Interessant einmal einen Kriegsfilm aus nicht-amerikanischen Hause zu sehen. Patriotismus spielt hier demnach keine große Rolle. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn in "Stalingrad" werden einige Soldaten zu Deserteuren und versuchen dem Krieg zu entkommen. Dieser Handlungsstrang wird jedoch erst in der zweiten Hälfte zunehmend dicker. Zuvor begleitet der Zuschauer die Soldaten in der legendären Schlacht um Stalingrad.
Zunächst herrscht eine gute Atmosphäre in der Armee. Aber bald wird die leichte Selbstüberschätzung gnadenlos an eine sowjetische Mauer prallen. Gehorsam steht trotz der brutalen Gefechte an erster Stelle. Die Inszenierung ist dabei sehr realistisch geworden. Wurde vor den Angriffen alles noch sehr sorgfältig geplant, so ist die Planung später im Kampf fast nur noch für die Katz. Durch schlechte Organisation erschießt man dann im Eifer des Gefechts auch schon einmal unbeabsichtigt die eigenen Leute. Sehr auffällig in diesem Kriegsfilm ist, dass die Kameradschaftlichkeit unter den Soldaten kaum existiert. Jeder versucht durch egoistisches Denken sein Hinterteil zu retten. Positiv ist auch die Darstellung des psychischen Drucks, der auf die Soldaten wirkt und dem einige eben nicht Stand halten können. Letzten Endes wenden sie sich schließlich gegen ihre Vorgesetzten - In einem amerikanischen Film kaum denkbar.
Die gesamte Spieldauer ist aber leider nicht immer mit Spannung ausgefüllt. Überraschende Angriffe kehren immer wieder und gestalten den Streifen etwas einseitig. Die Inszenierung ist wie gesagt aber gut gelungen. Der Härtefaktor ist im Verhältnis zur Freigabe teilweise recht hoch und ist wie immer ein Mittel, welches dem Zuschauer das Grauen des Krieges noch näher bringen soll.
Bei den Schauspielern kristallisiert sich niemand wirklich negativ heraus. Bei dem einen Hauptmann wird das eiskalte faschistische Denken sehr gut dargestellt.
Fazit: Dass Deutsche sich an einen Kriegsfilm wagen, ist eher Tabu. Wenn aber eine gute Story dabei rauskommt, mit Soldaten, die das, was sie im Krieg tun, für falsch halten und sich gegen ihre militärische Pflicht stellen, kann das durchaus funktionieren.