Warum tut man sich ein Remake an, wenn einem das Original schon alle Zähne gezogen hat.
Dick Maas' "Fahrstuhl des Grauens" hat zwar einen gewissen Ruf, besonders als moderner Euro-Horror, aber deswegen muß er noch lange nicht gut sein. Im Gegenteil, es ist ein ziemlich dilettantischer Film.
Trotzdem fand sich knapp zwanzig Jahre später ausgerechnet wohl in den USA ein Geldgeber, der reichlich Kohle in ein US-Remake pumpte, für das Maas dann wieder verantwortlich zeigte, wohl auch weil es sein Baby war.
Nun ist es zugegeben schwer, den ersten Film zu vergessen und darum will ich es auch lieber gar nicht tun. Aber die Ansprüche schraube ich mal im Hinterkopf herunter.
Trotzdem: "Down" ist ein inhaltlich fast deckungsgleiches Remake des Holland-Imports, lediglich aufgepumpt durch diverse B-Stars, wesentlich bessere FX, reichlich Technik und diverse optische Qualitäten, die man mit mehr Budget eben erreichen kann.
Dumm nur, daß die Amis momentan auf Katastrophenthriller in Hochhäusern enorm verzichten können, dabei ist es doch kein terroristischer Akt, sondern ein marodierender Lift, der sich hier seine Opfer sucht.
Gegen eventuelle schlechte Presse hat man vorgesorgt; per Effekt entsteht vor unseren Augen mitten in Manhattan der 400m hohe Millenniums-Tower, bei dem die Technik den Hau weg hat. Diverse Leute müssen, bisweilen auch nur beinahe, dran glauben, bis ein wackerer Fahrstuhltechniker samt Journalistin dem Spuk auf den Grund geht.
Wer das Original kennt, darf in der ersten Filmhälfte schon mal fleißig Posten abhaken, denn hier geschieht (fast) alles wieder: die Gruppe Schwangere, der Blinde, der geköpfte Wachmann, alles wie gehabt. Nur eben, das es von der Oberfläche besser und teurer aussieht. Sogar der Köpfvorgang ist diesmal plausibel getrickst.
Doch das schützt vor Einfallsarmut nicht, denn Maas hat sich bis in den letzten Winkel des Plots nichts Neues einfallen lassen, hat die bestehenden Verhältnisse allerhöchstens erweitert, um den Film bunter zu machen.
So sind denn die Jungstars James Marshall und Naomi Watts dann auch agil genug, um nicht so lethargisch wie die Holländer (traurig: Huup Stapel) dazustehen, allerdings hadern beide mit akuter Gesichtslosigkeit, denn gegen die Lift-Effekte können beide kaum anspielen. Ein Partner von Marshall bereichert noch ein wenig den Film, doch in der ersten Stunde zieht es sich etwas, wenn das Skript sich von Liftaktion zu Liftaktion hangelt und zwischendurch nur die Charaktere (sehr langsam) angewärmt werden.
Den qualitativen Startschuß gibt dann das aufsehenerregende Schicksal eines rücksichtslosen Skaters (ich sag jetzt nur mal: Extremsport!!!) und dann packt Maas es in der Schlußhalbenstunde doch noch an. Da wird dann deftig die Stirb-langsam-Versatzstück-Kiste geöffnet und im Skyscraper wird ordentlich gehangelt und gesprengt, wobei eine denkwürdig Sequenz rund um einen Fahrstuhlboden Lust auf Treppensteigen macht. Hier macht, trotz des Klaus, der Film Spaß, denn er gewinnt endlich den Drive, den ihm die Akteure nicht vermitteln können, weil der Plot so mechanisch ist.
Da helfen weder Michael Ironside, noch Ron Perlman, noch Dan Hedaya in recht kleinen Bit-Parts, die uns mehr mit ihrem Gesicht, als mit einem Storybeitrag erfreuen.
Wer also das Original nicht kennt, wird vielleicht eine freudige Überraschung erleben, denn gegen schematische Videoware hebt sich der von Maas mehr als sorgfältig inszenierte Film doch erfreulich ab. Allen anderen kommt das sicher bekannt vor, doch vielleicht gibt der Schluß dann doch noch den positiven Ausschlag.
Leider versorgt uns das Buch auch im zweiten Anlauf nicht mit irgendwelchen Erklärungen, warum das auslösende Moment gerade in einem superfrequentierten Hochhaus eingesetzt wurde, obwohl es ja eh nie funktionierte, wieso es so böse reagiert, warum es mal geht und mal nicht und wie es die betreffenden Geräte kontrolliert. Wer dieses enorme Logikloch auf der Basis gut abgekurbelter Unterhaltung und eines recht beachtlichen Effekt- (und Gore-) Levels mal eben zur Seite schiebt, kann sich einen schönen Abend machen.
Und Aerosmiths "Love in an elevator" zu den Schlußtiteln ist eine richtig nette Idee. (6/10)