Wenn's am schönsten ist sollte man aufhören. In diesem Sinne werde ich in Zukunft versuchen, einen großen Bogen um die Rest Filmographie Olaf Ittenbachs zu machen. So verführerisch mancher Trailer auch sein mag: so gut wie in diesem Fall hier kann es einfach nicht mehr werden! Zumindest ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen. "Premutos - Der gefallene Engel" flatterte mir anno 2007 bei einem Filmgespräch mit einem lokalen Crustpunk über den Weg (falls du das lesen solltest, Kegel: der Text hier ist dir gewidmet, Keule!), der mir den Film schmackhaft machte.
Jahre später fand ich den bayrischen "Braindead" dann auf dem jährlichen Flohmarkt unseres Heimatkaffes in der DVD-Restekiste irgendeines Mallemannis mit schlagerplärrendem Radio. Für 4 Euro 50 könnte ich nicht schlecht Nein sagen. Also: Würde rubterschlicken, Film retten, bezahlen, adios, älter Schmierlapoen. Und schnell nach Hause damit, bevor irgendein zelotischer Dorfcop noch den Jugendschützer markieren muss. Wert war es das im übrigen allemal, denn "Premutos" war für mich der filmische Beweis, dass man sich im Nachfassbinderdeutschland nicht grundsätzlich für das nationale Kino schämen muss. Wobei ich Bayern auch nicht wirklich zu Deutschland zähle.
Ex-Berufssoldat und Vorsitzender der Fredl Fesl-Doublegewerkschaft Walter wollte eigentlich nur mit seiner Familie und einigen Freunden nebst (Ex-) Anhang seinen Geburtstag feiern. Dumm nur, dass sein vom Pech verfolgter Sohn ihm mit einem magischen Buch in die Parade dusselt. Der Junior ist nämlich der bereits x-Fach reinkarnierte Sohn des gefallenen Engels Premutos und soll auch anno 1997 im bajuwarischen Gebirgsghetto wieder mal auf brutale Art als Seelenvehikel für die olle Dämonenputte herhalten.
Gott sei Dank ist Vatter militanter Waffensammler jenseits der Legalität und dessen Buddies Christian und Hugo ordentlich stracke und angefressen von eigenen Leben. Als dreiköpfige Weißwurstbrigade schnetzeln sie die vom Dämon herbeigerufenen Hilfszombies zurück in die Gulaschkanonen der Hölle. Wird wohl auch diesmal nichts mit Weltherrschaft.
Heilige Dinkeldörte, was für ein Film! Für schlappe 20.000 DM rekrutierte Ittenbach anno 1997 mal eben seine halbe Nachbarschaft und schuf ein Horrorspektakel, gegen dass die lokale Dorfkirmes aussieht wie ein Grundschultheater: ein Haufen Weißbier- Berserker beim Zombieklatschen ist eine irre sympathische Idee und passt wie die Faust aufs Auge zum millitanten Grandtler Walter, der sich seine Party unter keinen Umständen nehmen lassen will. Zudem kann Kumpel Hugo die Situation zur Blitzscheidung von dem ihm angetrauten Ätzweib und zur romantischen Neuorientierung und Re-Maskulinisierung nutzen. Das Kellerscharmützel als Therapiechance: auf sowas kann auch nur Ittenbach kommen.
Wenn mir hier etwas milde auf den Sack geht, dann ist es der zwischendrin aufkeimende Fäkalhumor, der uns Popelgeschosse, onanierende Priester und andere Infantilitäten auf Tom Gerhardt-Niveau prasentiert. Entschädigt wurde ich dafür mit einer Reihe mehr oder minder clever platzierte Anspielungen. Besonders dreist: Ittenbach legt Hugo fast wortgenau einen Teil von Sylvester Satllones Trauma Monolog aus "Rambo" in den Mund. Könnte man 97 noch ungestraft machen, wird heute meist mit genervtem Stöhnen quittiert.
Irgendwo dazwischen ist die "Leidensgeschichte" von Sohn Matthias alias Ittenbach höchstselbst anzusiedeln: egal, in welcher Zeitepoche, der stets wiedergeborene Bursche kriegt in jedem Leben ein unschönes Ende spendiert und darf besonders in der innerfilmischen Gegenwart vor allem leiden. Ich fragte mich hier, ob Ittenbach, der sich die Rolle selbst auf dem Leib schrieb, sich unterbewusst selbst hasst. Gelacht habe ich trotzdem herzlich, zumal der Dullie in der Synchron ein herrlich kreischiges Gastorgan kredenzt bekommen hat. Apropos Synchro: du weißt, dass dein Film rockt, wenn Klaus fucking Kindler die Einleitung spricht. Im Director's Cut übrigens sehr würdevoll von Harald Dietz vertreten.
Der fröhliche Sadismus des gefallenen Engels hat mich nach mehr als zehn Jahren wieder mal unangespitzt in den Boden gerammt. Ich habe es wohlgemerkt nicht bereut. Wenn ich es mir recht überlege ich es schade, dass ich wohl nie wissen werde, was der ittenbach'sche Filmbestand noch unterhaltsames beherbergt, aber bevor ich mir diesen seinen Drittling rückwirkend versaue mache ich lieber erst mal einen großen Bogen um dessen Filmographie. Oder ich versuche es. Die Versuchung ist ja doch zugegeben recht stark.