„Top Gun“ ist eine Eliteschule für Flieger der US-Navy, deren Funktion vor allem darin besteht, den jungen Piloten taktisches Geschick und spezielle Manöver für den Luftkampf zu lehren. Vor diesem Hintergrund inszenierte Tony Scott 1985 unter der Obhut des Produzententeams Bruckheimer/Simpson ein Flieger-Spektakel, dass auch 20 Jahre später noch sehr ansehnlich daherkommt – auch wenn über die gesamte Laufzeit sehr offensichtlich ist, dass die Navy dieses Projekt mit Wohlwollen unterstützte und gegen die bedingungslose Glorifizierung des US-Militärs und seiner Soldaten dementsprechend nichts auszusetzen hatte.
Grund genug eigentlich, diesen Film als peinliches Werbevehikel abzustempeln, dessen Existenzberechtigung mit dem Ende des Kalten Krieges abgelaufen ist. Doch irgendwie fällt es schwer, sich ernsthaft über das vorliegende Machwerk zu beklagen. Das liegt einerseits an der völlig überstilisierten Inszenierung, deren Naivität man auch in anderen Actionern der 80er Jahre wiederfinden konnte und einen gewissen eigenwilligen Charme verbreitet. Wenn am Anfang beispielsweise einem feindlichen Mig-Piloten im Rückenflug mal eben der Stinkefinger gezeigt wird – inklusive Fotoshooting – dann darf man durchaus mal schmunzeln. Abgesehen davon vermittelt der mit jeder Menge 80er-Jahre-Stücke gespickte Soundtrack hier ohnehin streckenweise den Eindruck eines überlangen Musikvideos. Getreu dem Motto: „Hauptsache, es rockt !“ Und das tut es.
Wären auf der anderen Seite noch die Darsteller, die eigentlich nichts weiter zu tun haben, als stereotype Verhaltensmuster herunterzuspulen. Doch anders als bei vielen neueren Blockbustern nimmt man der Schauspielerriege ihre Rollen ohne Murren ab – allen voran Tom Cruise als überambitionierter Draufgänger „Maverick“, der einem sofort sympathisch ist und die Oberflächlichkeit seiner Figur nahezu vergessen lässt. Ähnliches gilt für seinen etwas überzeichneten Konkurrenten „Iceman“(Val Kilmer), dessen störrischer Part aber den perfekten Gegenpol zum risikofreudigen und egoistischen „Maverick“ darstellt. Dritte im Bunde wäre Kelly McGillis, die einen ebenso vorhersehbaren wie charmanten Part als Frau an der Seite des Helden abgibt. Und nicht zu vergessen Antony Edwards als „Goose“, Freund und Co-Pilot Mavericks, dessen zwischenzeitliches Ableben durch einen Trainingsunfall den Storyfragmenten so etwas wie eine Wende gibt – zweifelt doch unser Held plötzlich getrieben von Schuldgefühlen an seinen Fähigkeiten, die aber sein Ausbilder „Viper“ (Tom Sizemore) schnell wieder beseitigen kann.
Im Mittelpunkt stehen hier aber selbstverständlich die grandios gefilmten Flugszenen, die trotz der inzwischen längst überholten Technik immer wieder einen Blick wert sind. Fluglärm, Luftgefechte, Macho-Sprüche am Fliessband – Popcorn-Action-Kino aus Hollywood, wie man es seit jeher gewohnt ist. Da sieht man auch großzügig über den unterhaltsamen, aber völlig überzogenen Showdown hinweg, in dem Tom Cruise heldenhaft über sich hinauswächst und mal eben locker fünf gegnerische Migs vom Himmel holt – ein triumphaler Empfang auf dem heimischen Flugzeugträger darf natürlich auch nicht fehlen. Ob man das Ganze als kriegsverherrlichend oder einfach nur als reines Unterhaltungskino ohne jeden realistischen Anspruch ansieht, liegt einmal mehr im Auge des Betrachters.
Trotz seines bis heute fragwürdigen Rufs ist „Top Gun“ ein passabler Actioner, dessen geradezu erschreckende Oberflächlichkeit durch das gut aufgelegte Darstellerensemble und dank einer temporeichen und längenfreien Inszenierung locker wettgemacht wird. Wer über allzu offensichtliche Klischees und heillos überzogenes Heldentum hinwegsehen kann, wird hier immer noch bestens unterhalten.