Review

Und wieder einmal öffne ich mein güldenes TV-Schränkchen der 70er Jahre, als man mit nach Beschäftigung dürstenden All-Star-Casts und depperten Plots relativ gewaltfrei halb Amerika vor den Bildschirm bannen konnte, während uns 40 Jahre später vor Lachen das Gebiss aus der Fassung fällt.

Horror hatte ja sahnige Konjunktur nach all den Exorzisten und Omens und den Besuchen vom Devil himself, dazu warteten Katastrophenfilme an allen Ecken und Enden, aus sowas musste sich doch was Brauchbares für die Timeline stricken lassen.

„Cruise into Terror“ klingt dann auch mehr nach Piratenüberfall denn nach Übernatürlichem, aber weit gefehlt, denn der Gehörnte oder sein Sprössling haben hier ihre dicken Wurstis drin, wenn auch nicht optisch fix.

Drum höret, staunt und haltet die Jacketkronen fest, was ein gewisser Aaron Spelling (jaja, der von „Charmed“, „Beverly Hills 90210“, „Melrose Place“, „Denver-Clan“, „Hotel“, „The Love Boat“, „Fantasy Island“, „Drei Engel für Charlie“ und „Starsky und Hutch“ sowie „T.J.Hooker“) hier zusammenproduzieren ließ: irgendwo läuft eine finstere übernatürliche Verschwörung, die einen Captain dazu zwingt, eine Handvoll überzähliger Passagiere mit einem nur noch so halb laufenden Karibikschiff nach Mexiko rüber zu schiffen, wo dann der Luxus-Kreuzfahrtliner warten soll. Was das Ganze soll: natürlich werden die Mächte der Elemente den Seelenfänger voller sexuell ausgehungerter Pappdeckelcharaktere genau an den Ort führen, wo ein paar Meter unter der karibischen Wasseroberfläche die Überreste der ägyptischen Pharaonen-Errungenschaften in Mittelamerika dümpeln. (Ja, so hab ich auch geschaut!)

Keine Sau weiß, wie die Ägypter das über den Atlantik geschafft haben, aber auf jeden Fall ist der Fund der ganz besondere Spleen von Ägyptologe und Mystikfutzi Dr. Bakkun (ggf. auch "Backhuhn", ich bin nicht sicher), den der dauerbeschäftigte Ray Milland hier mit der lästigen Nonchalance schlecht gelaunt runterleiert, die er allen seinen Rollen ab 1970 zukommen ließ. Sein Widersacher an Bord ist niemand anderes Blake Carrington vom Denver-Clan persönlich, sprich: John Forsythe, der hier mit einem imbezilen Schnauzer versehen vollkommen unzureichend einen wackeren Kirchenmann gibt, der das Unheil schon um die Ecke lugen sieht (und er hat Recht!). Seine Frau ist aufgrund seiner beruflichen Berufung derweil dabei, im Schoße zu verstauben, weswegen die Ehe on the edge ist.

Und diese beiden Stars sind erst der Auftakt zu einem 70s Besetzungsfest: Captain Andrews wird von dem armen Hugh O’Brian gespielt, der noch in den 50ern eine stabile Kinokarriere hatte und augenzwinkernd von Sexbömbchen Stella Stevens verfolgt wird, deren unwichtige Figur den sensationellen Rollennamen "Marilyn Magnesun" trägt. Christopher George spielt einen down-on-his-luck-Geschäftsmann, während seine Real-Life-und-im-Film Ehefrau Lynda Day George (eine Zierde für viele TV-Filme) ihn davon überzeugen will, dass glückliches Zusammenleben viel wichtiger ist (eine Runde auf Matratze gehen auch). Lee Meriwether, die immerhin mal kurz "Batwoman" war, rennt auch noch an Bord herum und zwei nette junge Mädchen, eins proaktiv sexy und eins nerdig, werfen beständig rollige Blicke auf den Original-Starbuck von der „Galactica“, Dirk Benedict, der hier wohl Co-Captain, erster Offizier, Kabinensteward und Mechaniker sein soll. In einer besonders undankbaren Nebenrolle finden wir dann noch den guten, alten Roger E. Mosley, der sonst immer Tom Selleck in „Magnum“ mit dem Helikopter fliegt. Hier kämpft er mit einem Akzent, der seit der Abschaffung gängiger Klischee-Urwaldfilme für Schwarze eigentlich verboten sein müsste.

Und was passiert sonst so?

Naja, was man so erwarten kann: Nebel, Wind, Sturm, Flaute. An Bord kraucht eine schwarze Katze rum und faucht, hier und dort leuchtet es merkwürdig im Dunkeln. Als der Filmgott Zufall dann Schiff und Besatzung mit der Brechstange an die Ausgrabungs- bzw. Tauchstelle gebracht hat, finden die wackeren Taucher am gut beleuchteten Meeresgrund im Studiobecken nicht nur einige Ruinen, sondern offenbar auch 2000jährige Skelette. Und einen Kindersarg im besten Tut-Ench-Amun-Gedächtnisstyle, der sofort Begehrlichkeiten weckt, weil eben aus Gold und so.

Ach ja, hab ich vergessen: der Sarkophag atmet so vor sich hin. Klingt komisch, ist auch so, keine Ahnung, was das soll. Vielleicht bedrohlich sein.

Was drin ist, erfahren wir bis Filmende nicht, aber alle sind sich einig, das kann nur der Sohn des Leibhaftigen sein. Was der in Mexico oder Ägypten machte, keine Ahnung, wohl Urlaub.

Fortan gibt es heftige Ausbrüche des Chargierens (speziell Forsythe), viel Hysterie, einige Todesfälle (komplett gore-frei, schließlich TV!) und einen gar finsteren Helfershelfer, der dann noch ein paar empfängliche Wichte in seinen Besessenheitsbann schlägt, damit Satan auf Erden herrscht oder so.

Aber notfalls gabs immer noch den finalen Salon- oder Höhlen- oder Hochhausbrand und so ging dann auch dieses Schiff dahin, aber ich bin fies und erzähle weder wer es denn gewesen ist mit der Teufelsdienerei, noch wer es alles überlebt hat (ich glaub, ich hab es sowieso schon wieder vergessen).

Aber sonst eine knuffige, leider nicht allzu spannende Parade von Alt-und Neustars, die etwas mehr Spannung als Closed-Room-Horror-Mystery verdient gehabt hätte. Und vor allem einen Plot, der nicht in den Scharnieren knirscht. Immerhin: die beste Low-Budget-Love-Boat-Gruselfolge, die man sich für wenig Geld schießen kann, leider liegt die gute alte TV-Kopie nur in Griesel- bzw. Gruselqualität vor. Aber wer gern Stars sieht, die sich auf einer Wochencruise lächerlich machen, hat hier einen schönen Abend. MAZ ab! (4/10)










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