Review

In seiner dritten Regiearbeit nimmt sich Joseph Vilsmaier (Nanga Parbat, Der Letzte Zug) den symbolischen Wendepunkt des zweiten Weltkriegs vor. So wird die Schlacht von Stalingrad betitelt, die mehrere hundertausend Menschen das Leben kostete. Als Vorlage diente die Novelle von Christoph Fromm (Die Katze, Schlaraffenland), Vilsmaier selbst schrieb das Drehbuch.

Gerade noch sonnten sich der Obergefreite Fritz Reiser (Dominique Horwitz) und sein Kumpel Unteroffizier Manfred Rohleder (Jochen Nickel) an einem Strand in Italien, da werden sie mit ihrer Einheit und ihrem neuen Lieutenant Hans von Witzland (Thomas Kretschmann) in einem Zug in die Sowjetunion gebracht. Doch in Stalingrad wird die 6. Armee eingekesselt, Reiser, Rohleder, von Witzland, und der junge GeGe Müller (Sebastian Rudolph) können mit einem Verletzten entkommen. Jedoch werden sie dafür in ein Strafbataillon versetzt. Mittlerweile herrscht in Russland tiefster Winter, man stirbt nicht nur im Kugelhagel, sondern besonders die Kälte setzt den deutschen Soldaten übel zu. Für Reiser und die anderen gibt es bald nur noch eine Überlebenschance, diese macht sie jedoch zu Deserteuren.

Ob sich Vilsmaier hier an pure Fakten klammert, möchte ich gar nicht genau unter die Lupe nehmen, jedenfalls ist sein "Stalingrad" eine traurige Angelegenheit, die wohl niemanden kalt lassen dürfte. Die ersten zehn Minuten spielen sich im warmen Italien ab, unsere beiden Hauptcharaktere Fritz Reiser und Manfred Rohleder sind noch nicht lange aus El Alamain zurück, mit ihrem schwer verletzten Lieutenant sitzen sie am Strand und versuchen die Grauen des Krieges kurzzeitig zu vergessen. Doch die Ruhe währt nicht lange, man bekommt schnell noch einen Orden zur Aufmunterung verliehen, der neue Lt. von Witzland präsentiert sich alles andere als sympathisch und schon hockt man eng gepfercht in einem Zug nach Stalingrad. Als Zuschauer hat man hier schon ein mulmiges Gefühl in der Magengrube, denn unsere 6. Armee kann sich in keinster Weise vorstellen, was sie in Stalingrad erwartet. Und hier hat man keine Mühen und Kosten gescheut, um das Kriegsgeschehen dem Zuschauer ziemlich detailgetreu darzustellen. Die 6. Armme wird ins Gefecht geschickt, aber in den Häuserschluchten Stalingrads schnell eingeschlossen. Vilsmaier konzentriert sich dabei auf seine Charaktere, zu Reiser und Rohleder gesellen sich Lt. von Witzland und der junge Gefreite GeGe Müller. Sie entfernen sich unerlaubt von ihrer Einheit und verlaufen sich kurzzeitig in den Tunnelsystemen, welche auch die russischen Soldaten verwendeten, um sich in Stalingrad unbemerkt fortzubewegen.

Was Vilsmaier hier jedoch besonders zur Geltung bringt sind die bestialischen Verhaltensmuster der Deutschen gegenüber russischen Gefangenen, aber auch den eigenen Leuten. Deserteure werden hingerichtet, schwer Verletzte bezichtigt man der Lüge und lässt sie in den Schnee fallen, man lässt die eigenen Leute verhungern. Unsere Charaktere werden zu einem Strafbataillon versetzt. Ausserhalb von Stalingrad müssen Minen entschärft und Panzer geknackt werden. Der Fokus liegt hier weniger auf den Schlachten, davon präsentiert "Stalingrad" eher wenige, diese sind aber schonunglos inszeniert und nicht um Brutalitäten verlegen. Jedenfalls geht es für die deutschen Soldaten nicht mehr um den Krieg, sondern möglichst heil wieder in die Heimat zu kommen. Dafür klaut man Toten den Bescheid vom Arzt, jedoch fliegen bald keine deutschen Flugzeuge mehr nach Russland. Man sitzt in der Kälte fest ohne Nahrungsmittel und Hoffnung. So hat man die Wahl zwischen Flucht und Kriegsgefangenschaft. Das tragische Ende lässt den Zuschauer mit einem unguten Gefühl zurück, man kann sich kaum ausmalen, dass solche grauenvolle Ereignisse jemals stattgefunden haben. Die Darsteller machen ihre Sache durchweg glaubwürdig.

Es ist wie ein Schlag in die Magengrube dieses traurige Kapitel der deutschen Geschichte mitzuerleben. Ob geschichtlich korrekt oder nicht, "Stalingrad" ist intensiv erzählt und üppig ausgestattet, desweiteren verkörpern die Darsteller ihre Rollen mit viel Einsatz.

Details
Ähnliche Filme