Die Innovationskraft Hollywoods ist manchmal derart begeisternd klein, das man fast in Jubel ausbrechen müsste, mit wie wenig Ideen man so viel Geld ausgeben kann.
Und dann bin gleichzeitig hingerissen über die Dreistigkeit, den abgekupferten Scheiß auch noch als aufgefrischte und supermodernisierte Version auszugeben, als hätte man mentale Herkulesarbeit geleistet.
Das Remake von „Das Omen“ ist so ein herzerfrischender Scheißfilm, bei dem landauf landab die Macher der Presse die Ohrläppchen ablaberten, das es sich eben NICHT um ein deckungsgleiches Remake des Horror-Klassikers aus den 70ern handeln würde.
Donnerknispel, kann ich da nur sagen, denn was bei Durchsicht sich auf meinen Bildschirm ergoß, war doch tatsächlich eine fast bildgetreue Neuinszenierung des vielleicht knuddeligsten Films, den Gregory Peck je gedreht hat.
Oh natürlich sind da gewisse Unterschiede: zum Vorspann gibt es einen Vatikan-Astronomen, der die Zusammenhänge klar stellt, dolle Sache. Dann gibt einen Todesfall mehr, denn Liev Schreiber, dem Peck-Ersatz, ist ja nur der Ersatz-Botschafter in London und sein Vorgesetzer muß erst mal gegrillt werden.
Dann hat Julia Stiles als Ehefräulein dreimal ganz doll überflüssige Visionen, ja holla!
Und, echt knorke, die liebe Gattin purzelt nicht aus dem Krankenhausfenster, sondern kriegt eine gar unspektakuläre Luftinfusion.
Ja, und dann wäre bei aller Plagiatsandrohung die einzige und legendäre Szene, die man sich nicht traute nachzumachen: die Glasplatte!
Detektiv Jennings verliert zwar auch hier sein helles Köpfchen (und es ist fast noch spektakulärer), aber dafür musste wenigstens ein anderes Instrument herhalten.
Ansonsten sehen wir exakt deckungsgleich den gleichen Film noch mal.
Herkunft des Kindes, gehängtes Kindermädchen, Priester, Priester auf Eisenstange, Fotograf mit Omen-Fotos, Mrs.Baylock, der Hund, Mutti wird schwanger und kippt über die Brüstung, Italien, Spiletto, Mutti tritt ab, Bugenhagen, die Dolche, der Kopf, das Gekloppe im Haus und der Exitus in der Kirche samt anschließenden Händchenhalten mit George Dabbeljuh oder wer auch immer da dann gerade den Irak angreift.
Wenn es überhaupt eine Existenzberechtigung für dieses funktionslose Etwas gibt, dann, dass man modernen Jugendlichen die Ansicht eines 30 Jahre alten Films offenbar nicht mehr zumuten kann.
Immerhin will ich dem ohnehin kaum innovativ zu nennenden Regisseur John Moor bescheinigen, das er den Film relativ solide zusammenhält, er hat Tempo und keine überflüssigen Füller.
Das Casting von Mia Farrow ist sogar ein kleiner Glücksfall, denn Billie Whitelaw war im Original schon fast zu unsympathisch, während Farrow die Dämonie hinter einer lächelnden Maske verbirgt.
Der Rest vom Fest ist aber schnell zu vergessen.
David Thewlis als Jennings hat wenig zu tun, genauso wie Postlethwaite als Priester.
Michael Gambon schaut wirklich nur superkurz vorbei und Julia Stiles ist ja so was von brötchenhaft bemüht, in einem Horrorfilm mitzuspielen, das es fast schon peinlich ist.
Den Vogel schießt aber Liev Schreiber ab, der es doch tatsächlich schafft, Gregory Pecks Rekord an mangelnden Gesichtsausdrücken noch zu unterbieten. Peck hat ja immerhin mit der Augenbraue Stimmungswechsel ausgedrückt, Schreiber ist so steif und hölzern, das selbst Pinocchio schamlippenviolett werden würde.
Natürlich „kann“ man sich „Das Omen 2006“ ansehen, wenn man möchte und man bekommt auch keinen entsetzlich schlechten Film zu sehen – im sich aufdrängenden Vergleich mit dem angsteinflößenden Original mit seinen gregorianischen Satanschören zeigt sich jedoch eines ganz klar: er ist nutzlos, er ist sinnlos, er bringt nichts Neues, sondern ist reine Geldschneiderei, um mit derselben Story einen schnellen Dollar zu machen.
Und das hat man dann ja wohl auch geschafft.
Bleibt zu hoffen, das niemand ein Remake der Fortsetzung plant, aber dazu ist der Film eigentlich schon sterilisiert auf die Welt gekommen, um noch Nachkommen zu zeugen. (4/10)