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Die US-TV-Produktion FBI: Negotiator bedient sich gleich zweier Vorbilder. Zum einen natürlich Verhandlungssache und dann noch John Q., deren Elemente hier miteinander verwurstet werden, wobei aber nur ein mäßiger Ergebniss herauskommt. Denn der Streifen entpuppt sich eher als Familien-Drama und nicht als spannender Thriller.

Laura Martin (Elisabeth Röhm) ist die beste ihres Fachs: Als FBI-Agentin ist sie auf Verhandlungen mit Geiselnehmern spezialisiert und findet auch aus schwierigsten Situationen einen Ausweg. Gegen die männlichen Kollegen kann sie sich ebenso behaupten wie gegen gefährliche Gewaltverbrecher. Doch ihr neuester Fall stellt sie vor ihre bisher größte Herausforderung: Sie muss mit ihrer Freundin (Chandra West), einer verzweifelten Mutter, verhandeln, die in einem Krankenhaus Geiseln genommen hat, weil die Ärzte sich weigern, ihre krebskranke Tochter zu behandeln...

Angel-Darstellerin Elisabeht Röhm (Miss Undercover 2) gibt sich sichtlich Mühe, ihrer Rolle wenigstens einen Hauch an Charaktertiefe zu verleihen. Da kann ihr auch teilweise gelingen, doch der Rest wird vom lahmen Drehbuch im Keim erstickt. Auch Chandra West (Universal Soldier 3) schlägt sich hier noch ganz passabel, wenngleich auch ihr die Möglichkeiten zur Rollenentfaltung vorenthalten bleiben. Woody Jeffreys (Doppelmord) darf den Love Interest und Ex-Sniper mit Berufskrise mimen, bleibt aber stark hinter Röhm und West zurück. Zum Schluß bleibt noch Jerry Wasserman (I, Robot) als arroganter und sexistischer Oberverhandler, womit er jedoch lediglich eine Klischeefigur bleibt.

FBI: Negotiator beginnt vielversprechend. In einem Opener a'la S.W.A.T. erlebt man eine Geiselnahme in einem Tante Emma-Laden mit, die sich schließlich als Training für angehende FBI-Verhandler entpuppt. Dumme Entscheidungen der Protagonisten hin oder her, denn diese Sequenz wurde von Regisseur Nicholas Kendall (Transformers: Beast Wars) noch ganz ansehnlich in Szene gesetzt. Weniger spannend kommt da schon die misslungene Geiselbefreiung aus einem Bus weg, nachdem Martin und ihr Sniper-Lover erstmal die Marke weg haben. Doch nun soll der Teil kommen, wo in FBI: Negotiator der Hund begraben liegt. Daheim hat Laura nämlich Stress mit ihrer Teenager-Göre von Tochter, die ihr andauernd den Verlust von Vati unter die Nase reibt. Das Laura daran natürlich nicht schuld ist, wird später beiläufig geklärt. Und von Mamis neuem Stecher ist das Mädel erst recht nicht begeistert. Da hilft auch ein gemeinsamer Ausflug in ländliche Gefilde nichts. Auf Dauer nervt den Zuschauer das Gezicke der Tochter sehr. Und deren Freundin ist zudem noch an Krebs erkrankt und braucht dringend ein neues Heilmittel. Als die Götter in Weiß ihr das besagte Mittel aber dreißt vorenthalten, schnappt sich ihre Mutter rasch einen Revolver und macht dem Onkel Doc im Hospital erstmal richtig Druck. Da sie mit Laura befreundet ist, kennt sie sämtliche Tricks und Kniffe des FBI's und will nur mit ihr verhandeln. So muss Laura den restlichen Ausflug knicken und ihre Freundin von Schlimmerem abhalten. Desweitern ereignet sich noch eine ungewollte Gasexplosion, die aber ziemlich mager ausfällt. Ohnehin geschieht das gesamte Szenario im Krankenhaus irgendwie beiläufig und lässt sich auch relativ zügig klären. Spektakuläres darf man hier nicht erwarten, da am Ende alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, und auch das Töchterlein samt geheilter Freundin nun in Muttis Branche einsteigen will. Die Verhandlungen und die finale Geiselnahme scheinen in FBI: Negotiator mehr oder weniger nur Randelemente um ein familiäres Drama inklusive Freundin ohne Ausweg zu sein. Wirklich mit der Geiselnahme beschäfftigen tut sich der Film nicht, da sie zu schnell und unspektakulär über die Bühne gezogen wird. Der Thrill von Verhandlungssache und die emotionale Verzweiflung des John Q.-Hauptcharakters sucht man hier vergebens. Runtergefilmt wurde das Ganze im typischen TV-Stil und man bemerkt deutlich die Schnitte, wo in der Fernsehausstrahlung offenbar die Werbung einsetzt.

Unterm Strich kann der Film nicht wirklich halten, was er verspricht. Man erwartet Thrill und eine Prise Action, bekommt aber ein Familiendrama, da eigentlich keiner sehen wollte. Immerhin verhelfen die solide agierenden Hauptdarstellerinnen über die wenigstens kurze Laufzeit hinweg. Ein echter Verhandlungs-Thriller sieht aber anders aus.   

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