Ich weiß schon, warum ich meine Finger normalerweise von DTV-Fortsetzungen lasse. Aber manchmal besiegt die Neugier eben die Verfahrung und die Vernunft. „I'll Always Know What You Did Last Summer” hat mich glücklicherweise gleich wieder eines Besseren belehrt, so dass ich zumindest bis „Road House 2: Last Call“ einen großen Bogen um diese Kommerz-Exkremente machen werde.
Nun waren schon die beiden Vorgänger dank der Teenieslasher-Manie schon deutlich überhypt und keine wirklichen Bringer, aber soweit kurzweilig heruntergekurbelt und mit einem schnuckeligen Opfer-Cast versorgt, so dass man sich ohne Ansprüche sorglos davon unterhalten fühlte. Davon ist jetzt, immerhin acht Jahre später, nichts mehr übrig. Ursprünglich sollte das Projekt auch direkt nach dem ersten Sequel angegangen werden, aber da die Zugpferde (Freddy Prince Jr. Jennifer Love Hewitt) von größeren Hollywoodkarriere träumten, wurde die Produktion für Jahre eingestampft und nun mit einem deutlich abgesenkten Budget neu initiiert. Das Drehbuch dürfte inzwischen auch ein völlig anderes sein und wurde vermutlich nach einer durchzechten Nacht verfasst.
Der französische Musikvideo-Regisseur Sylvain White („Trois 3: The Escort“, „Stomp the Yard“) klammert Spannung und Atmosphäre ganz dezent mit seiner nervigen, flackernden Hauruck-Inszenierung aus und scheucht eine Bande hassenswerter Talentwüsten durch eine debile Geschichte voller Plotholes, die selbst den hartgesottensten Genrefan Reißaus nehmen lässt. Bezüge zu den Vorgängern sind bis auf das Kostüm des Mörders und mühsam integrierte Zeitungsausschnitte nicht vorhanden. Inzwischen hat der Hakenschwinger sogar übernatürliche Kräfte.
Normalerweise kann man sich zumindest darauf verlassen, dass, wenn Majors ein überflüssiges DTV-Sequel in Auftrag geben, am Ende ein zumindest professioneller, wenn auch belangloser Schnellschuss dabei herauskommt. „I'll Always Know What You Did Last Summer” wiederlegt diese These auf beeindruckende Weise. Nicht einmal 85 Minuten lang quält der Film sein Publikum mit der bekannten Geschichte um den hackenden Fiesling in der Fischerkluft, der immer bestens darüber informiert ist, was letzten Sommer so abging und unterbietet dabei alle niedrigen Erwartungen.
Das idyllische Fischerdorf hat für den dritten Teil ausgedient. Zum fröhlichen Meucheln wurde dieses Mal eine Berggegend auserkoren, wo es eine Teenie-Clique ungeheuer witzig findet auf dem Jahrmarkt einen gefakten Ben Willis loszulassen. Leider geht bei der Vorstellung etwas schief. Einer ihrer eingeweihten Freunde fällt vom Dach anstatt auf die weichen Matratzen auf einen Traktor und stirbt. Die Clique schwört das Geheimnis (am Lagerfeuer muaharhar) für sich zu behalten und mit ins Grab zu nehmen. Ein Jahr später tauchen erst mysteriöse Botschaften und dann der Mann mit dem Haken auf, um dafür zu sorgen, dass der Schwur auch tatsächlich erfüllt wird. Die sich inzwischen auseinandergelebten Teens würfelt das gemeinsame Schicksal also wieder zusammen.
Die übersichtliche Truppe nach eindeutigen Botschaften (SMS! Uiuiuiu...) schnell eingeschüchterter Teens legt fix die typischen Probleme (Beziehungsstress, Testosteron –Rivalität etc) beiseite und informiert sich gegenseitig. Trotzdem ist man natürlich dumm genug sich allein an menschenleere dunkle Locations zu begeben, wo der waltende Sensenmann in der Lederkluft seiner Arbeit nachgehen kann.
Eigentlich sind die verzweifelten Hetzjagden quer durch irgendwelche unübersichtlichen Gebäudeteile in denen man keine Hilfe erwarten braucht ja die Highlights eines jeden Teenie-Slashers, aber so spannungsfrei wie White sie in einem hektischen Schnittsalat serviert, müsste man ihm eigentlich den Preis für ein perfektes Negativ-Beispiel verleihen.
Darüber hinaus braucht der Film auch ellenlang bis er endlich mal in die Pötte kommt, weil er in seinem Irrglauben versumpft, dem Zuschauer mehr über seine uninteressanten Figuren mitteilen zu wollen, gründlich scheitert. Das schlägt sich natürlich angesichts der ohnehin kurzen Laufzeit auch auf die Geduld des Zuschauers nieder, der endlich mal den Reigen eröffnet sehen will, sich stattdessen aber mit den stereotypen, unsympathischen Charakteren herumplagen muss, die alle möglichen Verdächtigen durchexerzieren und schon den verbitterten Sheriff als Peiniger vermuten. So besonders spielen die unbekannten Akteure auch nicht und würde Torrey DeVitto („The Eye“) mit ihrem rockigen Bühnenauftritt nicht für den einzigen Lichtblick des Films sorgen, wäre hier auch ohne weiteres die Höchststrafe möglich.
Die krampfhaften Versuche Sylvain Whites Clip-Ästhetik in seinen Horrorfilm zu prügeln, kosten dem Zuschauer weiter nerven, weil bei seinem schrägen Gewusel nicht nur die Übersichtlichkeit verloren, sondern auch jede einigermaßen gute Szene den Bach runter geht. Der Angriff in einer Seilbahngondel, der aus unerfindlichen Gründen abgebrochen wird, ist ein schönes Beispiel dafür. Ohnehin taucht der Killer nach Gutdünken auf und ab, wie es ihm gerade in den Kram passt.
Daneben wird Klischee an Klischee getackert (der naive, schwer verliebte Deputy darf auch nicht fehlen) und ohne sichtliche Struktur durch die Locations gezappt, bis dann irgendwer wieder abdankt. Sonderlich originell sind die Morde zudem auch nicht, dafür aber schön blutig und mit herrlich debilen Dialogen gespickt. Man sieht allerdings jedes Mal auch nur das finale Ergebnis. Für mehr wird auch kein Geld vorhanden gewesen sein.
Fazit:
Fischers Fritze fischt im Trüben ohne Sinn und Verstand. Die Inszenierung und das Drehbuch sind ein Debakel sondergleichen, obwohl inhaltlich nur das Original kopiert wird. „I'll Always Know What You Did Last Summer” erweist sich als schwachsinniges DTV-Produkt, wie sie inzwischen die Videotheken leider überfluten. Dumme, wie mich, gibt es ja genug, die mal einen Blick riskieren. Bloß die Finger von diesem Müll lassen. Pure Zeitverschwendung!