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M. Night Shyamalan ist zurück, der Herr des gepflegten Gruselns. Angefangen hat alles mit "The Sixth Sense", der selbst heute noch als eines der großen Meisterwerke des modernen Gruselkinos gilt. Sanft in seiner Umsetzung und mit einem mörderischen Plot-Twist am Ende, hatte Shyamalan sowohl Kritiker als auch Publikum auf seine Seite gezogen. Und auch wenn seine nachfolgenden Streifen nicht mehr an den sechsten Sinn heranzukommen vermochten, so waren Shyamalans Filme dennoch ein Garant für Kino der fröstelichen "Schauer über den Rücken"-Sorte. Mit "Das Mädchen aus dem Wasser" wendet er sich nun allerdings vom Gruselkino (größtenteils) ab und erzählt uns ein selbst erfundenes Märchen, welches er seinen Kindern immer am Bett erzählt hat. Leider aber hat diese Geschichte nicht wirklich Kinoqualitäten, auch wenn sie von Shyamalan wieder wunderbar in Szene gesetzt wurde.

"Lady in the Water" erzählt vom Hausmeister Cleveland Heep, der eines Tages eine Nympfe in seinem Pool entdeckt. Diese erzählt ihm, mit einer großen Mission auf die Erde gekommen zu sein. Doch sie hat kaum Chancen, auf der Erde zu überleben. Also setzt sich Cleveland daran der Nympfe zu helfen und sie wieder in ihre Welt zurückkehren zu lassen. Doch dies erweist sich als schwieriger als gedacht, denn unheimliche Wesen setzen alles daran, das die Nympfe nicht wieder nach Hause zurückkehren kann. Also wendet sich Cleveland nun an seine Nachbarn, in denen ungeahnte Talente stecken... Etwas verworren und merkwürdig klingt Shyamalans Geschichte und das ist sie auch. Merkwürdige Wesen, verschrobene Charaktere und ein Fabelwesen das rück nach Hause will, dass hat man, zugegeben, in dieser Konstellation nur selten in einem Film erlebt. Leider aber wirkt die Geschichte auch im Drehbuch nur so, als was sie ursprünglich konzipiert war, als harmlose Gute-Nacht-Geschichte. Dramatik und Tiefgang sind hier leider genauso wenig vorhanden, wie eine wirkliche Spannung. Ja, hier und da wirkt das fadenlose Geschichtchen regelrecht unvollendet und lässt ab und an einige mächtige Plotholes klaffen. Da hätte Shyamalan doch etwas mehr Sorgfalt walten lassen, bevor er sich an die Verfilmung seiner eigenen, zusammen gesponnenen, Gute-Nacht-Geschichte wagt.

Zudem gelingt es dem Regisseur dieses mal auch nicht, dass der Zuschauer irgend eine glaubhafte Sympathie für die Charaktere aufbringen kann. Auch wenn sie, abgesehen von den Fabelwesen, eigentlich alle aus dem typischen Leben herausgeschnitten worden sind, so ist ihre Zeichnung mal nur unzureichend ausgefallen, um im nächsten Monent vollkommen übertrieben auf den Zuschauer herüber zu kommen. Die Balance zwischen beidem geht Shyamalan dieses mal leider vollkommen abhanden, weshalb ein richtiges Mitfiebern mit den Figuren kaum möglich ist, auch wenn man sich hier und da durchaus mit ihnen identifizieren könnte. Aber wenn die Sympathie fehlt, dann nützt selbst das manchmal recht wenig.

Was Shyamalan da wesentlich mehr inne hat, ist die ganze Umsetzung. Auch wenn das Drehbuch zerfasert ist, so lässt es doch einigen Spielraum, für eine wirklich gelungene Inszenierung zu. Die Auswahl der Locations, die ruhige Erzählweise, die Kameraarbeit und eigentlich die ganze Optik an sich, sind wieder einmal auf einem derart hohen Niveau, dass man sich der Geschichte dennoch durchaus hingeben kann und sich eben irgendwann doch damit zufrieden gibt, dass wir es hier mit nicht viel mehr als einer "Schlaf-schön-Geschichte" zu tun hat. Vor allem durch die Auswahl seiner Bilder erzeugt der Regisseur wieder eine Atmosphäre, die bis zum Schluss nicht abbrechen mag. Auch wenn es dieses mal keine Gruselatmosphäre ist, so ist es einfach eine Atmosphäre, die von der Schönheit der Bilder, sowie dem extravaganten Score ausgesprüht wird, ohne das sich nun irgend ein sonderliches Gefühl dahinter zu verbergen vermag. Auch wenn es Shyamalan gerne gehabt hätte, dass seine Bilder Gefühle erwecken, so ist es doch irgendwo nur eine Atmosphäre die man verspürt und diese ist schlichtweg sagenhaft. Dennoch wäre ein wenig mehr natürlich wünschenswert gewesen.

Hinzu kommen dann auch noch die grandiosen Darstellerleistungen, vorzüglich von Paul Giamatti und Bryce Dallas Howard, die beide in absoluter Höchstform agieren. Das Giamatti einer der besten Charakter-Darsteller unserer Zeit ist, brauche ich sicher nicht sonderlich zu erwähnen, doch dieses Können stellt er hier wieder einmal exzellent zur Schau. Dallas Howard spielt dagegen auf einem ganz anderen Niveau, was aber für ihre Rolle ebenfalls wunderbar zum tragen kommt. Dazu noch einige andere bekannte Gesichter wie Freddy Rodriguez, Bob Balaban, Jeffrey Wright und Bill Irwin, die allesamt ebenfalls vollkommen überzeugen. Nur Syamalan selbst, der hier erstmals eine etwas größere Rolle übernimmt, hat vor der Kamera eigentlich nichts verloren. Aber nun gut.

Fazit: Shyamalans Umsetzung, einer selbst ersponnenen Gute-Nacht-Geschichte, ist leider nur bedingt gelungen, zumal die Geschichte ansich schon keine wirklichen Kinoqualitäten besitzt. Auch wenn das Ganze in seinem Film schön aussieht, durchaus mit Atmosphäre protzen kann und in Sachen Optik und Sound viel zu bieten hat, was man einfach nur als "wunderschön" bezeichnen muss, so ist der Inhalt eben doch nur auf Schlafgeschichten-Niveau und fürs Kino einfach zu wenig und zu dürftig ausformuliert worden. Schade um Shyamalans Potenzial, welches er hier so gut wie gar nicht ausgenutzt hat. Hoffen wir mal, dass das beim nächsten Mal wieder anders aussieht, zumindest im Inneren!

Wertung: 5,5+/10 Punkte

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