dieselbe Geschichte wie dutzendweise andere Filme jener Ära.
„Final Exam“ fällt höchstens durch seine absolute Unauffälligkeit auf. Weder ist er so vergleichsweise hochwertig inszeniert wie die berühmtesten Genre-Vertreter dieser Zeit – etwa die „Freitag, der 13.“-Filme – noch so krass trashig wie viele andere. Inszenatorisch und technisch bewegt er sich auf einem souveränen Niveau, bietet eine anständige Bildqualität (keine Selbstverständlichkeit für die oft schnell und gnadenlos billig abgedrehten Slasherfilme, die auf der Erfolgswelle bis Mitte der 80er mitreiten wollten), ein nicht allzu aufwendiges, aber immerhin überzeugendes Setting und eine ansehnliche Anzahl an Nebendarstellenden und Komparsen. So erzeugt er immerhin auf formaler Ebene den Eindruck einer stabilen B-Produktion, die ihre begrenzten Mittel durchaus gekonnt einsetzt und für ein gewisses visuelles und auditives Grundniveau sorgt.
Darüber hinaus versinkt der Film aber in absoluter Bedeutungslosigkeit. Das fängt schon mit seiner unausgegorenen Dramaturgie an: Nach der halbwegs atmosphärischen Einleitungsszene, die sich in Teilen an der urbanen Legende eines Pärchens zu orientieren scheint, das im Auto beim nächtlichen Liebesspiel von einem Killer attackiert wird, passiert erst einmal – gar nichts. Knapp eine Stunde der nur 90 Minuten vergeht, bis es einen weiteren Mord zu sehen gibt. In der Zwischenzeit beschäftigen sich die unsympathischen bis uninteressanten Charaktere mit Gesprächen übers Lernen, Nerdig- und Coolsein sowie allerlei Liebesbeziehungen. Das bleibt angesichts der oberflächlichen Figuren und hölzernen Dialoge durchgehend spannungslos. Und die Mitglieder der Studentenverbindung, die im Zentrum der lose zusammengehörenden Gruppe stehen, fallen höchstens noch durch geradezu absurd geschmacklose „Streiche“ auf, die heutzutage zu nationalen Diskursen führen würden, aber schon damals alles andere als komisch waren.
Das alles ändert sich auch nicht, wenn endlich mal der namen-, dialog- und maskenlose Killer losschlägt. Nicht nur geraten seine Auftritte überaus unspektakulär – er ist einfach irgendein Typ, der durch die Gegend stapft und bei Gelegenheit Leute mit seinem Jagdmesser absticht – und kommen größtenteils ohne blutige Details aus, auch bleibt die ganze Geschichte komplett sinnlos, weil auf jeglichen Background dieses Mörders verzichtet wird. Nicht ein einziges Wort gibt es zu seinem Hintergrund – wo kommt er her, warum tötet er wahllos Menschen, was ist sein Antrieb? All das bleibt komplett unbeantwortet. Das mag in den Diskurs zum Thema sinnloser Gewalt passen, den der Film durch eine seiner eher nerdigen Figuren anzureißen bestrebt ist, bietet aber auf inhaltlicher und dramaturgischer Ebene nicht das geringste Element, um irgendwie für Interesse zu sorgen. Diese völlige Willkür des Geschehens erzeugt nicht etwa eine beklemmende Atmosphäre, wie es ja durchaus möglich wäre, sondern nimmt dem Film auch die letzte Möglichkeit, noch irgendwie Spannung oder etwas Tiefgründigkeit zu erzeugen.
So bleibt „Final Exam“ ein überaus belangloser Beitrag zur unüberschaubaren Menge an billigen US-Slashern der 80er, der mit einer so belang- wie sinnlosen Story, uninteressanten und oberflächlichen Figuren, viel zu wenig Blut und Gewalt und keinerlei Atmosphäre oder Spannung rein gar nichts zu bieten hat (nicht einmal das Setting überzeugt in dieser Hinsicht, denn ein nächtlicher Campus ist weiß Gott kein Ferienlager mitten im tiefsten Wald – hier wäre Hilfe theoretisch viel einfacher denkbar). Wenn er nicht rein technisch so souverän umgesetzt wäre, dass er allein dadurch zur besseren Hälfte des damals aktuellen Genres gehört, wäre er wirklich völlig bedeutungslos. Doch auch so finden hier Genre-Fans im Grunde nichts, was sie so und besser nicht schon woanders gesehen hätten.