"Als Hirte erlaube mir, zu dienen mein Vater dir. Deine Macht reichst
du uns durch deine Hand, diese verbindet uns wie ein heiliges Band. Wir
waten durch ein Meer von Blut, gib uns dafür Kraft und Mut. In nomine
patris, et filii et spiritus sancti."
Die Brüder Connor und Murphy töten mehr oder weniger zufällig ein paar russische Mafiosos. Der Polizist Paul Smecker lässt sie laufen, da es sich um Notwehr handelte. Die beiden gläubigen Katholiken, die nun denken, im Auftrag Gottes gehandelt zu haben, beginnen weitere Gangster und Mafiosos zu töten, doch Smecker verfolgt bereits die blutige Spur.
Mittlerweile ist es ja beinahe schon eine Modeerscheinung, dass indizierte und geschnittene Filme schnell zum Kultfilm avancieren. Der "Blutige Pfad Gottes" erreichte diesen Kultstatus hauptsächlich durch die heftigen Schussszenen und den Lobgesang auf die Selbstjustiz. Aber nicht alle übertriebenen und anarchischen Kultfilme halten auch, was sie versprechen, aber dieser schafft es!
Die Story ist ziemlich simpel und hat überhaupt keine Tiefe, ist aber einzigartig und völlig überdreht. Die religiösen Motive der beiden Brüder werden eigentlich überhaupt nicht näher behandelt und auch bei der Charakterkonstruktion bleibt der Film eher flach, dafür sind die wichtigsten Figuren sehr skurril, amüsant und trotz ihrer Brutalität sympathisch. Die Wendungen sind jedoch gut und überraschend und können somit zu jeder Zeit die Spannung steigern. Die Dialoge sind das Beste am Film. Sie sind heftig, enthalten einige Fäkalworte, enthalten den typischen rabenschwarzen Humor, den man sich von einem solch brutalen Werk erhofft und sind darüber hinaus sehr martialisch. Außerdem finde ich es sehr geschickt, die Taten der Brüder und die Ermittlungen von Smecker parallel zu zeigen.
Der Film läuft ziemlich schnell an, da die Brüder bereits früh die ersten Mafiosos töten. Der Mittelteil ist durch den rabenschwarzen Humor und die blutigen Action-Szenen überaus unterhaltsam und kann zum Ende hin auch Spannung aufbauen. Die Fragen, ob die Brüder vielleicht doch noch den Tod finden und, ob Smecker diese fassen kann bleiben bis zum Ende offen. Das Finale ist wie der ganze Film übertrieben und furios, beendet den Film aber perfekt. Alles in allem ist der Film überaus unterhaltsam.
Die Umsetzung gelingt Troy Duffy, der übrigens auch das Drehbuch verfasste und eine Nebenrolle übernahm, sehr gut. Dies ist bis heute der einzige bekanntere Film, den er inszenierte, umso überraschender ist die gute Arbeit die er leistet. Er setzt die Action-Sequenzen gut in Szene und dosiert sie ordentlich. Der Film ist die ganze Zeit über sehr brutal, aber er lässt ihn zu keinem Zeitpunkt zu sadistisch wirken. Das Erzähltempo ist schnell, sodass die Spannung die ganze Zeit aufrechterhalten werden kann. Auch die Gags kann er hervorragend dosieren. Das Beste ist jedoch die hervorragende Musik, die die, in Zeitlupe ablaufenden Schuss-Sequenzen perfekt unterlegen kann. Duffy schuf also praktisch im Alleingang einen Kultfilm.
Sean Patrick Flanerly spielt die Rolle des Conner hervorragend. Er wirkt trotz seiner Brutalität sehr sympathisch und liebenswert. Schade, dass er bisher schauspielerisch kaum in Erscheinung treten konnte. Norman Reedus, der bisher ebenfalls kaum in Erscheinung treten konnte, spielt, wie Flanerly auch, sehr überzeugend. David Della Rocco findet sich in der Rolle des dritten Killers hervorragend zurecht und ist vor allem für die amüsanten Momente zuständig. Willem Dafoe ist jedoch mit Abstand am besten. Er spielt die Rolle des deprimierten Polizisten, der sich nicht entscheiden kann, ob er die Taten der Brüder verurteilen oder gutheißen soll, hervorragend. Der Cast leistet gute Arbeit.
Der Film heißt die Selbstjustiz gut und überspannt den moralischen Bogen ein wenig, aber dennoch finde ich die Indizierung als ungerechtfertigt. Nur wenige Jahre später konnte Quentin Tarantino dies mit "Kill Bill" sogar übertreffen. Vielleicht fand man es ja ein bisschen übertrieben, dass der ermittelnde Polizist die Killer gewähren lässt, da er ihre Taten als moralisch richtig empfand. Aber eigentlich kann man ja sogar dankbar sein, dass der Film verboten wurde, da die anfangs eher unbekannte 7 Millionen Dollar Produktion erst nach der Indizierung zum Kultfilm avancierte.
Fazit:
Die Story ist trotz ihres einfachen Musters einzigartig und hervorragend. Die völlig überdrehte, Selbstjustiz verherrlichende Gewaltballade kann dennoch durch ihre Radikalen Ansichten, ihre rabenschwarzen und martialischen Dialog und die heftigen und brutalen Schussszenen bestens unterhalten. Jeder Film-Fan sollte das, mittlerweile indizierte Werk unbedingt ansehen. Endlich mal ein Kultfilm, der hält, was er verspricht.