Zeit für einen weiteren Klassiker, da ich tatsächlich noch ein paar Löcher in den 30er Jahren zu stopfen habe, aber „The Old Dark House“ macht es dem Interessenten auch einfach, da er praktisch überall zur Verfügung steht.
Nach dem gewaltigen Erfolg mit „Frankenstein“ war die Universal natürlich darauf aus, Erfolgsregisseur James Whale für einen Nachzieher aus dem Gruselgenre zu verpflichten und direkt in der Welle des Ruhms sprang Whale auch an.
Dabei ist das nicht mal ein klassischer Gruselstoff, sondern basiert auf einem Buch des Literaten und Satirikers J.B.Priestley („Benighted“), welches man hier – etwas frei – adaptiert hat.
So kommt dann auch ein humorvoller Unterton immer wieder wie Luftblasen an die Oberfläche, auch wenn der Ruf als Gruselkomödie dem Film keinen Gefallen tut. Eher ist der Film eine leichte „social satire“, die zufällig in einer sehr Umgebung spielt, die sehr „gothic“ ist.
Erst drei, später fünf Reisende stranden während eines gehörigen Unwetters in einem abgelegenen Anwesen irgendwo im Nirgendwo von Wales, wo die Sippe der Femms residiert. Ein junges Pärchen und ihr happy-go-lucky-Begleiter Penderel haben nach einem Erdrutsch (übrigens eine famos gefilmte Sequenz) keine andere Möglichkeit, als das abgelegene Haus anzusteuern, wo sie von einem vierschrötigen, narbenübersäten und brutal wirkenden stummen Diener (Boris Karloff) mehr oder minder begrüßt werden. Auch die Köpfe der Familie sind nicht eben vertrauenserweckend: Horace Femm ist ein eher scheues Reh, während seine Schwester Rebecca eine halbtaube rabiate Meckerkugel darstellt.
Widerstrebend wird Einlaß und Gastfreundschaft gewährt, zu der Gesellschaft addieren sich noch der sehr laute Sir William Porterhouse (Charles Laughton in einer frühen Rolle) und seine aktuelle Freundin Gladys (Lilian Bond), die während des Essens erscheinen. Doch dann gerät die Situation bald außer Kontrolle, als der Diener anfängt zu trinken und schließlich noch eine Person freilässt, die normalerweise stets eingesperrt war.
Nein, wirklichen großen Horror gibt es in „The Old Dark House“ nicht wirklich, eher eine wohl-unheimliche Atmosphäre, zu der die großartigen Bauten des lecken Familienbesitzes beitragen.
Karloff hat – entsprechend seiner Befürchtung, einen Stummen spielen zu müssen – tatsächlich nicht besonders viel zu tun, als erneut grimmig zu schauen und später etwas herumzuwüten.
Bis es soweit ich, kann man die Entwicklungen mit einem Augenzwinkern genießen, wenn Penderel mit Gladys anbandelt und die jungen Eheleute eine erste Belastungsprobe durchstehen müssen, während Porterhouse vor sich hin schwadroniert.
Leider ist auch die eigentliche Gefahr im Haus, der durchgeknallte Pyromane nicht eben wirklich gruselig, Brember Wills ist einfach zu unauffällig, um als die Bedrohung zu wirken, die aufgebaut wird, solange er noch im Off ist. Da wirkt schon verstörender die Entscheidung, den bettlägrigen und uralten Familienpatriarchen deutlich erkennbar von einer Frau (Elspeth Dudgeon, in den Vortiteln als John Dudgeon) spielen zu lassen, weil es angeblich gerade keinen so alten Darsteller zur Verfügung gab.
Obwohl der Film als großer Klassiker gilt, haben eben nur die seltenen Auftritte Karloffs wirkliches Potential, doch wenn es zum Finale dann in die Vollen geht, ist er eh sowohl betrunken wie ausgeknockt, während sich der offensichtliche comic relief Melvyn Douglas mit dem kleinwüchsigen Pyromanen herumschlagen muss und sich nicht eben geschickt anstellt.
Einige Momente und die visuelle Umsetzung zeugen jedoch dennoch von Whales großartigem Talent, auch wenn das Theaterhafte nie ganz abgestellt werden kann und der Ton zwischen Spannung und Gesellschaftskomödie schwankt – speziell Laughton wirkt mit seiner Figur da eher wie ein Störenfried, der nur dazu da ist, „love interest“ Gladys in den Plot zu bringen.
Dennoch unbedingt ein Film, den man aus der klassischen Phase gesehen haben sollte. (7/10)