Brad Pitt mal ganz anders! Kannten wir den gute Brad zwar schon vorher als durchgeknallten Psycho in "Twelve Monkeys" oder gar als brutal/charismatischen Soziopathen in "Fight Club" kommt er hier in "Kalifornia" als dümmlicher Hillbilly daher. Jener hats aber faustdick hinter den Ohren. Er ist nämlich ein brutaler Serienkiller.
"Kalifornia" besticht neben den sehr guten Darstellern durch eine fantastische Bildsprache und ebenso grandios gefilmten Gewaltexzessen. Brad Pitt als Early ist eine gewalltige Besetzung. Ein krasser Gegenteil zu seinen Poser-Rollen ist "Mr. & Mrs. Smith" oder der "Ocean's-Trillogie". Hier darf er ein dreckiger Mistkerl sein, und das spielt er auch mit offensichtlicher Freude.
Der Cast, Pitt mal ausgenommen, ist durchweg gut. Akte-X-Star David Duchovny spielt seine Rolle als schüchterner Schriftsteller durchaus gefällig. Verwundbar und zurückhaltend, ein ordentlicher Gegenpart zum klasse aufspielenden Pitt. In der Rolle der Adele kann Juliette Lewis ihre Paraderolle als dämliches Betthäschen ausspielen. Perfekt besetzt und durchweg authentisch gespielt. Michelle Forbes kommt zwar als unnahbare Fotografin nie an ihre Nebenakteuere heran, ist aber als Nebencast nicht wegzudenken.
Die Geschichte ist interessant und durchaus spannend inszeniert. Keinerlei Längen und unötige Passagen verwässern den Film. Trotz seiner Laufzeit von 114 Minuten birgt "Kalifornia" immer wieder Überraschungen und fesselt den Zuschauer vor die Leinwand. Sicher hat es nicht minder mit der darstellerischen Leistung Pitt's zu tun. Mit ihm steht und fällt der Film. Seine Art und Weise den debilen, menschenverachtenden Massenmörder darzustellen ist kaum zu toppen. Sicher gibt es bessere, aber in dieser, ich nenne es mal "Hillbilly-Form" wagte sich bisher niemand daran. Der Mut zur Hässlichkeit musste belohnt werden.
Die Landschaftsaufnahmen sind klasse fotografiert und voller unterschwelligen Grauens. Jenes kommt auf leisen Pfoten daher, obwohl man ziemlich schnell weiß, wie Early tickt. Man wartet einfach nur auf den nächsten brutalen Wutausbruch Early's. Die Härte des Ganzen ist in einem angemessenen Rahmen gehalten. Keine übermäßigen Blutexzessen, sondern gut dosiert sodass aus "Kalifornia" kein vorzeitlicher Torture-Porn wird. Der realistische Horror spielt sich eher im Kopf des Zuschauers ab. Zwar gibt es auch für den Blutgeilen einige "Höhepunkte", doch sollte der "Gore-Liebhaber" eher zu anderem Lager greifen.
FAZIT:
Ein dreckiger, brutaler und vorallem Klasse gespielter Road-Movie-Thriller der unter die Haut geht. Nicht nur für Pitt Fans ein Muss, auch Freunde des gepflegten Psycho-Thrills kommen hier voll auf ihre kosten...
9/10