Der Stummfilm ist eine Art von Film, die heutzutage nur noch bei emsigen Cineasten auf Interesse stößt, aber sonst kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlockt. Und das ist traurig, sehr traurig sogar, bilden die großen Stummfilmklassiker vom Anfang der Filmzeit schließlich das Fundament dafür, was die das Kino heutzutage ist. Hätte es keinen Charlie Chaplin gegeben oder keinen Buster Keaton, wer weiss was aus den Zelluloid-Wundern im Laufe der Zeit geworden wäre. Das muss sich wohl, nach Mel Brooks mit seinem "Silent Movie", auch der schwarze Schauspieler Charles Lane gedacht haben, der mit seinem Regiedebüt einen Film gedreht hat, der im Jahre 1989, leider, nur zum scheitern verurteilt war. Nämlich einen Film, komplett in schwarz-weiss und (fast) komplett nur mit Musik unterlegt. Als eine Hommage an die "guten alten Zeiten" angelegt, gelang ihm damit ein großartiges Stück Film, welches mit wunderbarer Nostalgie nur so um sich wirft und dabei prächtig zu gefallen weiss.
Beim Lesen der Inhaltsangabe zum Film wird einem auch gleich klar, welcher Film hier wohl als große Inspirationsquelle für Lane zu Grunde lag: Charlie Chaplins "The Kid". In "Sidewalk Stories" geht es nämlich um einen verarmten Straßenkünstler, der eines Tages ein Kind aufnimmt, welches er neben seinem erstochenen Vater auffindet. Er kümmert sich liebevoll um das Kind, obwohl er selbst kaum über genügend Mittel zum Leben verfügt. Und die leibliche Mutter ist auch schon auf der Suche nach ihrem Mädchen... Im Grunde ist die Storys nichts anderes, als die Verlegung des Charlie Chaplin-Klassikers, in die verarmten Gegenden von New York im Jahre 1989. Aus dem Jungen wird ein Mädchen und aus dem weißen Tramp ein schwarzer Straßenkünstler. Ansonsten spürt man aber die Referenzen und Zitate zu "The Kid" wirklich in jedem Moment. Viele wunderbare Ideen hat Lane hier aufgegriffen, die dem Zuschauer genauso viel Spaß wie Kummer entlocken. Ein Mischung aus heiterer, lebensbejahender Komödie und tiefgehendem Drama.
Die komödiantischen Aspekte sind dabei wirklich stark an Charlie Chaplin und Buster Keaton angelegt worden. Lane, der in seinem kleinen Film auch die Hauptrolle übernahm, spielt die Rolle des verarmten Künstlers genauso, wie es ein Chaplin auch getan hätte. Sprich er setzt eine ideale Körper- und Mimiksprache an den Tag, die beim Zuschauer ein ums andere Mal für Schmunzler sorgen. Wenn er sich z. Bsp. mit einem seiner "Kollegen" um die Kundschaft zankt, wenn er sich liebevoll und mit viel Humor um das Mädchen kümmert oder in Windeseile ein Bad nimmt, als er bei einer hilfsbereiten Frau in die Wohnung eingeladen wird, dann hat er beim Zuschauer schnell alle Sympathien geweckt und diese auf seine Seite gezogen. Trotz fehlender Worte fiebert der Zuschauer wirklich in jedem Moment mit ihm mit und das ist einfach kann man einfach nur als wunderbar bezeichnen.
Doch neben vielen Schmunzlern versäumt es Lane dennoch nicht, die eigentliche Tragik hinter seiner Geschichte zu verdeutlichen. Denn seine Hauptfigur ist arm, bettelarm und kann sich, vom finanziellen Aspekt her, in keinster Weise um sich selbst kümmern, geschweige denn noch um ein Kind. Die traurigen Seiten von New York werden ohne Scheu so bitter dargestellt wie sie sind. Und dennoch ist überall der Lebensmut der Leute zu spüren, die aus ihrer trostlosen Situation dennoch das Beste versuchen zu machen. Das dies aber dennoch nicht immer funktioniert, erfährt der Zuschauer dann durch das nicht vorhandene Happy End, bei dem Lane dann doch für ein paar Sekunden die Dialoge ertönen lässt, welche dann allerdings nur aus dem bedauernswerten Betteln der Obdachlosen besteht. Selten lagen die schönen und die traurigen Seiten der Menschheit so nah beieinander, wie in diesem Film.
Fazit: Wunderbar gelungene Hommage an die "guten alten Filmzeiten", in denen die Bilder noch nicht sprechen konnten und Mimik und Gestik, sowie die passende Musikuntermahlung, das Einzige wahren, was zählten. Charles Lanes Tragikomödie um einen verarmten Künstlers, der sich liebevoll um ein Kind kümmert, ist nicht nur als Verbeugung vor Chaplins "The Kid" anzusehen, sondern auch als eine Erinnerung an die Zeiten, die die Filmwelt so stark und intensiv prägten, wie es später kaum noch möglich war. Schade, dass diesen Film hier leider kaum einer kennt und somit leider wohl den entgültigen Beweiß erbringt, dass die Stummfilmzeiten vielerorts schon längst vergessen sind. Wer sich aber an Chaplin, Keaton und Co. noch erinnern kann, der sollte sich dieses kleine, sich tief verbeugende Meisterwerk, aus dem Jahre 1989, nicht entgehen lassen!
Wertung: 8,5/10 Punkte