Warum läuft ein Film, welcher keinerlei jugendgefährdende Szenen beinhaltet gegen 02.45 Uhr im Nachtprogramm? Weil er ganz offensichtlich schlecht ist, richtig schlecht. Der Langweiler „Tagebuch eines alten Narren“ (so der deutsche Titel) von Regisseur Lili Rademakers („Minuet“) will ein Erotikdrama um Obsession und Hörigkeit sein, hat aber nicht einmal einen Hauch von Handlung zu bieten.
Zur Story: Der greise Marcel giert nach seiner jungen Schwiegertochter Simone. Das ist alles.
„Zum Stich“ – wie man es gemeinhin bezeichnet – kommt Marcel indes nicht, weswegen „Diary of a Mad Old Man“ nur mit der Chronologie des Verhältnisses zwischen den beiden Hauptfiguren bis hin zu Marcels Tod aufwartet. Diese gerät aber ob ihrer Ereignislosigkeit allzu einschläfernd. Erzählerisch steht der Film beinahe permanent still, die Inszenierung geriet zu betulich, um so etwas wie Intensität zu erreichen. Bleibt die Erotik – wenn denn welche da wäre. Nackte Haut bekommt der genervte Zuschauer nur in Form von blanken Beinen zu sehen, was Nicht-Fußfetischisten auf Dauer ebenso wie der unsägliche Plot um Geilheit im Rentenalter ganz ohne Viagra langweilt. Es wirkt eher lächerlich und abstoßend, wenn Protagonist Marcel diverse Extremitäten seiner Angebeteten abschleckt. Wer will das denn sehen? So etwas wie Dramatik oder Anspruch zeichnet sich dabei leider auch nicht ab. Bleibt die teils pittoreske Bebilderung des Films, welche jedoch dessen offensichtliche Ignoranz und Elegie nicht kaschieren kann. Die Darstellerleistungen gehen soweit in Ordnung – das macht den in die Länge gedehnt wirkenden, tumben Versuch eines Erotikdramas jedoch auch nicht besser.
Fazit: Banaler, hölzerner und langweiliger Bauchklatscher von einem Erotikdrama. „Diary of a Mad Old Man“ könnte man durchaus als die westeuropäische Antwort auf „Boxing Helena“ bezeichnen, was die stupide, verkrampfte und einschläfernde Machart betrifft. Die finale Einstellung der Frau im Pool ist das einzige Highlight im sonst unfassbar hirnrissigen und kläglichen Film.