Review

„Aber er tötet... nur Teenager.“

Nachdem ich mir jüngst den neuen dritten Teil im Kino angeschaut hatte, sah ich mir für den direkten Vergleich auch den bisher ausgesparten ursprünglichen dritten Teil an, jene verrufene Direct-to-DVD-Produktion, die im Jahre 2006 und damit viel zu spät – acht Jahre nach Teil 2 – nachgeschoben worden war. Der französische Musik-Videoclip-Regisseur Sylvain White debütierte mit „Ich werde immer wissen, was Du letzten Sommer getan hast“ im Spielfilmfach.

„Es war ein Unfall!“ (behaupten böse Zungen auch von diesem Film…)

Es ist der 4. Juli auf einem Jahrmarkt in Broken Ridge, Colorado: Die Fünferclique aus Amber (Brooke Nevin, „Coole Weihnachten“), Colby (David Paetkau, „Final Destination 2“), Zoe (Torrey DeVitto, „One Tree Hill“), P.J. (Clayton Taylor, „Die jungen Meisterdetektive“) und Roger (Seth Packard, „Wild-West-Biking“) hat sich, bezugnehmend auf die Mordserie des alten Fischers Ende der 1990er-Jahre, einen großangelegten Streich überlegt, um die Besucherinnen und Besucher das Fürchten zu lehren: Roger verkleidet sich als der Fischer mit dem Enterhaken und macht scheinbar Jagd auf die Jugendlichen. Nach einer Konfrontation auf einem Gebäudedach sollte P.J. eigentlich einen coolen Stunt auf dem Skateboard hinlegen, doch der geht gehörig schief: P.J. wird von einem geparkten Traktor regelrecht aufgespießt. Die vier Verbliebenen schwören sich, kein Wort über das Geschehene zu verlieren, damit sie nicht mit P.J.s Tod in Verbindung gebracht werden. Doch ein knappes Jahr später erreicht Amber eine Vielzahl von SMS-Nachrichten mit dem Inhalt „I know what you did last summer“. Und tatsächlich: Der rachsüchtige Fischer lässt nicht mehr lange auf sich warten. Wer steckt dahinter? Der Verdacht fällt auf Sheriff Davis (Michael Flynn, „Halloween 4“) – P.J.s Vater…

„Wir nehmen es mit ins Grab!“

Das Ensemble ist komplett neu, der Bezug zu den vorausgegangenen beiden Filmen wird konstruiert. Der ansehnliche Vorspann in modernistischer Videoclip-Optik weiß zu gefallen und mit dem Auftauchen des Killers lässt man sich beileibe nicht viel Zeit – auch wenn es sich lediglich um den kostümierten Roger handelt. Es folgen das übliche Prozedere der sich aus der Verantwortung stehlenden Jugendlichen und der obligatorische Zeitsprung zum nächsten Sommer. Ein Terror-Angriff in einer Gondel ist passabel inszeniert, wenngleich er nicht ohne das Horrorfilm-Klischee-Unwetter auskommt. Die Morde im weiteren Verlauf gehen in der Umsetzung klar, auch ohne sonderlich splatterig zu sein; blutig sind sie allemal. Das klassische Whodunit? legt falsche Fährten, kurioserweise geraten gleich zwei Polizisten unter Verdacht. Mehrere Punk- bzw. Alternative-Songs fanden in den Film, manche davon, wie bei einem Auftritt Zoes mit ihrer Band, gar intradiegetisch.

„Was letzten Sommer passiert ist, hat alles verändert!“

Es fehlt jedoch das Fischerstädtchen-Flair des Originals, mit dem verglichen dieser Teil wie eine Discount-Variante wirkt. Die Videoclip-Ästhetik, die im Vorspann noch Freude bereitete, beginnt, im Film vermischt mit typischer Direct-to-DVD-Optik, irgendwann zu nerven, wenngleich bei den Farbfiltern ein Wille zu atmosphärischer Stimmung erkennbar bleibt – unter der jedoch jegliche sommerliche Anmutung zu ersticken droht. Den Figuren gegenüber verspürt man eine noch größere Distanz als in den vorausgegangenen Filmen. Dass sich der (Achtung, Spoiler!) meuchelnde Rächer plötzlich als übernatürliche Entität erweist, funktionierte so ähnlich in mancher „Freitag der 13.“-Fortsetzung gut, erweist sich hier jedoch als keine sonderlich zielführende Wendung, zumal sie das Whodunit? komplett ad absurdum führt. Amber avanciert von einem Moment zum anderen zum über sich hinauswachsenden, mutigen Final Girl, das sofort akzeptiert, es mit einem Untoten (oder so) zu tun zu haben, womit endgültig jegliche Glaubwürdigkeit flöten geht. Und der Epilog revidiert dann gar noch das Finale.

„Ich werde immer wissen, was Du letzten Sommer getan hast“ fehlt es nicht nur an Budget und memorablen Figuren, sondern vor allem an Inspiration und Seele. Für Slasher-Fanatiker(innen) und -Allesgucker leidlicher unterhaltsamer glatter Durchschnitt; alle anderen werden sich fragen, was das soll.

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