Review

Nun dient der Mythos des schottischen Kannibalenführers Sawney Bean erneut als vager Aufhänger für einen Horrorstreifen. Nach Wes Cravens „Hills Have Eyes“ und Christian Viels „Legend of Samhain“ gerät mal wieder eine Gruppe von jungen Leuten in die Fänge degenerierter Hinterwäldler, die sich als Kannibalen entpuppen.
Regisseur Leigh Slawner, der bereits die Teufelsaustreibung einer gewissen Gail Bowers filmtechnisch in den Sand setzte, haut auch hier nur hanebüchenen Schwachsinn heraus, der die meiste Zeit über arg befremdlich anmutet.

Im Verlauf schwacher Drehbücher hat man sich ja schon ein wenig an fehlende Charakterzeichnungen gewöhnt, doch hier setzt man noch einen drauf und verleit den Figuren noch nicht einmal Namen. Nur Linda, die rothaarige Heldin, wird einmal von ihrem namenlosen Freund persönlich angesprochen. Die beiden sind auch die einzigen Überlebenden nach dem Überfall der Wilden in irgendeiner Wüste, die sich von da an mit Flucht und Gefangennahme im stetigen Wechsel auseinander setzen müssen.

Nur leider muss man sich als Zuschauer auch lange Zeit mit den Ungekämmten auseinander setzen, was einer Theateraufführung Unterbelichteter auf einer abbruchreifen Waldbühne gleichkommt.
Die sind nämlich auf dem geistigen Stand von Höhlenmenschen und gebärden sich entsprechend grobschlächtiger als Neandertaler.

Während die Kerle nur brüllen, können die Frauen nur kreischen oder stöhnen. Das amüsiert in den ersten Minuten noch auf unfreiwilliger Basis, nervt jedoch zunehmend, weil das hirnlose Alltagstreiben der Kannibalen unreflektiert im Raum stehen bleibt.
Man weiß nicht, woher die kommen, warum die sich von Menschenfleisch ernähren und wer ihr Oberhaupt Sawney Bean (gespielt vom Regisseur selbst) sein soll. Der Legende nach müsste der ja seit dem 15. Jahrhundert überlebt haben, vielleicht erklärt das zumindest das grottige Mumien-Make Up und die starre Körperhaltung.
Von den übrigen Brüllaffen kann man sich nur ein vages Bild machen, da gibt es noch einen Mächtigen, der besonderen Spaß am Foltern hat, eine Nymphomanin, die sich an das angekettete Opfer heran wirft und einen scheinbaren Gutmütigen, der Linda zunächst die Flucht ermöglicht. Untereinander sind sich die Kranken aber auch nicht ganz grün.

Die übrige Einfalt: Linda trifft kurz nach ihrer ersten Flucht den (dicken) Sheriff, von dem man sich gleich denken kann, dass er mit den Wilden kooperiert und flieht erneut. Geht zurück zum Lageplatz der Menschenfresser, um Freund zu befreien und läuft wieder in die felsige Wüsten – und Höhlenlandschaft. Irgendeine Weglaufaktion muss jedoch ziemlich zeitaufwendig gewesen sein, denn plötzlich steht Linda im Wald. Hier trifft sie auf einen Typen in Camo-Outfit („Die Bestien haben meine Familie getötet“). Was folgt? Wieder latscht man zum Lager der Terror-Doofies.
Was bleibt, ist eine unübersichtliche Klopperei, ein ziemlich bescheuertes Ende, aber zumindest ein paar mittelmäßig gestaltete Gewalteinlagen.

Die sind jedoch insofern schwer auszumachen, weil die Beleuchtung schlicht scheiße ist und man es zudem mit dem Einsatz von Rotfiltern übertreibt.
Immerhin geht es wenig zimperlich zur Sache, da werden Finger abgeschnitten, ein Messer landet im Hals, eine Machete im Schädel, ein Kopf wird vom Körper abgeschnippelt und ein Körper unterhalb des Bauchnabels zweigeteilt (erstaunlicherweise blinzelt die Tote noch ein wenig).
Für Gorejünger könnte das Treiben also prinzipiell ein Anreiz sein.

Nur für alle anderen eher nicht. Der einfallslosen Handlung wurde überhaupt kein Drive verliehen, alles wiederholt sich oder ergibt erst gar keinen Sinn.
Folgerichtig agieren die Darsteller unter aller Sau, was die deutsche Unbetont-Synchro entsprechend bestätigt, indem einige Sätze erst gar nicht ausgesprochen werden, obgleich die Akteure ihre Lippen bewegen.

Schlimm ist zeitweilig auch die Sounduntermalung und damit einhergehend die Verständlichkeit der wenigen Dialoge. Zu Beginn können die Wind-Hüllkurven-Loops ja noch eine gewisse Atmosphäre erzeugen, doch wenn die nach zwanzig Minuten ohne Pause einen einzigen Klangteppich bilden, dröhnen einem die Ohren. Später tritt das ein wenig in den Hintergrund und zurückhaltende Dschungel Beats mit Voice-Flächen dominieren den Ton, was das Erzähltempo jedoch keineswegs antreibt.

Als einfach denkender Konsument gelange ich letztlich zu dem Fazit:
Da sind Wilde und da ist hauptsächlich eine rothaarige Frau, die mal vor ihnen flieht und mal ihren Freund befreien will. Wir sehen die Wilden häufig, aber ihre Aktionen erhalten keinen Hintergrund, wir sehen die Rothaarige häufig, doch ihre Aktionen ergeben oftmals keinen Sinn.
Ergo: Uninspiriert, einfältig und nur aufgrund einiger Gewalteffekte erwähnenswert.
Ansonsten mit Sicherheit schwächer als jedes Remake, Prequel und Sequel zu „Hügel der blutigen Augen“ je ausfallen könnte.
Knapp
3 von 10

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