Review

- Enthält unvermeidliche Spoiler! -

Ein paar Leuten hat William Friedkins „Exorzist“ ja richtig Angst eingejagt und auch ich muss gestehen, zumindest während meiner frühen Jugend, ein paar unruhige Nächte davon getragen zu haben.
Mit dem Klassiker von 1973 wurde eigentlich bereits alles zum Thema auf die Leinwand gebannt und dennoch gab es einige Fortsetzungen und vor allem untaugliche Rip-Offs.

Der Exorzismus der Emily Rose im Jahre 2005 war ja noch okay, da er eine Gerichtsverhandlung als zweiten Handlungsstrang einbaute und somit nicht gänzlich ideenlos daherkam. Doch Gail Bowers? Kein authentischer Fall, nur eine kurze Besessenheit und ein Exorzismus, fertig.

Wo bleibt da heutzutage die Kreativität, der Mut zu neuen Ideen?
Lasst die Besessene doch mal wirklich poppen und nicht nur damit drohen! Lasst sie doch mal durch eine Großstadt wandern und Passanten mit grüner Dämonenkotze anspeien!
Nein, Regisseur und Autor Slawner lehnt sich richtig schön eng ans Original und meint, damit einen genrewürdigen Beitrag abzuliefern. Hätte er doch besser eine Parodie daraus gemacht!

Obgleich, die erste Hälfte finde ich noch gar nicht mal so schlecht.
Nach dem Tod ihrer Eltern ziehen Gail und ihre ältere Schwester Anne mit Ehemann Clark in ein neues Haus. Schnell lernt Gail eine Tussi aus der Nachbarschaft kennen, in Sektlaune probieren sie ein Witchboard aus und kurz darauf beginnt Gail schlafzuwandeln.

Derweil fährt ein Dämon in sie (hat die FX ganz gut mit Bewegungen unter der Haut hinbekommen) und ab da ist die Kleine ein wenig launisch, spielt Schwester und Schwager mit Details aus ihrem Sexleben gegeneinander aus und verunsichert den herbeigerufenen Psychologen Richard.
Dieser empfiehlt, jedoch aus psychologischer und nicht aus religiöser Überzeugung, einen Priester zu engagieren, damit Gail die notwendige Aufmerksamkeit erlangt, um aus ihren Depressionen zu kommen.
Doch dann hängt Gail unter der Decke…

Bis hierher ist das ganz unterhaltsam aufgebaut, wenn auch nie wirklich fesselnd.
Man weiß zwar nicht so genau, warum die Nachbartussi plötzlich Blut kotzt und ihre Augen verliert, aber es schaut einigermaßen passabel aus.
Und in der Szene, in der Gail Schwager Clark relativ explizit zum Sex einlädt, spürt der Zuschauer immerhin eine aufkommende Unberechenbarkeit, die von dem Dämon in Gail ausgeht, dessen tiefer gepitchte Grummelstimme im Verlauf immer mehr durchkommt.

Doch dann kommt das scheinbar unvermeidbare: Gail schwebt in der Luft (genau wie im Original), ein paar Katholiken beraten sich kurz und Priester Thomas rückt mit zwei Assistenten an. Wir notieren etwa Minute 60 und von nun an geht´s bergab.

Von Priester Thomas erfahren wir nur, durch ein paar dialoglose Bilder ganz zu Beginn, dass er vor kurzem an einem Exorzismus scheiterte und dabei sein Augenlicht verlor.
Jetzt ist er mit Sonnenbrille und einigen Narben wieder da – und wirkt wie alles, nur nicht wie ein Geistlicher.
Nicht nur, dass der Typ viel zu jung ist, nein, er sieht durch das coole Outfit auch noch aus, wie eine Mischung aus Terminator und zweitklassigen Footballtrainer.
Schlimm nur, dass wir diesen unglaubwürdigen Burschen bis zum Ende ertragen müssen.

Der Typ betet ohne Unterlass ein paar Bibelpassagen herab, die üblichen Exorzismusfloskeln und nennt das irgendwas mit Abraham.
Immerhin wird der eine Assistent noch dazu bewegt, den anderen abzustechen, während Gail, bzw. der Dämon wenig Gegenwehr ergreift, ein wenig auf Aramäisch (ist das nie und nimmer!) brabbelt und zeitweilig ein wenig brüllt.
Dann ist der Dämon vertrieben und Gail liegt ihrer Schwester in den Armen – Abspann.
Nicht einmal ein „Huar! Ich bin immer noch in ihrem Körper!“
Ein glatter, vollkommen uninspirierter Ablauf mit kurzem Happy End.

Nach der halbwegs ansprechenden ersten Hälfte, wurde der Exorzismus zwar erwartet, aber damit verbunden, auch etwas Intensives, ein fieses Spektakel, eine deutliche Steigerung.
Nichts dergleichen.
Durch die monotonen Austreibungsformeln wird der Zuschauer in Halbschlaf versetzt und die Einfallslosigkeit des Drehbuchs lässt sich an dieser Stelle wohl kaum unterbieten.

Darstellerisch ist das auch so durchwachsen und insgesamt nicht besser als auf Daily-Soap-Niveau. Erica Roby müht sich zwar als besessene Gail, besitzt aber zu wenig Ausstrahlung, um für den Zuschauer überhaupt interessant zu wirken.

Und was für den Zuschauer von Interesse ist, hat Regisseur Slawner ohnehin tunlichst vermieden, denn die Besessenheit erfährt kaum Steigerung, nie wirkt Gail richtig bedrohlich und eine unheimliche Atmosphäre ist auch kaum zu verzeichnen.

Während die erste Hälfte noch einigermaßen anspricht, ist spätestens mit dem Auftritt des Priesters die Luft raus – und das bis zum Abspann.
Zusammenfassend nennt man so etwas wohl ein ideenloses Plagiat.
3 von 10

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