Mitte der 60er Jahre mit gerade 50 Jahren konnte Steno schon auf ein umfangreiches Werk zurücksehen. Nach fast 25 Jahre Drehbucharbeit und knapp 40 Filmen unter seiner Regie seit 1950 im von ihm bevorzugten Komödien-Fach, hatte er nicht nur die Bandbreite des Genres ausgelotet, sondern auch die Entwicklung der "Commedia all'italiana" ausgehend vom Neorealismus maßgeblich mit beeinflusst. Zuletzt waren noch zwei Western-Komödien hinzu gekommen ("Gli eroi del West" und "I gemelli del Texas", 1964), machte er das Dutzend an Filmen mit Totò voll ("Totò contro i quattro", 1963) und legte kurz darauf in einer Art Wachablösung seinen ersten Film mit dem inzwischen populär gewordenen Komiker-Duo Franco Franchi/Ciccio Ingrassio vor ("Un mostro e mezzo", 1964). Nur die aufkommende Sex-Welle war an ihm bisher vorüber gegangen, während sein langjähriger Regie-Assistent und Co-Autor Lucio Fulci schon die zwei Erotik-Komödien „Gli imbroglioni“ (1963) und „I maniaci“ (1964) abgeliefert hatte, jeweils unter Mitwirkung von Franco Castellano und Giuseppe Moccia am Drehbuch.
„Letti sbagliati“ (Die richtige Frau im falschen Bett) wurde zwar zu Stenos Einstieg ins Erotik-Genre, blieb aber noch halbherzig, da er nur Regie führte. Er beteiligte sich nicht am Drehbuch, sondern überließ es seinem langjährigen Vertrauten Sandro Continenza, der zuvor schon an mehreren Episodenfilmen („L‘amore difficile“ (Erotika, 1962)) mitgewirkt hatte, hier die vier Kurzgeschichten alleine zu verfassen. Diese im italienischen Episodenfilm seltene Konstellation eines Kreativen-Duos hätte zu einem Prozess innerhalb der vier Episoden genutzt werden können oder wenigstens für eine erzählerische Klammer – stattdessen wirken die vier Filme inhaltlich und von der Reihenfolge her beliebig zusammengestellt. Dem deutschen Verleihtitel „Die richtige Frau im falschen Bett“ ist entsprechend die Hilflosigkeit anzumerken, einen thematischen Überbau zu finden, aber auch „verwechselte (falsche) Betten“, wie der Film im Original heißt, passte nicht zum Inhalt.
Denn die vier Kurzfilme besitzen nur eine Gemeinsamkeit - einen männlichen Verlierer-Typus. Doch die Gründe dafür könnten kaum unterschiedlicher sein. Lando Buzzanca spielte in der ersten Episode „Il complicato“ (Der Komplizierte) einen jungen Mann, der im Schlafwagen von Rom nach Mailand reist und dabei auf einen Kabinengenossen trifft, der mit allen Machismo-Wassern gewaschen ist. De Rossi (Aldo Giuffrè) schwadroniert zusammen mit Professor Vittorio Foconi (Pietro Tordi), den sie im Speisewagen kennenlernen, von den erotischen Abenteuern, die im Schlafwagenabteil auf einen Mann warten – offensichtlich eine damals beliebte Sex-Fantasie, die beispielsweise auch im späteren Buzzanca-Film „Warum hab‘ ich bloß 2x ja gesagt“ (1969) eine wichtige Rolle spielte. Der etwas schüchterne Burolli (Lando Buzzanca) zweifelt daran und fühlt sich auch bestätigt, als De Rossi bei einer hübschen Dame (Ingeborg Schöner) abblitzt. Als diese aber ausgerechnet bei ihm ihr Taschentuch fallen lässt, gerät Burolli in den Blickpunkt seiner männlichen Genossen, die von ihm fordern, eine solche Gelegenheit nicht auszulassen.
Weil Burolli aber immer noch nicht an seine Chancen glaubt, bietet ihm De Rossi eine hohe Wette an: wenn es nicht klappt, zahlt er, sollte er aber eine Nacht mit der jungen Frau verbringen, muss Burolli die Wettschuld begleichen. Für den jungen Mann scheinbar eine faire Angelegenheit. Continenza spielte in der ersten Episode mit dem klassischen männlichen Rollenverhalten innerhalb einer Gruppe. Burolli kann sich dem Druck nicht entziehen, will er nicht als Feigling dastehen, aber Lando Buzzanca wäre nicht Lando Buzzanca, wenn er sich im Abteil der Schönen nicht ungeschickt anstellte. Was diese auch zu fördern weiß, weshalb es natürlich nicht zum Sex kommt, er aber trotzdem zahlt, um nicht als Versager zu gelten. Die letzte Szene spielt in der Wohnung von De Rossi und lässt deutlich werden, dass es sich bei ihm und der jungen Frau um ein Gauner-Paar handelt, das die männlichen Fantasien im Schlafwagenabteil für ihre Zwecke nutzt. Ein Abschluss-Gag, der dem vorherigen Treiben etwas die sezierende Komponente nimmt, da die Absicht dahinter deutlich wird. Aus De Rossis Worten ist allerdings herauszuhören, dass ihr Trick sonst leichter klappt – Burolli war kein typischer Macho, sondern „il complicato“.
