Nach „Platoon“ legt Oliver Stone mit „Geboren am 4. Juli“ den zweiten Teil seiner Vietnamtrilogie vor, der sich nun mit den Kriegsheimkehrern beschäftigt.
Hauptfigur der Geschichte ist Ron Kovic (Tom Cruise), der als typischer US-Kleinstädter aufwächst und sich meldet, um in den Vietnamkrieg zu ziehen. Stone legt viel Wert darauf Ron als normalen US-Teen zu beschreiben, der sich sportlich im Ringen betätigt, doch jedoch nicht der Star ist und mit großen Idealen in den Krieg zieht. Da offenbaren sich bereits Parallelen zur Hauptfigur aus „Platoon“, die aus ähnlichen Gründen nach Vietnam ging.
Als Marine in Vietnam lernt Ron jedoch das Grauen des Krieges kennen, wird im Kampf schwer verwundet und kehrt unfähig seinen Unterleib zu benutzen in die USA zurück. Dort muss er jedoch mit der schlechten Behandlung von Veteranen und der Tatsache, dass viele gegen den Krieg sind, fertig werden…
Stones Antikriegsfilm beschäftigt sich mit dem sonst oft vernachlässigten Thema Kriegsheimkehrer und zeigt deren hartes Schicksal. Ron hat arge Probleme seine Verletzung zu akzeptieren und muss feststellen, dass Amerika zwar jede Menge Knete in den Krieg, aber kaum Geld in die Versorgung der Invaliden steckt. Zudem wird er von diversen Bürgergruppen angefeindet, da er im Krieg war; protestiert er jedoch gegen seine schlechte Behandlung auf Seiten der Friedensbewegung, werden er und die anderen Demonstranten oft Opfer von Polizeigewalt.
Stone hält ungewohnte Einsichten und ungeschönte Bilder parat, wobei nur ein kleiner Teil des Films in Vietnam spielt und das dort gezeigte durch einen rötlichen Farbfilter einen surrealen Touch erhält. Bewegend ist „Geboren am 4. Juli“ trotzdem, z.B. wenn Ron sich aus Frust mit seiner Familie verkracht oder die Hinterbliebenen eines Kameraden besucht, von dem er glaubt dessen Tod verschuldet zu haben. Die Vietnamszenen enthalten auch eine Dorfszene, die das Verhalten von US-Soldaten aufzeigt, jedoch weitaus weniger krass und schonungslos als die Dorfszene aus „Platoon“ daherkommt. „Geboren am 4. Juli“ zeigt sich doch etwas Soldatenfreundlicher als Stone erster Vietnamfilm und prangert eher das Verhalten der damaligen Regierung an.
Da trifft es sich auch gut, dass Stone eine famose Besetzung zusammengetrommelt hat, darunter auch einen toll agierenden Tom Cruise, der hier bereits früh etwas anderes als seine Schönlingsrollen Marke „Top Gun“ macht. Auch der Rest der Darsteller spielt wirklich sehr gut, wobei Stone hier weniger große Namen als in „Platoon“ versammelt hat. Willem Dafoe spielt hier in einer sehr kleinen Rolle mit, Kyra Sedgwicks Part ist auch nicht viel größer und ansonsten kennt man die Leute kaum. Der reale Ron Kovic, auf dessen Biographie der Film basiert, hat auch einen Gastauftritt.
Leider ist „Geboren am 4. Juli“ nicht ganz so gut wie besten Filme Stones geworden, denn Stone erzählt die Geschichte etwas zu episodenhaft. Mit starken Zeitsprüngen springt er von einer Gesinnungsphase Rons zur nächsten, sodass die psychologische Entwicklung stellenweise nicht so ganz glaubhaft wird und man nur teilweise versteht, warum Ron vom glühenden Kriegsbefürworter trotz Invalidität schließlich zum Kriegsgegner avanciert. Einige Episoden (z.B. der Mexikourlaub) wirken zudem etwas eingeschoben und bedeutungslos.
Doch trotz dieser kleinen erzählerischen Mängel ist „Geboren am 4. Juli“ ein recht gelungenes Vietnamdrama, das sich dem wenig behandelten Themas Kriegsheimkehrer sorgsam annimmt und gut gespielt ist.