Review

Sie haben sich endlich gekriegt: 12 Jahre nach ihrem Hochgeschwindigkeitszusammentreffen in Jan de Bonts „Speed“ sind Keanu Reeves und Sandra Bullock endlich wieder in einem Film versammelt.
Und da ist es fast schon triefende Ironie, dass es ein gefühlvoller, trauriger und leiser Film geworden ist, dessen Romantik durch die zeitliche Trennung ihrer Protagonisten dem Zuschauer sehr viel Anteilnahme abverlangt.

„Das Haus am See“ ist das US-Remake des koreanischen Films „Sewore“ aka „Il Mare“, der bei uns auch unter „A Love Story“ fungierte und übernimmt das Drehbuch bis auf wenige Amerikanisierungen mit seinen Plotwendungen komplett.
Darin geht es um einen Mann und eine Frau, die einen architektonischen Traum aus Säulen und Glas an einem abgelegenen See bewohnen und Kontakt über einen Briefkasten halten, da sie, wie sie bald feststellen, zu unterschiedlichen Zeiten leben.
Die Ärztin Kate ist dem Architekten Alex immer um zwei Jahre voraus, das Bindeglied ist lediglich der „magische“ Briefkasten (das Haus an sich hat mit den Vorgängen nur leicht metaphorisch etwas zu tun). Ansonsten sind die Figuren sich aber ähnlich, beide leiden an ihrer Einsamkeit, Kate stürzt sich in ihre Arbeit, während Alex mit einem Projekt unter seiner Berufswürde den leisen Aufstand gegen seinen Vater, einen Stararchitekten kompensiert.

Wenig Aktion, viele ruhige, ausschweifende Bilder, Regisseur Alejandro Agresti setzt auf Emotionen und betont die Traurigkeit der zwei Königskinder, die scheinbar zusammen nicht können, wenn man so will. Die Botschaft, dass die Liebe die Zeiten überdauert ist dabei selbstverständlich, viel interessanter ist die Annäherung der Figuren, die sich nie treffen, erschaffen über die Bilder, das Gemüt und ihre Briefe, die im Off erschallen. Dabei schützen kleine Humortupfer, die sich wie von selbst ergeben, vor dem Erstarren der statischen Handlung, die natürlich auf zwei Darsteller setzt, die meistens am schwächsten agieren, wenn sie auf Gefühle statt Aktion setzen.

Bullock ist hier das spröde Elend, eine gebrochene Frau, die ihre beste Zeit schon vergangen sieht, weil sie mehrere Gelegenheiten ausgeschlagen hat, während Alex die an ihn herangetragenen Avancen seiner Freundin gar nicht beachtet.
Erfreulich, dass sich die Geschichte schön organisch entwickelt, sorgfältig wird die Grundsituation vor dem Zuschauer ausgebreitet (immer schön merken: er ist zeitlich zwei Jahre vor ihr), dann erst blühen die Charaktere untereinander auf.
Erfrischend zu sehen, wie in die Bullock wieder Leben kriecht, während Reaves erfrischend linkisch gegen sein One-Note-Face anspielt. Er wirkt manchmal wie ein sympathischer Unglücksrabe, vermeidet aber seine übliche Monotonie. Das ist jetzt nicht herzerfrischend, aber auch nicht ärgerlich.

Im weiteren Verlauf wird die Geschichte dann folgerichtig ausgebreitet, die Figuren und ihr Leben vertieft und die Zusammenhänge des Schicksals (natürlich haben die beiden sich schon mehrfach vorher getroffen) geben der Story ein wenig Fleisch auf die Knochen, bis die Zeitebenen/Zeitparadoxon-Problematik mittels Schicksalsschlages natürlich jede Logik flöten lässt. Nach der darf man aber auch nicht fragen, das ist nun mal so bei verzauberten Briefkästen…

Nicht funktionabel ist, dass der gewöhnliche Zuschauer die erzählerischen Aspekte der doch reizvollen Grundkonstellation mehr schätzt, als die zwangsläufig anämische Love-Story. Man will wissen, wie es ausgeht und riecht den finalen Clou lange vorher, wenn man aufpasst. Außerdem muß man gegen Ende ordentlich aufpassen, damit man noch mitkommt, wer jetzt gerade wie die Zeitlinie verändert.
Die wahren Qualitäten liegen in den Bildern und der vermittelten Grundstimmung, so dass bei den vielen Storyelementen diese der Wirkung eher abträglich sind. Das führt dazu, dass man hier wirklich keine Taschentücher braucht, der Film aber gerade deswegen nicht vollständig zur Blüte kommt.

Was „Frequency“ für den Thriller war, ist „The Lake House“ für den Liebesfilm, sobald Zeitreise ins Spiel kommt. Viel los, wenig Logik, immer wach bleiben. Fürs Seufzen und Schniefen erzählerisch zu anspruchsvoll, im Ganzen aber erfreulich. (7/10)

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