Review

Das Regiedebüt von Dominic Sena (Nur noch 60 Sekunden, Whiteout) darf man erfreulicherweise nicht zur gängigen Sorte der Serienkillerfilme zählen. Tim Metcalfe (Iron Maze, Das Haus der Dämonen) und Stephen Levy verlagern den Psychoterror geschickt in den Kopf des Zuschauers und vergeuden auch keine Zeit mit diversen Nebensträngen. Hinzu kommt Senas beinahe altmodische Inszenierung, die besonders bei den abwechslungsreichen Kulissen zur Geltung kommt.

Der angehende Journalist Brian Kessler (David Duchovny) und die Fotografin Carrie Laughlin (Michelle Forbes) wollen ein Buch über Serienkiller schreiben. Dafür planen sie eine Tour nach Kalifornien, um unterwegs diverse Orte von Gewaltverbrechen zu besuchen. Da ihr Budget begrenzt ist erklären sie sich bereit Early Grayce (Brad Pitt) und dessen Freundin Adele Corners (Juliette Lewis) mitzunehmen, damit diese sich an den Kosten beteiligen. Doch Brian und Michelle haben keine Ahnung wen sie sich da ins Auto geholt haben. Denn Early ist ein waschechter Mörder, dessen psychopatische Ader auch langsam zur Geltung kommt. Er hinterlässt eine Blutspur durchs Land und es dauert nicht lange bis er sich auch an Brian und Carrie vergreift.

Normalerweise muss der Serienkiller erst ermittelt werden und ist dabei seinen Häschern immer einen Schritt voraus. "Kalifornia" serviert uns den Killer gleich zu Beginn auf dem Silbertablett, wo er einen Stein von der Brücke schmeißt und zwei Menschen den Tod finden. Man macht aber jetzt nicht den Fehler und versucht Earlys Motive in einer missratenen Kindheit zu suchen, sondern man lässt es lieber ganz bleiben. Early ist zwar auf seinen Vater nicht gut zu sprechen, aber man sieht ihm auch an, dass ihm das Morden richtig Freude bereitet. Es ist für ihn schon fast zur Sucht geworden, er kann nicht mehr damit aufhören. Mit der zurückgeliebenen Adele haust er in einem alten Wohnwagen, eigentlich ist er auf Bewährung draußen und dürfte den Staat nicht verlassen. Sena lässt sich Zeit um seine vier Hauptfiguren zu durchleuchten, leider kommt Carrie dabei am schlechtesten weg. Sie präsentiert sich in einigen Sequenzen zu unsympathisch und man erfährt nicht sonderlich viel über ihr bisheriges Leben. Mit Adele hingegen hat der Zuschauer von Anfang an Mitleid, besonders als sie von einem traurigen Ereignis in ihrer Vergangenheit erzählt. Early macht sich das Ganze zu Nutze und lügt seine Freundin an und hat sie voll in der Hand. Dagegen scheint Brian nichts aus der Fassung zu bringen, er findet sogar ein wenig Gefallen an Earlys Lebensart, was die Szene mit den Schießübungen deutlich beweist.

Man muss sich hier gedulden, bis Early sein wahres Gesicht zeigt, obwohl er zwischendurch einen Geschäftsmann auf der Toilette bestialisch ermordet, weil er Geld braucht. Dies ist die einzige Szene wo Sena Gewalt publiziert, der Großteil von Earlys Gewalttaten spielt sich im Off ab und wird somit der Vorstellungskraft des Zuschauers überlassen. "Kalifornia" funktioniert nicht nur als Roadmovie, sondern auch auf psychischer Ebene. Gerade Earlys kompromisslose Art fasziniert Brian und jagt dem Zuschauer Angst ein. Auch konzentriert man sich ausschließlich auf die vier Charaktere und blendet nicht ständig zu anderen Stationen. So spielen sich alle Tätigkeiten der Polizei im Hintergrund ab. Doch erst in der letzten halben Stunde entfaltet sich der Psychoterror richtig. Dies beginnt mit der gnadenlosen Hinrichtung von zwei Polizisten und ganz besonders was sich im Haus der alten Frau abspielt, erfordert schon ein starkes Gemüt. Da verzeiht man auch das Klischeefinale, wenn Early sich Michelle schnappt und mit ihr türmt und es schließlich an Brian liegt sie zu retten. Ein absolutes Highlight ist Brad Pitt (Sieben, Der Seltsame Fall des Benjamin Button), der als ungepflegter Killer eine Glanzvorstellung gibt. Da kann nicht mal Juliette Lewis (From Dusk till Dawn, The 4th Floor) als geistig zurückgebliebene Adele mithalten. David Duchovny (Akte X, Evolution) und Michelle Forbes (Roadflower, Flucht aus L.A.) wirken dagegen sogar reichlich blass.

Brad Pitt hat den Film in seiner Hand und liefert eine derart dämonische Vorstellung, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Aber "Kalifornia" braucht durchaus seine Zeit, sich richtig zu entfalten. Dabei entstehen nicht unbedingt Durchhänger, aber man hätte einige Szenen kürzen können, um schneller ans Ziel zu gelangen. Aber der Film verfehlt seine Wirkung nicht und größtenteils lässt Sena die Gewalt im Off geschehen. So funktioniert der Psychoterror fast noch besser, in der letzten halben Stunde wird es sogar richtig heftig, wobei das Happy End leider vorprogrammiert scheint.

Details
Ähnliche Filme