Keanu Reeves spielt einen Architekten, der in ein Haus an einem See zieht. Im Briefkasten findet er einen Brief der vorherigen Mieterin, gespielt von Sandra Bullock, was er jedoch nicht weiß ist, dass diese zwei Jahre in der Zukunft lebt. Als sich die beiden dann beim Briefwechsel mit der Zeit ineinander verlieben reicht ihnen der Briefkasten als Kommunikationsmittel nicht mehr aus.
Die Grundidee um die beiden Hauptfiguren, deren Verlangen nacheinander kaum größer sein könnte, die jedoch nur durch einen Briefkasten kommunizieren können, da sie nicht in derselben Zeit leben ist zunächst einmal ein ziemlich guter Ausgangspunkt für eine Romanze, weil gerade das Romantik-Genre neue Ideen bitter nötig hat. Und "Das Haus am See" weicht durchaus teilweise von gängigen Mustern des Genres ab, womit es sich auch durchaus verzeihen lässt, dass die Hintergründe des "magischen Briefkastens" nicht gelöst werden und der Film weit jenseits aller Logik einzuordnen ist. Die Charakterkonstruktion ist dabei einigermaßen solide, wobei beide Hauptfiguren übertrieben sympathisch konstruiert werden, aber das kennt man von Filmen des Genres ja nicht anders. Die Liebesbeziehung zwischen den beiden ist durchaus gelungen dargestellt und die Sehnsucht, die der frustrierte Architekt und die Ärztin nacheinander haben müssen, wird sehr emotional und ergreifend dargestellt. Zum Ende hin versucht man dann leider, "Das Haus am See" in einen Mystery-Thriller münden zu lassen, was nicht ganz reibungslos funktioniert.
Regisseur Alejandro Agresti, der hier sein Hollywood-Debüt gibt, setzt diese Sehnsucht der beiden Figuren und ihre unerfüllt Liebe hervorragend um. So baut Agresti mit dem ruhigen, melancholischen Score, einem langsamen, getragenen Erzähltempo, sowie der malerischen Kulisse des idyllischen Sees eine emotionale, fesselnde und rührende Atmosphäre auf und versetzt den Zuschauer in dieselbe Melancholie, in der sich die beiden Hauptfiguren in ihren jeweiligen, überaus schwierigen Lebensabschnitten befinden. Stellenweise lässt er sich dabei vielleicht ein bisschen zu viel Zeit und baut ein paar kleinere Längen auf, darüber hinaus dauert es relativ lang, bis der Film mal angelaufen ist, ordentliche Unterhaltung bietet er damit aber auf jeden Fall. Zum Ende hin, wenn sich die beiden schließlich treffen wollen und Mystery-Elemente in den Film einfließen, gibt Agresti, der seine ruhige, melancholische Machart besser bis zum Ende souverän durchgezogen hätte, seinen bisherigen Stil auf, beschleunigt das Tempo und versucht noch Spannung aufzubauen, was kaum gelingt, und hinterlässt so im Nachhinein einen faden Beigeschmack, auch wenn die finale Wendung überrascht.
Als Charakterdarsteller ist Kenau Reeves bekanntlich nicht wirklich zu gebrauchen und auch hier ist seine Schauspielleistung nicht unbedingt die allerbeste, da er erst gar nicht versucht, seinem Charakter die nötige Tiefe zu geben. Mit seiner sympathischen Art, seinem Charisma und seinem Charme, den man unter Anderem in "Was das Herz begehrt" und "Sweet November" zuletzt zu sehen bekam, passt er jedoch sehr gut in seine tragische, melancholische Rolle, die er so durchaus zufrieden stellend meistert. Sandra Bullock, die man meist aus amüsanten Rollen kennt, gibt sich ebenfalls wenig Mühe, ihrem Charakter mehr Tiefe zu verleihen, spielt die Sehnsucht und die Melancholie ihrer Rolle jedoch mit Intensität und ist ebenfalls sehr sympathisch. Der ebenfalls gut spielende Christopher Plummer rundet den ansehnlichen Cast ab.
Fazit:
"Das Haus am See" fesselt vor allem im Mittelteil durch seine melancholisch, sehnsüchtige Atmosphäre mit einer Traumkulisse, einem langsamen Erzähltempo und zwei sympathischen Hauptdarstellern. Leider läuft der Film ziemlich langsam an und verliert seinen Reiz zum Ende hin, wenn völlig überflüssige Mystery-Elemente in die Romanze integriert werden. Dennoch eine empfehlenswerte Abwechslung zu herkömmlichen Liebesfilmen.
63%