Bubba Reeves bricht aus dem Gefängnis aus. Es ist Samstag und diese Nachricht allein genügt, um seine kleine Heimatstadt in Texas in Aufruhr zu versetzen. Als bekannt wird, dass auf Bubbas Flucht ein Mann ermordet wurde, steigern sich die Bewohner des Ortes immer auf, sie trinken und feiern. Dann erfahren sie, wo sich Bubba aufhalten soll und eine gewaltiger Partyzug ist auf Mord aus. Ein gewaltiges Problem für Sheriff Calder.
Wie bewertet man einen Film der ein großartiges letztes und zwei extrem zähe erste Drittel hat, dabei aber erstklassig besetzt und gespielt ist und zudem über eine grundsätzlich interessante Geschichte verfügt?
In den ersten beiden Dritteln geht die Nachricht von Bubbas Flucht um und die Menschen feiern, es ist ja Samstag Abend. Sie stacheln sich auf haben Pistolen einstecken, natürlich, wir sind ja in Texas. Sie rotten sich zusammen, immer betrunkener fallen die ersten Hemmungen und Rassismus bricht sich Bahn. Zwischendurch gibt es aber auch noch Feierszenen, Eskapaden betrunkener, Figuren mit viel Aufmerksamkeit, aber ohne näheren Zweck und es gibt zig Beziehungsprobleme.
Hier sind nahezu alle irgendwie auf die eine oder andere Art kaputt. EineIdentifikationsfigur wird nicht angeboten, weil die meisten Ärsche sind oder zu feige, der Sheriff ist zu undurchsichtig in seinen Motiven und über Bubba, der in dieser Phase recht wenig Screentime hat, erfahren wir nicht mehr, als dass er kein Gewalttäter ist. So gut das großartige Ensemble auch spielt, ihre Figuren packen nicht. Und so ziehen sich diese ersten 90 Minuten wie Kaugummi.
Die letzte Dreiviertelstunde hat es dann aber in sich. Einige wenige Personen besinnen sich, die Motive des Sheriffs werden deutlicher und Bubba rückt endlich etwas mehr in den Fokus. Und die Bewohner der Stadt eskalieren. Sie eskalieren dermaßen, dass man zunächst den Kopf schüttelt, während innerlich langsam die Wut hochkocht. Keiner dieser Menschen ist noch zu einem klaren Gedanken fähig, sie wollen nur Bubba zur Strecke bringen, wie ist ihnen egal, der Zweck heiligt die Mittel. Und immer mehr wird klar, dass nahezu niemand in dieser Stadt die Nacht überstehen wird, ohne Schuld auf sich zu laden. Rassismus, Hetze, unterlassene Hilfeleistung, Mord und Totschlag und noch einiges mehr wird hier aufgefahren, aber schuld ist ja nur Bubba. Die Stadt ist bis ins Mark verkommen und rücksichtslos.
Und das macht dieses letzte Drittel so intensiv, hier brodelt die Südstaaten-Atmosphäre und allenthalben passiert etwas neues, bei man sich als halbwegs intelligenter Mensch fragt, wie diese Gewaltbereitschaft und Ignoranz gegenüber dem Hab und Gut, der Gesundheit und dem Leben anderer in dem sozialen Gefüge einer Kleinstadt entstehen kann.
Und dann bin ich froh, dass ich nicht in einem Land lebe, in dem das Tragen von Waffen als Freiheit und Grundrecht, Grundbedürfnis angesehen wird.
Aber hilft mir das bei der Beantwortung meiner Frage, wie ich einen solchen Film, der von zäher Langatmigkeit zu Zorn führt? Irgendwie nicht. Die ersten beiden Drittel so zu lang, zu langsam und mit kleinen Belanglosigkeiten vollgestopft, dass man die relevanten Momente kaum noch ausmachen kann. Man hat geistig quasi abgeschaltet, wenn der Film aufdreht. 2 Sterne für die ersten 90 Minuten, 4,5 Sterne für die letzten 45 Minuten. Wenn ich das einfach pro Drittel werte, lande ich bei insgesamt 8,5 Sternen und damit bei 3 Sternen als Gesamtwertung. Mathe hilft doch immer.
Südstaaten-Drama um Hass und Gewalt, das über einen großartigen, bis in die Nebenrollen starbesetzten Cast verfügt, aber 90 Minuten extrem lahmt, bevor alles in den letzten 45 Minuten eskaliert. Und dieses Final lohnt, um sich zuvor durchzubeißen. Ein zweites Mal schaffe ich das aber sicher nicht.