Die zweite Episode "00-Sexy, missione bionda platino" (00-Sexy – Mission Platinblond) ist gänzlich anders konzipiert mit einem zutiefst unsympathischen Protagonisten im Mittelpunkt. Der etwa 50jährige Ingenieur Filippo (Raimondo Vianello) sieht sich selbst als coolen Agenten á la James Bond, der sich mit einem Trick die platinblonde Nachbarin (Margaret Lee) im Aufzug gefügig machen will. Zuerst nur im Traum, aber dann beginnt er seine Wünsche in die Tat umzusetzen und plant, erst den Aufzug außer Betrieb zu setzen, um dann die junge Frau mit einem Gas zu betäuben. Nichts weniger als eine versuchte Vergewaltigung, die sich glücklicherweise gegen den Verursacher wendet. Und gegen den Autor, der die Story offensichtlich so komisch fand, dass er stattdessen einen jungen Handwerker auf seine Kosten kommen ließ, der versehentlich mit der Ehefrau des Ingenieurs im Aufzug eingesperrt wurde.
Die dritte Episode "Quel porco di Maurizio" (Maurizio, was für ein Schwein) kehrte diesen Ansatz wieder um, indem sie aus einem harmlosen Vorfall eine Straftat werden ließ. Aldo Puglisi spielte hier – wie zuvor schon in "Sedotta e abbandonata" (Verführung auf italienisch, 1964) – einen wenig souveränen jungen Mann, den ein Moment der Schwäche in große Schwierigkeiten bringt. Allein mit der schönen Blondine Enrichetta Cordelli (Beba Loncar) in einem Zugabteil, missversteht Maurizio (Aldo Puglisi) ihr laszives Verhalten als Aufforderung und küsst sie spontan, als sie sich Beide beim Aufheben ihrer aus der Handtasche gefallenen Gegenstände nähern. Was ihm eine Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung einbringt und das Missfallen seiner Umgebung, für die er nur noch als „Schwein“ gilt. Einzig sein Anwalt (Carlo Giuffrè) setzt sich für ihn ein, verfolgt aber ganz eigene Ziele, als er selbst die junge Frau schätzen lernt, die bei ihrem sehr kurzsichtigen Onkel wohnt.
Der dritte Teil zeigte am deutlichsten die Diskrepanz zwischen damaliger konservativer Realität und den hier zugrundeliegenden männlichen Fantasien. Die weibliche Figur wechselt ständig in für Männer nicht nachvollziehbarer Weise zwischen Heilige und Hure, womit die Episode ein beliebtes Vorurteil über Frauen bediente. Continenza und Regisseur Steno verfolgten damit keinen gesellschaftskritischen Gestus, sondern nutzten die Stories von verführerischen Frauen und geilen Männern für eine eher handfeste Komik und die erotisch ins Bild gerückten Darstellerinnen Ingeborg Schöner, Margaret Lee und Beba Loncar. Sieht man von den noch fehlenden Nacktaufnahmen ab, wies „Letti sbagliati“ damit schon ganz auf den Geist der „Commedia sexy all’italiana“ der späten 70er Jahre hin.
Bei der vierten Episode „La seconda moglie“ (Die zweite Ehefrau) handelt sich um einen Sketch des Duos Franco Franchi/Ciccio Ingrassi, gegen den selbst der bisherige Humor noch feinsinnig wirkt. Sexuelle Fantasien spielen hier keine Rolle, sondern nur Extreme. Ingrassi gibt einen verbohrten sizilianischen Ehemann, der trotz neuer Ehefrau (Olimpia Cavalli) die gemeinsame Wohnung mit Bildern seiner verstorbenen ersten Frau zugepflastert hat, da es sich bei dieser um eine Heilige gehandelt haben soll – die treueste und beste Ehefrau, wie er seiner zweiten Frau ständig vorhält. Wie gewohnt unterhöhlte Franco Franchi grimassierend und mit unverhohlener Freude diese Illusion. Im Rollstuhl sitzend lebt er seit Jahren als sein Bruder in dessen Haushalt und lässt es sich gutgehen. Dass er weder sein Bruder, noch behindert ist, weiß Ingrassi nicht, aber auch als er einen Brief erhält, der ihn als betrogenen Ehemann ausweist, kapiert er lange nicht, dass das Lügengebäude um ihn herum zusammenfällt.
Verfügten die ersten drei Stories über ein realistisches Szenario, arbeiteten Franchi/Ingrassi in ihrer Persiflage auf archaische Vorstellungen von Ehre und Moral wie üblich mit exzessiver Übertreibung. Auch die bis auf kurze Aufnahmen bei einer Modenschau fehlenden erotischen Einblicke lassen „La seconda moglie“ als Abschluss des Episodenfilms zuerst unpassend wirken. Ihr Sketch lässt sich aber auch als ironischer Kommentar auf die den Voyeurismus unverhohlen bedienenden ersten Kurzgeschichten verstehen - hier wird der männliche Protagonist am Ende zu einem willenlosen Hampelmann. (5/10)