Review

Einem kleinen "Apocalypse Now" nicht gänzlich unähnlich führt Kultregisseur Werner Herzog den spanischen Südamerika-Expeditionsteilnehmer Aguirre (Klaus Kinski) des Jahres 1560 erst per pedes, dann per Floß nach dem sagenumwobenen Goldland El Dorado forschen. Die bizarre Reise auf einem endlos erscheinenden Strom wird für alle Beteiligten alsbald zum Albtraum: Nahrungsmittel gehen zur Neige, kampfeslustige Wilde attakieren die Reisenden und zu guter letzt scheint auch noch jeder Sinn für die Realität zunehmend verloren zu gehen. Kinskis finsteres Alter-Ego Aguirre schwingt sich mehr und mehr zum Herrscher über das Minikaiserreich "Floß" auf, fanatisch getrieben von surrealen Herrschaftsvorstellungen und der Aussicht auf unermesslichen Reichtum. Doch wer nimmt diese Handvoll armseeliger Gestalten mitten im südmamerikanischen Nirgendwo wahr? Eigentlich niemand und so fordern Krankheiten, Eingeborene und der eigene Wahn mehr und mehr Opfer - bis nur noch der tyrannische Aguirre selbst, nun personifizierter Zorn der Götter, einer ungewissen Zukunft entgegentreibt...

Werner Herzog gelang mit "Aguirre, der Zorn Gottes" einmal mehr ein eindrucksvoller Film, der sowohl mit der charakeristisch trägen, jedoch hoch atmosphärischen Hezog-Inszenierung in Bild und Ton als auch mit einem abermals genialen Klaus Kinski aufwarten kann. Viel passiert auf diesem bizarren Urwald-Trip letztlich zwar nicht, doch die faszinierende Ansammlung von Banalitäten, die internen Machtkämpfe und ruhigen Naturbildern machen "Aguirre" in jedem Falle zu einem einzigartigen Filmerlebnis.
Doch wie so oft wird auch "Der Zorn Gottes" bei weitem nicht den Geschmacksnerv des breiten Publikums treffen. Vielmehr handelt es sich um ein ganz eigenes Stück Film irgendwo zwischen Wahnsinn, Abenteuer und Genie für den speziell interessierten, geduldigen Cineasten.

Details
Ähnliche Filme