Mit „Django – Dein Henker wartet“ gesellt sich ein weiterer, wenig einprägsamer Italowestern zu einer kaum zu überblickenden Riege mittelprächtiger Genrebeiträge, die Italien während des Booms bis in die Siebziger hinein überschwemmte. Regisseur Edoardo Mulargias („Django - Kreuze im blutigen Sand“, „Ein Fressen für Django“) Film darf sich immerhin rühmen einen echten und keinen von der deutschen Synchronisation nachträglich herbeigewünschten Django zu haben, krankt ansonsten aber vor allem an einem, seiner Bedeutungslosigkeit.
Denn Mulargia rekapituliert hier ohne Akzente zu setzen, einen eigenen Stil zu entwickeln oder gar der ausgelutschten Rächer-Mär neue Seiten abzugewinnen einen, trotz seiner kurzen Laufzeit von knapp über 80 Minuten, die bekannten Elemente und formiert sie in einen trägen und schlichtweg langweiligen Italowestern. Alles schon mal da gewesen...
Django (Ivan Rassimov, „Mondo cannibale”, „Lebendig gefressen”) muss den Tod seines Vaters hinnehmen. Don Alvarez schickte seinem Erzeuger seine Männer auf den Hals und ließ ihn töten, um einen angeblichen Betrug zu entgelten. Ob Djangos Vater tatsächlich dieses Delikt beging, wird im Film nie geklärt, gibt Django aber Anlass, um die Knarre aus der Kommode zu holen und sich den Mörder vorzuknöpfen beziehungsweise so ganz nebenher noch die 10.000 Dollar für das Geschäft einzufordern.
Was folgt, ist dem Genrekenner klar, relativiert aber nicht die Tatsache, dass Mulargia nahezu mustergültig zeigt, wie einfallslos und akzentfrei man einen Italowestern abdrehen kann.
Djangos Suche soll sich als einfach gestalten, denn er schaut flugs beim nächstbesten, verdächtigen Nest mexikanischer Desperados vorbei und fragt bestimmt nach, wo die Kohle denn hin sei und wer für den Mord verantwortlich sei. Das Ergebnis der regen Befragung soll ihn in ein mexikanisches Kaff führen, wohin der Bruder (Oder war es jetzt der Sohn?) des Gang-Bosses Navarro heimlich mitsamt der Beute floh. Nun liegt er dort tot im Sand, während seine betrogene Bande schon, die seine Leiche dort aufspürt, mal anfängt die Bewohner zu exekutieren und die Herausgabe des Verantwortlichen fordert. Der beseitigt derweil den einzigen Zeugen und lacht sich eins ins Fäustchen, bis Django bald eintrifft und noch ein paar Henchmen des eingangs erwähnten Don Alvarez. Denn der will die Kohle auch und eigentlich mit den Verbrechern Halbe Halbe machen.
Das hört sich jetzt alles etwas kompliziert an, ist es aber nicht. Ganz im Gegenteil, der Film ist sehr durchsichtig. Neben der akuten Tatenlosigkeit, die den Film lange Zeit im Mittelteil befällt, stört vor allem der deplazierte und unmotivierte Humor, der einen Saufbruder und einen ewig meckernden Sargmacher auf die Zuschauer loslässt. In der deutschen Fassung wird man zudem von einer völlig unvorbereitet in das Geschehen eindringende Witzsynchronisation gestraft, wobei auch die nur sporadisch stattfindet. Geradeso als hätte Rainer Brandt einmal kurz vorbei geschaut.
Von Schmerz und Trauer bei Django ist hier nichts übrig. Er wartet nur in der Kneipe sitzt, trinkt und wird von Rassimov auch nicht gerade Nero-verdächtig gespielt. An solchen zweitklassigen Mimen sieht man immerhin doch sehr gut, was man an den Originalen hatte. Da liegen Welten zwischen. Viel besser gefiel mir da in der Rolle des Gehilfen das Urgestein Ignazio Spalla („Sabata“), der ja nun in jedem Italowestern Edelsupport darstellt und hier als gewitzter Geschäftsmann die Zuschauersympathien auf sich vereint, die Rassimov nie zu sehen bekommt.
Warten, schießen wieder warten und zwischendurch ein wenig Handlung. So läuft „Django – Dein Henker wartet“ ab. Später greift Don Alvarez noch zu einer tückischen List und lässt Djangos Schwester (Ivans Schwester Rada Rassimov) zu sich auf die Ranch entführen. Wäre ja praktisch, wenn Django gleich die Kohle aus dem Kaff mitbringt, wenn er das spitz bekommt und vorbeischaut...
Freilich kommt es dort dann auch zu einem bleihaltigen Finale, aber vorneweg wüten dort noch Raffgier, Verrat und Tod. Großartig überraschen kann das jedoch keinem mehr.
Denn der ganze Ablauf des Films läuft schrecklich unmotiviert ab. Da ist kein Zug im Szenario, keine Emotionen, keine Stimmung, kein spannendes Duell, kein gar nichts. Der Plot ist komplexer als erwartet, wird aber schon allein dadurch egalisiert, dass Django im mexikanischen Kaff einfach herumsitzt, ein wenig palavert und einfach den Dingen ihren Lauf lässt. Irgendwann wird der Mörder schon versuchen mit der Kohle zu flüchten. Seine Rache hatte er fix, nur für den finanziellen Bonus will er sich wohl Zeit lassen. Zu viel Zeit, denn die Geduld des Zuschauers strapaziert er damit über.
Fazit:
Solide photographiert und technisch auf der Höhe der Zeit kann man „Django – Der Henker wartet“ zumindest in der Hinsicht keine Vorwürfe machen. Aber da Regisseur Edoardo Mulargia sich hier augenscheinlich keine Mühe gab seinen Plot packend, ansprechend, flott und vor allem unterhaltsam zu inszenieren, die Akteure abseits von Ignazio Spalla auch nicht gerade zur Creme de la Creme gehören und überflüssige Anflüge von Humor den Film heimsuchen, reicht es nur zur Bedeutungslosigkeit – unterer Durchschnitt.